# taz.de -- Nach Blackouts in Berlin: Ein Mast im Knast
> Nach den Anschlägen auf die Stromversorgung rüstet Berlin beim Schutz
> kritischer Infrastruktur nach. Am Tatort in Johannisthal ist der Umbau
> abgeschlossen.
(IMG) Bild: Eine kleine Festung: Einer von zwei „Endmasten“ in Johannisthal, die 2025 angezündet wurden
Es hat etwas von einem Hochsicherheitstrakt, was da am Königsheideweg in
Berlin-Johannisthal in der Morgensonne glänzt: ein hoher Metallzaun,
Nato-Stacheldraht, Pfähle mit schwenkbaren Überwachungskameras und
Lautsprechern sowie Bewegungssensoren und Stahlpoller gegen heranrasende
Fahrzeuge.
Hinter den Mauern dieser modernen Festungsanlage ragen zwei große
Strommasten in den Himmel. Oder, um genau zu sein, sogenannte
Kabelendmasten, an denen insgesamt zwölf armdicke Hochspannungskabel in den
Boden geführt werden – nochmal extra gesichert durch ein Metallgehäuse und
Abwehrdorne.
Genau an diesen beiden Masten hatten Unbekannte im September 2025 ein Feuer
gelegt, das zwei der Kabel zerstörte und [1][einen massiven Stromausfall
auslöste]. Rund 50.000 Haushalte und Geschäfte in Treptow-Köpenick waren
bis zu drei Tage ohne Elektrizität. Es war der größte Blackout in Berlin
seit Ende des Zweiten Weltkriegs – bis nicht einmal vier Monate später eine
Kabelbrücke in Lichterfelde brannte und [2][Berlins Südwesten noch länger
im Kalten und im Dunklen saß].
## Neue Schutzstandards an neuralgischen Punkten
Die beiden Brandanschläge auf die Stromversorgung legten [3][große Lücken
beim Schutz kritischer Infrastruktur] offen. Deshalb ist Berlins
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sichtlich stolz auf die neuen
Sicherheitsvorkehrungen in Johannisthal. Die SPD-Politikerin, die im Senat
auch für den Bereich Energie zuständig ist, präsentiert die just vollendete
Anlage am Mittwochvormittag gemeinsam mit Erik Landeck, dem Geschäftsführer
des Netzbetreibers Stromnetz Berlin.
„Wir haben uns nach den Anschlägen committet, unsere neuralgischen Punkte
mit einem Schutzstandard zu versehen, den es nirgendwo sonst in Deutschland
gibt“, verkündet Giffey. Und die Maßnahmen an den Kabelendmasten seien
„exemplarisch“ für diese „Bemühungen und Anstrengungen“. Dafür habe man
„sehr, sehr viel investiert“, ergänzt die Senatorin. 180.000 Euro waren es
allein für diese Stelle.
„93 Meter Zaun sind hier verbaut“, erläutert Giffey noch und deutet auf den
Käfig hinter sich. „Natürlich ist das nicht die Schönheit in Person, aber
wer hier rüberklettern will, wird das nicht ohne Verletzungen schaffen.“
Berlinweit seien seit Januar sogar 20 Kilometer Zaun errichtet worden. „Das
sind 20.000 Meter, also ein bisschen mehr als hier“, rechnet sie vor. Hinzu
kämen insgesamt 200 Kameras, Wachschutz, Zutrittssensorik, [4][künstliche
Intelligenz zur Auswertung des Bildmaterials]. „Modernster Standard“, freut
sich die Senatorin.
Die Hochrüstung hier am Rand der Königsheide ist Teil der Umsetzung des
sogenannten TOP-Konzepts, das der schwarz-rote Senat im Mai beschlossen
hat. Das Konzept sieht technische, organisatorische und physische Maßnahmen
für einen erhöhten Schutz kritischer Infrastruktur vor.
Zum technischen Teil gehören demnach unter anderem die Schaffung
sogenannter Georedundanzen – doppelt vorhandene Systeme, die räumlich
voneinander entfernt sind, um nicht Ziel eines einzigen Angriffs werden zu
können – und die Entflechtung von Knotenpunkten. Beides sind
offensichtliche Lehren aus den beiden Brandanschlägen, bei denen [5][die
Versorgungskabel und die gleich daneben verlaufenden Redundanzen zerstört
wurden].
Organisatorische Maßnahmen umfassen die Bewachung, aber auch die Frage, wer
Zutritt hat sowie Übungen für den Ernstfall. Und mit physischen Maßnahmen
sind ebenjene gemeint, die hier in Johannisthal so sichtbar sind.
## 3,7 Milliarden Euro für Netzausbau
Laut Stromnetz-Geschäftsführer Erik Landeck wurde dieses Konzept an allen
rund 70 Umspannwerken in Berlin umgesetzt. „Auch wenn Sie es an manchen
Orten vielleicht nicht so deutlich sehen wie hier, können Sie davon
ausgehen, dass es schon da ist.“ Man müsse das Netz sicher machen für neue
Bedrohungslagen, betont er. Insgesamt 3,7 Milliarden Euro will die
Betreibergesellschaft zwischen 2026 und 2030 in den Ausbau und die
Sicherung des Stromnetzes investieren. Etwa soll die Netzkapazität auf mehr
als 4 Gigawatt verdoppelt werden.
Zum Abschied überreicht Landeck Giffey noch ein kleines Dankeschön: Es ist
ein Stück des Kabels, das an dieser Stelle vor einem Jahr durchgeschmort
war, eingefasst in Plexiglas. „Köpenick 2025“ lautet die Gravur. Dann
öffnen die beiden noch kurz das Metalltor, damit die versammelten
Reporter*innen einen Blick in den gesicherten Bereich werfen können.
Verschlossen ist es bloß mit einem einfachen Vorhängeschloss mit
Zahlencode. Das werde natürlich nicht so bleiben, beteuert Landeck. Und bis
die Schließanlage fertiggestellt sei, würden Sicherheitsleute in einem
Bauwagen gegenüber Tag und Nacht Wache schieben.
12 Aug 2026
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## AUTOREN
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