# taz.de -- Gemischtes Fitnessstudio: Sie sind keine Muskelprotze
> Der Wechsel ins gemischte Fitnessstudio ist ein Gewinn und alle
> Vorurteile erweisen sich als haltlos. Beim Zuschauen kann man sogar etwas
> lernen.
Neuerdings trainiere ich mit Männern. „Ladies only“ hat ausgedient, seit
der Laden morgens noch geschlossen ist, obwohl er längst geöffnet sein
soll. Die im Treppenhaus wartenden Frauen zeigen Verständnis. „Das kann
passieren.“, „Es wird bald jemand kommen.“, „Wir haben doch Zeit.“ Ich kann
dem nicht zustimmen. Eine schlägt mir vor: „Geh doch die Straße hoch ins
gemischte Studio.“ Den Home Club verlassen? Nun, in dieser Situation
ausgebremst in Brast, muss ich mich bewegen.
Siehe da: Es ist ein Gewinn. Mehr Platz, mehr Geräte, modernere noch dazu,
einige in doppelter Ausführung und drei Langhantelstände anstatt einer wie
bei den Frauen. Dort ist diese Station andauernd besetzt und das rumänische
Kreuzheben, meine Lieblingsübung, musste ich an manchen Tagen deshalb schon
auslassen. Einige Männer grüßen. Sie sind weder Muskelprotze noch fragen
sie, „Was willst du denn hier?“, und ich plaudere nicht drauflos à la:
„Also, vor zwei Jahren, als ich mit dem Training anfing, hätte ich mich
hier nicht hergewagt.“ Ich kenne die Handhabung der Geräte und zeige mehr
Rücken.
Dass ich Schlimmes befürchtete, nämlich Macho-Gehabe wie lautes Ausatmen
zum Unterstreichen der Anstrengungen, behalte ich auch für mich. Denn die
Typen sind, genau wie ich und ein paar andere Frauen, nur hier, um ihren
Körper zu stärken. Sie betreiben Kraftsport, und es sieht so aus, als
hätten sie Spaß. Das fällt ins Gewicht. Ich hatte Vorurteile und lerne. Oh,
was macht er da? Während ich am Beinbeuger trainiere, schiebt nebenan
jemand ein quadratisches, mit Gewichtscheiben beladenes Metallgestell vor
sich her. Es erinnert mich ans Manövrieren vollbeladener Einkaufswagen im
Baumarkt, bloß die Dinger haben Rollen. Und dort schlägt jemand ein
anscheinend schweres Tau. Wofür ist das wohl gut? Spannend, hier bleibe
ich.
18 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Silke Mohr
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