# taz.de -- Kein großer Fußball, aber WM: Fans für Südkorea, Punkte für Südafrika
> Die Bafana Bafana stört die grün-rote Freundschaftsparty und ist eine
> Runde weiter. Am Ende gewinnt sie aber nicht nur das Spiel.
(IMG) Bild: Dass Südafrika erstmals in der Geschichte seines Teams die K.-o.-Runde erreicht hat, ging beinahe unter: jubelnder Fan
Ja, spielt denn hier Mexiko? Das musste man sich fragen angesichts der
Massen von grün gekleideten Menschen, die ins Stadion von Monterrey
strömten. Grün und Weiß waren die Mehrheitsfarben hier. Dabei hieß es im
Gruppenfinale Südkorea gegen Südafrika, beide konnten noch weiterkommen.
Für viele Mexikaner:innen dürfte die Paarung vernachlässigbar gewesen
sein. Sie kamen, um ihre Stadt, die parallel spielenden Mexikaner und die
WM zu feiern – und ein bisschen wegen Südkorea. Denn das Land, so hatte die
Gastgeberin einer Unterkunft erzählt, erfreue sich riesiger Popularität in
Mexiko. Wegen [1][Serien wie „Squid Game“], aber vor allem wegen des
[2][K-Pop-Hypes und Bands wie BTS] und Blackpink. Und natürlich seien
Südkoreanerinnen ein beliebtes Schönheitsideal. Viele seien daher ganz aus
dem Häuschen über die zahlreich angereisten Gäste aus Südkorea.
Schon beim [3][Gruppenspiel zwischen Mexiko und Südkorea] hatte es am
Stadion und in der Innenstadt von Guadalajara große Freundschaftsszenen
gegeben. Man filmte sich zusammen, animierte die südkoreanischen Gäste zum
Schnapstrinken und feierte sie wie Stars.
Nun, wo es nicht gegeneinander ging, hatten sich viele Mexikaner:innen
südkoreanische Flaggen ins Gesicht gemalt oder trugen rote Schals, einige
hatten sich gar mit Trikots ausgestattet. Die paar Handvoll
Südafrikaner:innen, die den Weg nach Monterrey gefunden hatten, sahen sich
einer aussichtslosen gemeinsamen Übermacht aus Grün und Rot gegenüber.
Heimspiel für Südkorea in Monterrey.
## Fröhliche Kulturexportparty
So also konnte man ein Gruppenspiel dieser WM auch erzählen: Als
mexikanisch-koreanische Kulturexportparty. Zum Ausverkauf des Stadions
reichte dieses Versprechen allerdings nicht. Einige vor allem teure Sitze
blieben leer. Und das war schon auch emblematisch für diese Vorrunde. 72
Partien, am letzten Spieltag gleich 6 Partien pro Tag. Vielleicht zu viel
teurer Fußball. Und sicher nicht alle Mexikaner:innen wollten auf
Mexiko im TV verzichten. Die Fifa meldete seltsamerweise dennoch
Ausverkauf.
Am Fernseher wiederum hatte die Gruppenphase ein wenig von der
Champions-League-Hinrunde, wo viele Fans das eigene Team plus ein paar
Highlightspiele verfolgen. Natürlich, es gab die Allesgucker. Ein Freund
aus Gambia berichtete vor dem letzten Spieltag, [4][alle WM-Spiele gesehen]
zu haben. Doch möglich war das eigentlich nur in Ländern mit weniger Zeit-
und Hochleistungsdruck als in Europa. Vier Spiele pro Tag oder Nacht
[5][inklusive langer Nachspielzeiten und Trinkpausen], mindestens sieben
Stunden Fußball, das fiel schon unter Leistungsgucken.
Und trotz starker Partien gab es eben auch Gruppen wie diese: Mexiko,
Südkorea, Südafrika und Tschechien. Dort wurde genau der Fußball gespielt,
den viele befürchtet hatten. Die Mexikaner hatten sich schon vor dem
letzten Spieltag für die nächste Runde qualifiziert, wenn auch ebenfalls
nicht spielerisch überzeugend. Für die beiden Teams auf dem Rasen dagegen
ging es um alles. Und tatsächlich tat das dem Spiel gut. Recht munter ging
es hin und her mit Vorteilen für Südkorea, während Südafrika sich erneut
schwertat, das Spiel zu gestalten, aber ein paar kluge Konter spielte.
## WM-Fußball halt
Großer Fußball war das nicht, aber es war eben WM. Dann kollektiver Jubel
im Stadion. Was war passiert? Na ja, Mexiko hatte im Parallelspiel
getroffen. Die Mexikogesänge brachten jäh die Atmosphäre eines großen
Spiels, erst recht, als Mexiko gleich wieder traf. Ein wenig seltsam war
es, eine Partie zu verfolgen, bei der nie klar war, ob gerade auf dem Platz
etwas Sensationelles passiert war oder bloß die Anzeigetafel wieder Mexiko
zeigte. Aber dem Kick hauchte das Leben ein.
Besser zurecht damit kam Südafrika: Ein schöner, schnörkelloser Angriff und
Thapelo Maseko traf in der 63. Minute zum 1:0. Das reichte, denn Südkorea
versuchte zwar viel, brachte aber wenig zustande. Und angesichts des
leidenschaftlichen Abwehrkampfes der Südafrikaner wechselten vielleicht gar
unentschlossene Herzen die Seite.
Südafrika ist also doch noch als Gruppenzweiter weiter, Südkorea wackelt
und muss hoffen. Das hatte den Vorteil, dass niemand richtig
niedergeschlagen nach Hause ging. Für viele Fans in Monterrey war es indes
eine der letzten Chancen, die WM live zu erleben. Ein Sechzehntelfinale
noch wird es in der nordmexikanischen Stadt geben, dann ist Schluss. Viele
nutzten das Spiel daher gleich als Halbtagesausflug. Große Leinwände
zeigten vor der Partie auf dem Stadionareal den Sieg der Brasilianer gegen
Schottland mit Schalte zu Marokko gegen Haiti. Eine Menge Fans waren dafür
schon längst dort. Mexikaner:innen und Südkoreaner:innen feierten
das 3:0 einhellig mit Brasil-Brasil-Chants. Auch das ist WM, ein
Rundumerlebnis.
25 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Alina Schwermer
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