# taz.de -- Besetzte GKN-Fabrik bei Florenz: Der Fabrikbesetzung folgt ein Neuanfang
       
       > Fünf Jahre hatten Arbeiter*innen ein GKN-Werk bei Florenz gekapert.
       > Nun geben sie es frei – gegen ausstehende Löhne und mit einem neuen Plan.
       
 (IMG) Bild: Demonstration zur Unterstützung der GKN-Arbeiter:innen im März 2022in Florenz
       
       Nach fünf Jahren endet das wohl längst dauernde Projekt einer
       Fabrikbesetzung in Italien: die [1][Besetzung der GKN], eines
       Automobilteilezulieferers, in Campi Bisenzio vor den Toren von Florenz.
       
       Die Aktivist*innen, die seit fünf Jahren den Eigentümern die Stirn bieten,
       haben jetzt beschlossen, ihre Zelte in der GKN-Fabrikhalle abzubrechen, da
       die [2][Pläne der Umwidmung zugunsten einer von ihnen getragenen
       Genossenschaft] in einer Sackgasse geendet sind. Doch diesen Schritt sehen
       sie nicht als Niederlage: Sie wollen ihren Kampf in anderen Formen
       weiterführen.
       
       Dieser hatte im Juli 2021 begonnen. Die GKN – ein britischer
       Automobilteilemulti, der im Jahr 2018 von dem Kapitalfonds Melrose
       Industries übernommen worden war – setzte damals von einem Tag auf den
       anderen die 422 Arbeiter*innen vor die Tür, um die Gewinne des
       Unternehmens zu steigern. Doch die Beschäftigten reagierten mit der
       sofortigen Fabrikbesetzung.
       
       Sie verlangten ein Zukunftsprojekt, das den Standort und ihre Arbeitsplätze
       sicherte – und als die Eigner nicht reagierten, machten sie sich selbst an
       die Ausarbeitung des Projekts. Es sah und sieht auch heute noch zwei
       Fertigungslinien vor, einerseits die [3][Fertigung und Wiederverwertung von
       Solarpanels, andererseits den Bau von Lastenfahrrädern].
       
       ## Intensives Netzwerken
       
       Zugleich suchte das Kollektiv der Besetzer*innen von Beginn an die
       Unterstützung sowohl der Öffentlichkeit als auch der politischen
       Institutionen, der Region Toskana ebenso wie der Kommunen Florenz, Campi
       Bisenzio und zwei weiterer Städte. Über die Jahre wurden diverse
       Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmer*innen, Zeltcamps, Konzerten,
       Dutzenden Veranstaltungen nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland
       organisiert. Über die Jahre wurden auch intensive Verhandlungen mit den
       lokalen und regionalen Entscheidungsträger*innen geführt.
       
       Diese Verhandlungen schienen zunächst von Erfolg gekrönt. Die Region und
       die beteiligten Kommunen riefen im Jahr 2025 ein Konsortium ins Leben, das
       die Zukunft der Ex-GKN per Ankauf des Firmengeländes sichern sollte. Doch
       im Lauf des letzten Jahres zeigte sich, dass dieses Konsortium eher eine
       Totgeburt war, dass die Versprechen auf dem Papier blieben.
       
       Derweil aber war das Kollektiv nicht untätig geblieben. Es gründete die
       [4][Kooperative GFF (GKN For Future)], die ihrerseits Volksaktien ausgab,
       um den Kapitalstock für zukünftige produktive Aktivitäten zu schaffen.
       Insgesamt konnten nach Angaben der GFF Aktien in Höhe von 1,15 Millionen
       Euro abgesetzt werden; außerdem erklärte sich die Banca Etica bereit, eine
       Kreditlinie bereitzustellen.
       
       ## 16 Millionen Euro ausstehende Löhne
       
       In der Zwischenzeit war das Eigentum an der Fabrikimmobilie an den
       Privatunternehmer Francesco Borgomeo verkauft worden, der es wiederum an
       zwei im Immobiliensektor tätige Tochterunternehmen abtrat. Diese zeigten
       sich nie zu Verhandlungen mit der GFF bereit und forderten stattdessen die
       Beendigung der Besetzung – und erhielten sie jetzt auch.
       
       Konkreter Anlass für den Rückzug des Kollektivs war, dass die gegenwärtigen
       Eigentümer die Zahlung von noch ausstehenden Löhnen an die früheren
       GKN-Beschäftigten an die ultimative Forderung gekoppelt haben, im Gegenzug
       müsse die Fabrikbesetzung beendet werden. Hier geht es um die stolze Summe
       von 16 Millionen Euro. Um die vielen früheren Arbeiter*innen, die nicht
       (mehr) im Kollektiv aktiv sind, nicht gegen sich aufzubringen, fiel die
       Entscheidung, die Fabrik zu verlassen.
       
       Zugleich aber stehen Verhandlungen zur Anmietung einer anderen Fabrikhalle
       am Stadtrand von Florenz kurz vor dem Abschluss; die GFF hofft auf eine
       Unterschrift im September. Dort soll dann von Anfang 2027 die
       Cargo-Bike-Fertigung aufgenommen werden, mit zunächst 24 Arbeiter*innen,
       deren Zahl sich in den Folgejahren verdoppeln soll. Und auch die Solarpläne
       will die GFF weiterverfolgen.
       
       Das GKN-Kollektiv will aber auch weiter im politisch-gesellschaftlichen
       Raum wirken – mit einem Wohnmobil, das in der Region unterwegs sein soll,
       um überall dort präsent zu sein, wo Arbeiter*innen für ihre Rechte
       kämpfen.
       
       10 Aug 2026
       
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