# taz.de -- E-Scooter in Berlin: Endgegner der Stolperfallen
       
       > Behinderten- und Verkehrsverbände fordern ein radikales Umsteuern bei der
       > Genehmigung von E-Scootern. Nur die CDU hält sich mit solchen Versprechen
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Ärgernis und Gefahr nicht nur für blinde Menschen: wild abgestellte Sharingscooter und -räder
       
       Die „Wahlprüfsteine“, an denen Parteien ihr Programm messen lassen müssen,
       sind manchmal buchstäblich Stolpersteine. Oder Stolperfallen – wie die
       vielen E-Scooter, die wild auf den Berliner Gehwegen herumstehen oder
       -liegen, weil es noch immer kein funktionierendes stadtweites
       Stationssystem gibt. Zumindest für all jene, die sich dem [1][Aufruf des
       Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV) und des FUSS
       e. V. zum Thema E-Scooter] angeschlossen haben, ist eigentlich klar, wen
       sie wählen können und wen nicht.
       
       Die von fast 50 Behinderten-, Verkehrs- und Umweltschutzorganisationen
       sowie Seniorenbeiräten unterstützte Forderung lautet: Ab April 2027, wenn
       die geltenden Sondernutzungsgenehmigungen für Sharinganbieter auslaufen,
       sollen die elektrischen Roller nur noch auf fest eingerichteten
       Abstellflächen geparkt werden dürfen – und die Leihunternehmen sollen nicht
       mehr Fahrzeuge gleichzeitig anbieten dürfen, als rechnerisch auf diese
       Flächen passen. Darauf festgelegt haben sich die Spitzenkandidaten von
       Linken, Grünen und SPD, der CDU-Bewerber für den Sessel im Roten Rathaus
       hält sich dagegen bedeckt.
       
       Dass Stefan Evers im Gegensatz zu Elif Eralp, Werner Graf und Steffen Krach
       in diesem Kontext nicht Klartext redet, liegt natürlich auch daran, dass
       seine Parteifreundin, Verkehrssenatorin Ute Bonde, erst im Mai eine
       [2][„Sharingstrategie 2035“ vorgelegt] hat. Die sieht zwar Ähnliches vor
       wie das, was ABSV und FUSS fordern, dehnt die berlinweite Umsetzung aber
       über einen Zeitraum von 10 Jahren aus: Erst 2035 gäbe es in allen Kiezen
       und Bezirken ein mehr oder minder dichtes Netz sogenannter
       Mobilitätsstandorte, außerhalb derer die Roller nicht abgestellt werden
       dürfen bzw. können.
       
       Technisch lässt sich das längst durch sogenanntes Geo-Fencing lösen: Die
       Scooter werden per GPS geortet und erst wenn sie sich an vorgesehenen Orten
       – etwa auf den von der BVG betriebenen „Jelbi“-Punkten – befinden, lässt
       die Leih-App eine Rückgabe zu. Schon heute gibt es im Innenstadtbereich
       Zonen, in den das so funktioniert, die Zahl der Standorte soll aber von
       aktuell weniger als 600 auf 3.000 anwachsen, die sich auch in nicht zentral
       gelegenen Gebieten befinden.
       
       ## „Traue mich nicht mehr alleine raus“
       
       Bei einer von ABSV und FUSS organisierten Podiumsdiskussion am Mittwoch
       waren die verkehrspolitischen SprecherInnen der vier Parteien eingeladen,
       ihre Sicht der Dinge darzustellen. „Es geht hier nicht um einen
       Wohlfühlaspekt“, betonte der Vorstand des [3][Allgemeinen Blinden- und
       Sehbehindertenvereins] Andreas Bethke in seiner Einleitung. Die wild
       abgestellten Scooter, deren Form etwa mit einem Langstock nur schwer zu
       ertasten ist, führten zu gefährlichen Situationen und wachsender
       Unsicherheit bei den Vereinsmitgliedern. „Immer mehr Menschen sagen: ‚Ich
       trau mich alleine gar nicht mehr raus.‘“
       
       Kristian Ronneburg (Linke) sagte, er wolle ein System, bei dem die Anbieter
       „darum konkurrieren, wer die Regeln am zuverlässigsten einhält“. Die
       Vergabe von Sondernutzungsgenehmigungen müsse so ausgestaltet werden, „dass
       wir diejenigen aussieben, die bei der Verkehrssicherheit zum Jagen getragen
       werden müssen“. Über die Frage nach dem Abstellen der Roller hinaus müsse
       es auch mehr darum gehen, ihre Nutzung durch Kinder und Jugendliche unter
       dem Mindestalter von 14 Jahren zu unterbinden. [4][Die Zahl der Unfälle mit
       E-Scootern sei im vergangenen Jahr die höchste seit deren Einführung
       gewesen.]
       
       Wie Ronneburg drückte auch der verkehrspolitische Sprecher der
       CDU-Fraktion, Johannes Kraft, seine „volle Sympathie“ für das Anliegen der
       KritikerInnen aus, verwies aber auf die bestehende Sharingstrategie. „Ich
       befürchte, dass sich das Thema E-Scooter in dieser Stadt erledigen würde,
       wenn wir Ihre Forderungen umsetzten“, sagte er in Richtung der
       Veranstaltenden. Auch er wünsche sich aber, dass es nicht 10 Jahre bis zur
       abschließenden Umsetzung dauere. Auch technologisch sei noch mehr machbar –
       zum Beispiel zwangsweises Abbremsen auf Schrittgeschwindigkeit, wenn ein
       Roller in eine Fußgängerzone oder eine Spielstraße einfahre.
       
       Während Tino Schopf (SPD) seine persönlichen Zweifel am Sinn von derzeit
       rund 46.000 E-Rollern zum Ausdruck brachte, die im Schnitt nur wenige
       Minuten am Tag bewegt würden, fand seine Kollegin Oda Hassepaß (Grüne),
       dass die Politik ihre Maßnahmen auf die schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen
       abstimmen müsse. Dabei zählten nicht nur die registrierten Unfälle, sondern
       die Tatsache, dass Mobilität von vornherein verhindert werde, wenn Menschen
       sich nicht mehr auf die Straße wagten.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.berlin.de/sen/uvk/mobilitaet-und-verkehr/verkehrsplanung/geteilte-mobilitaet/sharing-strategie-2035/
 (DIR) [3] /Behinderungen-durch-E-Scooter-in-Berlin/!6191550
 (DIR) [4] /Toedlicher-E-Scooter-Unfall-in-Berlin/!6172831
       
       ## AUTOREN
       
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