# taz.de -- Skandal in Südkoreas Fußballverband: Sexmassagen für Schiedsrichter
       
       > Nach dem schwachen Abschneiden bei der WM hat Südkoreas Fußballverband
       > nicht nur sportliche Probleme. Ein Bestechungsskandal sorgt nun für
       > Aufregung.
       
 (IMG) Bild: Dem mittlerweile zurückgetretenen Nationalcoach Hong Myung Bo wird Vetternwirtschaft vorgeworfen
       
       Die Polizei werde ihre Ermittlungen womöglich ausweiten, ließ ein
       Offizieller Anfang der Woche wissen. Sofern für die Angelegenheiten, um die
       es gehe, noch nicht die Verjährungsfrist von 15 Jahren abgelaufen sei,
       könnte es für die Verdächtigten also noch unangenehmer werden. Der Ruf ist
       aber schon ruiniert: Vertreter des Südkoreanischen Fußballverbands KFA
       haben offenbar ausländische Schiedsrichter, die Spiele mit südkoreanischer
       Beteiligung zu pfeifen hatten, mit erotischen Diensten bezirzt. Ein
       Bestechungsskandal?
       
       Es sieht schwer danach aus: „Zwischen März 2011 und März 2012 bezahlte die
       KFA sexuelle Dienstleistungen für Gastschiedsrichter in Massagesalons und
       anderen Etablissements für Erwachsene – sowohl vor als auch nach in
       Südkorea ausgetragenen Länderspielen“, berichtete die südkoreanische
       Presseagentur Yonhap am 10. August mit Verweis auf einen Prüfbericht der
       Regierung.
       
       Über den Fall an sich regt sich die Öffentlichkeit schon seit letzter Woche
       auf. Da hatte die Polizei eine Razzia bei der KFA durchgeführt. Auf Basis
       eines bis dahin nicht öffentlichen Prüfberichts aus dem Jahr 2016 kam
       demnach heraus, dass die KFA eben in den Jahren 2011 und 2012 mit eigenen
       Kreditkarten den Schiedsrichtern „sexuelle Unterhaltung“ bezahlt habe. Es
       ging auch um Qualifikationsspiele für die Olympischen Sommerspiele in
       London 2012 sowie die Fußball-WM der Männer 2014 in Brasilien.
       
       Viel dementiert wird nicht: „Wir bedauern zutiefst die Enttäuschung und die
       Besorgnis, die durch die verschiedenen Probleme und Kontroversen rund um
       den Verband seit der Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft 2026 entstanden sind“,
       heißt es in einem Statement der KFA. Zudem wird betont: „Wir möchten jedoch
       klarstellen, dass derart unangemessenes Verhalten oder der Missbrauch von
       Firmenkreditkarten gegenwärtig keinesfalls stattfindet.“
       
       ## Auch eine Sache des Anstands
       
       Für die südkoreanische Gesellschaft stecken in dieser Causa gleich mehrere
       Aufreger. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass die KFA gezielt
       Schiedsrichter mit vom Verband bezahlten sexuellen Dienstleistungen gefügig
       machen wollte, handelt es sich um einen Versuch der Korruption. Die KFA –
       und womöglich die involvierten Schiedsrichter – würden große
       Reputationsschäden erleiden, Sanktionen dürften folgen.
       
       Für Südkorea ist es aber auch eine Sache des Anstands. Denn sexuelle
       Dienstleistungen sollte es offiziell nicht geben. Prostitution ist illegal,
       was erst in diesem Jahr nach einer Klage vom Verfassungsgericht in Seoul
       bestätigt wurde. Massagesalons, die neben Massagen auch erotische Elemente
       beinhalten, lassen sich kaum überwachen. Sollte die KFA das Geschäft
       wissentlich unterstützt haben, hat sie hier Gesetze umkurvt. Auch wer eine
       Legalisierung von Sexarbeit befürwortet, kann hierin Fehlverhalten
       erkennen.
       
       Ganz besonders in Südkorea. Im Land wütet seit Jahren ein Konflikt, der
       immer wieder als „Gender War“ bezeichnet wird, Krieg der Geschlechter.
       Während sich Frauen auf dem Arbeitsmarkt systematisch benachteiligt sehen,
       kritisieren nicht wenige Männer, dass sie zum verpflichtenden Militärdienst
       antreten müssen. Radikalere Gruppen von Frauen propagieren bei ihrer
       Forderung nach Gleichberechtigung, keinen Sex mehr mit Männern zu haben. So
       steht die Affäre um die KFA in einem besonderen Licht.
       
       Für den Verband ist die Lage damit nun noch schlimmer als ohnehin schon.
       Bei der Weltmeisterschaft der Männer war [1][Südkoreas Nationalmannschaft
       enttäuschend in der Gruppenphase ausgeschieden]. Die Aufregung hierüber –
       zumal in einer nominell eher schwachen Gruppe – war so groß, dass sich
       sogar der Präsident des Landes, Lee Jae Myung, vor die Öffentlichkeit
       stellte und Konsequenzen ankündigte. Ein Komitee wurde gegründet, das die
       Vorgänge im viel kritisierten Fußballverband untersuchen sollte.
       
       ## Mutmaßliche Vetterwirtschaft und neues Wahlformat
       
       Im Verband gab es rund um die Ernennung des mittlerweile zurückgetretenen
       Nationaltrainers der Männer, Hong Myung Bo, auch Vorwürfe der
       Vetternwirtschaft. Hong, einst Kapitän Südkoreas bei der sehr erfolgreichen
       Heim-WM 2002, war zuvor von 2013 bis 2014 ein erfolgreicher Trainer
       gewesen. Als der Verband 2024 nach der Entlassung des [2][ebenfalls
       erfolglosen deutschen Trainers Jürgen Klinsmann] einen neuen
       Nationaltrainer suchte, wurde auf sehr kurzem Dienstweg wieder Hong
       berufen.
       
       Nun sucht die KFA auch nach einem neuen Vorsitz – und will hier mit einem
       neuen Wahlformat künftigen Krisen vorbeugen. Während an der Wahl der
       Präsidentin bisher nur rund 200 Personen beteiligt gewesen sind, soll es
       künftig um die 20.000 Wählende geben, was auch aktive Profi- und
       Amateurfußballer einschließen würde. Die Idee: Wer den Verband anführen
       will, muss eine Art Wahlkampf führen und sich an seinen Versprechen messen
       lassen. In diesem Jahr soll die erste solche Wahl stattfinden.
       
       Und die Aufarbeitung des Bestechungsskandals? Da ist die Nervosität rund um
       die mögliche Bezirzung per Sexwork auch schon in Japan angekommen. Der
       dortige Fußballverband will laut der Nachrichtenagentur Kyodo auch
       japanische Schiedsrichter, die die unter Verdacht stehenden Spiele
       leiteten, durchleuchten. Sobald Ergebnisse der Untersuchung vorliegen,
       sollen diese öffentlich gemacht werden.
       
       12 Aug 2026
       
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