# taz.de -- CDU und Linke in Sachsen-Anhalt: Niemand will eine Koalition
> Bodo Ramelow plädiert für eine Zusammenarbeit von CDU und Linken nach der
> Wahl. Und stößt auf Betonköpfe, die Realpolitik immer noch nicht
> verstehen.
(IMG) Bild: Der Realpolitiker: Bodo Ramelow von den Linken
Die CDU in Sachsen-Anhalt hat den Schuss immer noch nicht gehört. Eine
„Koalition oder andere Form der Zusammenarbeit“ mit der Linkspartei lehne
man kategorisch ab, erklärte jetzt erneut der sachsen-anhaltische
CDU-Fraktionschef. Nach der Landtagswahl am 6. September werde sich seine
Partei auf „keine Kompromisse“ einlassen. Stattdessen werde es „fünf Jahre
CDU pur“ geben.
Kleiner Servicehinweis: Vier Wochen vor der Wahl liegt die so pure CDU von
Ministerpräsident Sven Schulze in Umfragen bei 22 Prozent und damit 20
Punkte hinter der gesichert rechtsextremen AfD. Es sieht also ohnehin
düster aus. Sicher ist aber, dass es selbst im günstigsten Fall ohne die
Linken keine demokratischen Mehrheiten geben wird.
Nichts anderes [1][hat Bundestagsvize Bodo Ramelow zuvor festgestellt], als
er für eine Kooperation von Linkspartei und CDU in Magdeburg plädierte.
„Wer Schaden vom Land Sachsen-Anhalt abwenden will, der muss in der Lage
sein, über Parteigrenzen hinweg miteinander zu reden“, sagte der
Linken-Realo.
Vermutlich wird es nicht lange dauern, bis jetzt auch die Fraktion
Fundamentalopposition in Ramelows eigener Partei zornig mit dem Füßchen
aufstampft. Jene Strömungen, die auf dem letzten Bundesparteitag der Linken
[2][einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der CDU durchdrücken wollten].
Weil: CDU gleich AfD gleich Faschismus. Und überhaupt: Was ist eigentlich
mit Palästina?
Was in der Debatte untergeht: Niemand will ernsthaft eine Koalition. Es
geht in Sachsen-Anhalt allenfalls um eine CDU-geführte
Minderheitsregierung, die von der möglicherweise einzig verbliebenen
Oppositionskraft im demokratischen Lager, eben der Linken, toleriert wird.
Minderheitsregierungen sind keine Ideallösungen. Das Regieren wird dadurch
nicht leichter, wie die sich seit Jahren [3][ohne eigene Mehrheiten
durchwurstelnden Koalitionen] in Sachsen und Thüringen zeigen. Hier läuft
faktisch nichts ohne Kompromisse. Doch Demokratie lebt von Kompromissen,
auch schmerzhaften. Politiker:innen, die das nicht begreifen wollen,
sollten ihre Berufswahl noch einmal überdenken.
11 Aug 2026
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