# taz.de -- Fahrräder im Regionalexpress: Eine Nacht im Schloss
> Mit Rädern in den Regio zu kommen, ist ein vergebliches Unterfangen. Auch
> die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich für unsere Autorin
> schwierig.
Es ist fast Mitternacht, als wir das Schloss erreichen. Als wir unsere vier
vollgepackten Räder abstellen und durch das Tor gehen wollen, kommt uns
schon jemand mit offenen Armen entgegen. „Sie haben es geschafft!“, sagt
die Hotelrezeptionistin. Und auch wenn ich erschöpft und wütend bin,
genieße ich es, dass wir so empfangen werden, als wären wir Reiterinnen,
die seit Tagen durch die Steppe ziehen.
Viel mehr als Pferde sehen unsere Fahrräder mit ihren weißen und roten
Lichtern doch aus wie Satelliten in einem sternlosen Himmel, während wir
durch die Dunkelheit auf der hügeligen Landstraße dahinfahren.
Mal spüren wir die frische Luft der Wälder um uns herum, mal den Lärm und
die Abgase der vorbeifahrenden Lkws. Mal lassen wir eine Tankstelle hinter
uns, einen Bauernhof. In der Ferne erkennen wir Dörfer, und sie geben uns
Hoffnung, dass wir es nicht mehr weit haben können.
Dabei sind es nur acht Kilometer, die wir zusätzlich bis zum Schloss Klink
zurücklegen müssen. Aber nach dem Warten am Bahnhof Waren und einem
verlorenen Kampf ist unsere Energie fast alle.
Von 19.30 bis 22.30 Uhr versuchen wir vergeblich, in einen Regio nach
Berlin zu steigen. Dazwischen suchen wir in der Stadt nach einer
Unterkunft. Alles besetzt: Die Plätze sind schnell von anderen Fahrgästen
belegt, die ebenfalls nicht weitergekommen sind.
Beim letzten Zug gerate ich deshalb mit der Schaffnerin aneinander. „Also
Sie entscheiden, dass wir am Bahnhof schlafen?“, frage ich. „Wo Sie
schlafen, ist mir egal“, antwortet sie. „Raus, oder ich rufe die
Bundespolizei.“ Ein Fahrgast mischt sich ein: „Ihr habt Schlafsäcke. Ihr
könnt bis vier Uhr hierbleiben.“ „Dann lieber im Schloss übernachten“,
scherzen wir. Doch wir rufen tatsächlich dort an und finden zwei freie
Zimmer.
Ob die Deutsche Bahn die Kosten dafür erstatten wird? Nach einer Nacht in
luxuriösen Bettlaken und einem Bad um sechs Uhr morgens im See – im weißen
Bademantel des Hotels und in Begleitung der Enten – ist es uns vorerst
egal.
13 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Luciana Ferrando
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