# taz.de -- Spitzkohl in in allen Formen: Ich pflüge mich lustvoll nach unten
       
       > Spitzkohl lässt sich wunderbar zu Salat verarbeiten, zum Beispiel mit
       > Pfifferlingen. Er schmeckt aber auch als Risotto.
       
 (IMG) Bild: Ich beginne immer oben, beim Zartesten, Einfachsten, Weichsten, und dann pflüge ich mich lustvoll nach unten
       
       Wenn ich einen Spitzkohl vor mir auf dem Brett liegen habe, kann ich nicht
       anders: Ich muss unbedingt die Spitze von oben nach unten feinsäbeln. Nie
       fange ich an, den Kohl vorher zu teilen (es sei denn, das Rezept verlangt
       Viertel), nie fange ich unten an, wo er dick ist. Ich beginne immer oben,
       beim Zartesten, Einfachsten, Weichsten, und dann pflüge ich mich lustvoll
       nach unten, zu den größeren härteren Stielen. Allein der Haufen hellgrüner
       feiner Streifen macht mir Appetit aufs Kochen.
       
       Für einen einfachen Spitzkohlsalat vermenge ich die Blätter kurz mit etwas
       Zitronensaft und -zeste, wenig Sojasoße, etwas Olivenöl und Kampot-Pfeffer
       und richte sie auf einem großen flachen Teller an, darüber kommen
       hauchdünne Parmesanstreifen und ein paar Pinienkerne. Wenn der Salat noch
       mehr hermachen soll, schmore ich kleine [1][Pfifferlinge], mische sie mit
       grob geschnittener Petersilie und streue sie über den Kohl.
       
       Wer’s bunter mag, mischt die Spitzkohlstreifen mit längs und fein
       geschnittener roter Paprika und Karotte und einigen Frühlingszwiebelringen
       und macht ein Dressing aus Sesamsamen, ein paar Esslöffeln Sojasoße, sehr
       wenig Reisessig, etwas mehr geröstetem Sesamöl und Knoblauch, Ingwer und
       Chili nach Lust und Liebe. Dazu passen gegrillte Garnelen oder angebratene
       [2][Tofustücke].
       
       Kommen mehrere Freunde zum Abendessen, mache ich ein köstliches
       Spitzkohlrisotto. Dazu hobele ich den Kohl sehr fein, ebenso eine Zwiebel,
       röste beides glasig an, lösche mit einem guten Weißwein ab und gebe nach
       und nach Gemüsebrühe hinzu, bis alles sämig ist und der Reis durch (aber
       nicht zu durch!). Ich schmecke alles mit Zitronenzeste, geriebenem
       Biobergkäse und einer Prise Muskatnuss ab. Salz und Pfeffer dürfen
       natürlich auch nicht fehlen. Das Risotto hübsche ich mit frittierten
       Kohlblättern oder mit gebratenem oder gedämpftem Lachs auf.
       
       Vor lauter Wasser im Mund habe ich fast vergessen zu erwähnen, dass
       Spitzkohl auch noch supergesund ist. Er enthält etwa sekundäre
       Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend sind, und Flavonoide, die
       antioxidativ wirken. Und: Er hat wenig Kalorien. Na bitte!
       
       Außerdem ist Spitzkohl ausnahmsweise mal eins der wenigen Gemüse, die bei
       uns geboren worden sind und nicht in fernen Ländern. Es gibt frühe Sorten
       schon an den ersten Sommertagen und späte, die bis in den Winter geerntet
       werden können und gut lagerfähig sind. Die Franzosen lieben den Spitzkohl
       übrigens auch, besonders im Elsass haben sie wunderbare Rezepte. Aber das
       vielleicht Beste ist: Im Gegensatz zu anderen Kohlsorten ist der Spitzkohl
       leicht verdaulich. Guten Appetit!
       
       22 Aug 2026
       
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