# taz.de -- Wenn das Park-Mensch-Verhältnis stimmt: Ein Platz, der allen gehört
       
       > In öffentlichen Parks betrachten Menschen und Tiere sich auf Augenhöhe.
       > Das ist auch gut so, denn sie alle dürfen da sein.
       
 (IMG) Bild: Natur, für die Menschen hingestellt, ist trotzdem Natur
       
       Dies ist ein Loblied auf den öffentlichen Park, der natürlich auch ein
       Geschenk ist, an mich, an uns. Der öffentliche Park ist die Natur für die
       Städter. Die Natur ist natürlich keine richtige Natur, weil sie nicht wild
       gewachsen ist, sondern angelegt, aber die Pflanzen, Bäume und Tiere sind
       echte Pflanzen, Bäume und Tiere und also doch Natur. Städtische Tiere, die
       oft erstaunlich cool sind, sich kaum bei ihrem Tagwerk stören lassen und
       die Menschen betrachten wie die Menschen sie, quasi auf Augenhöhe.
       
       Für die Parktiere sind Menschen ein gewohntes Umfeld, man teilt sich die
       Ressourcen. In Planten un Blomen, [1][dem Park im Zentrum Hamburgs], sah
       ich einen Reiher im Wasserbecken herumstaksen, inmitten der ganzen Leute
       auf ihren Parkstühlen, er drehte seinen Kopf, beäugte uns und dachte, na
       ja, was soll’s. Vielleicht dachte er auch was anderes. Aber er wunderte
       sich nicht. Er ist ein Parktier. Wir Menschen sind ja grundsätzlich auch
       Parktiere.
       
       Ich mag natürlich die freie Natur, den Wald, die wilde Wiese, die Berge,
       das Meer, aber wenn man das miteinander vergleicht, dann tut man dem Park
       unrecht. Man vergleicht ja auch nicht Auto und Fahrrad oder Rucksack und
       Handtasche.
       
       Im Park mag ich, zum Beispiel, auch Menschen. In der freien Natur mag ich
       Menschen nicht so sehr wie im Park, wo sie einfach etwas Liebenswertes
       bekommen. Für mich. Im Park sind sie, die liebenswerten Menschen, in ihrer
       Privatheit öffentlich ausgestellt. Sie lümmeln, essen, kuscheln, küssen,
       sie machen ein Nickerchen. Sie treffen sich mit ihren Familien und Freunden
       auf Decken und Klappstühlen, sie bereiten sich ihr Essen zu, unterhalten
       sich, lachen, streiten, die Kinder spielen.
       
       ## Sie gehen in die Büsche
       
       Natürlich machen sie Müll. Menschen können einfach nicht anders. Müll ist
       in den Parks ein großes Problem. Sowie Ausscheidungen. Im kleinen
       Wohlerspark in Altona, in dem ich meine Laufrunden drehe, gibt es keine
       Toiletten. Wo gehen die Leute hin, wenn sie einen Tag lang in diesem Park
       herumlungern? Wo gehen sie denn hin? Ich denke oft darüber nach – und bin
       mir sicher und will es gar nicht sein –, sie gehen in die Büsche. Ich
       denke, die Büsche an der Parkmauer sind die große Toilette des
       Wohlersparks.
       
       Das ist natürlich kein schöner Gedanke, den ich aber nicht unterdrücken
       kann. Manchmal denke ich, ich bin umgeben von einem Ring von – nun ja.
       Menschen in größeren Mengen in kleineren Parks sind oft lästig, weil das
       Park-Mensch-Verhältnis nicht stimmt. An den Grillsonntagen hüllt eine dicke
       Wolke den kleinen Park ein, die frische Luft wird undurchsichtig und so
       dick, dass die Augen tränen und die Lunge schmerzt.
       
       Was mir an städtischen Parks so gefällt: Sie sind der Garten der Menschen,
       die keinen Garten haben. Jeder kann seine Tasche packen und in den Park
       gehen. Oft, wenn ich in Planten un Blumen saß oder im Botanischen Garten in
       Flottbek, dachte ich, was für ein Glück! Wie schön es hier ist! Was für ein
       Luxus! Ich darf hier sein.
       
       Und das ist ja auch so. Das ist das Glück in den Parks. Das urbane Leben,
       wo der Platz im Grünen allen gehört und nicht dieser einen Familie, dem
       einen Besitzer, das ist es, was mir so gefällt, die Idee von
       Allgemeinbesitz, von Fürsorge für die Menschen, eine Schönheit und eine
       Großzügigkeit. Hier kannst du dein Stück Wiese nicht reservieren oder für
       dich abstecken. Hier bist du genauso viel wie die anderen und musst dich
       einfügen.
       
       Wir brauchen sie in der Stadt, wir brauchen unsere Parks, jetzt, mit all
       diesen Katastrophen, immer noch mehr.
       
       22 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Planten_un_Blomen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Seddig
       
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