# taz.de -- Saisonkräfte in Italien: Mord an Erntehelfern
> Italiens Gesetz gegen illegale Arbeitsvermittlung enttäuscht. Zu schnell
> entwickeln sich die Strukturen der Ausbeutung in der Landwirtschaft
> weiter.
(IMG) Bild: Viele Ausgebeuteten in Italien bekommen höchstens drei Euro Stundenlohn: Erntehelfer bei der Kartoffelernte
Ein grausamer Vierfachmord erschüttert Italien. Am Montag verbrannten vier
Erntehelfer, drei von ihnen Afghanen, einer aus Pakistan, bei lebendigem
Leib in einem Auto, in dem sie unterwegs waren. Die zwei Täter hatten an
einer Tankstelle im süditalienischen Amendolara Benzin in den Wagen
geschüttet und angezündet. Nur ein Mann konnte sich aus dem brennenden
Fahrzeug retten.
Auch die Täter sind Pakistani, sie waren gemeinsam mit ihren Opfern
unterwegs. Unklar ist, ob sie zu einem Ernteeinsatz fuhren. Klar aber ist
laut dem Überlebenden, dass es auf der Fahrt Streit gab. Die Opfer, seit
April in Kalabrien, hatten verlangt, endlich bezahlt zu werden.
Schnell fand die Polizei heraus, dass jedoch alle – Täter wie Opfer – auf
dem Papier ganz regulär bei einem Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt waren.
Dies steht für die die Entwicklung der [1][illegalen Ausbeutung in der
italienischen Landwirtschaft.]
Weiterhin schaffen die sogenannten Caporali die Arbeitskräfte heran, doch
sie werden nicht mehr schwarz beschäftigt. Die Löhne aber fließen wiederum
an die illegalen „Arbeitsvermittler“, und die Ausgebeuteten sehen oft genug
nur ein Stundensalär von höchstens drei Euro. Oder eben gar nichts, wegen
der Abzüge für Unterkunft und Verpflegung.
## Auch andere Sektoren betroffen
Etwa 450.000 [2][Erntehelfer*innen sind in Italien] tätig, 80 Prozent
davon Immigrant*innen. Allein in Kalabrien sollen mindestens 11.000 Opfer
härtester Ausbeutung sein. Zwar stellt Italien mittlerweile illegale
Arbeitsvermittlung unter Strafe und sieht Opferschutz vor. Zugleich aber
sind viele der „Vermittler“ heute nicht mehr italienisch, sondern gehören
den gleichen Nationen an, aus denen die Ausgebeuteten stammen. Formal
reguläre Arbeitsverhältnisse erschweren die Kontrollen weiter.
Dies zeigte auch ein spektakulärer Fall aus dem Bausektor. In Mailand
errichtet der US-Konzern Caddell das neue Konsulat der USA. Auch hier gab
es auf dem Papier reguläre Anstellungen, reguläre Lohnabrechnungen – rund
1.500 Euro netto pro Monat. Dann aber wurden 1.000 Euro für Kost und Logis
eingezogen. Die migrantischen Arbeitskräfte schufteten also über 200
Stunden pro Monat für 500 Euro. Der Italien-Chef von Caddell wurde deshalb
jetzt in Haft genommen.
4 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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