# taz.de -- Wahlen in Sachsen-Anhalt: CDU setzt erstmals auf Kulturwahlkampf
       
       > Didi Hallervorden und Sven Schulze haben verschiedene Meinungen. Statt
       > die zu diskutieren, reihen sie Monologe aneinander – und lachen über
       > Frauen.
       
 (IMG) Bild: Palim, palim: Didi Hallervorden und CDU-Ministerpräsident Schulze bei der Gesprächsreihe „Kunst braucht Freiheit“
       
       Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) lugt einmal auf die Bühne, bevor es
       losgeht. Noch sind die 112 Sitzplätze des Theaters in Naumburg leer. Die
       Kameras vom ZDF, der Deutschen Welle und der dpa stehen schon. Durch die
       geschlossene Tür dringt Stimmengewirr in den Theatersaal, in einer halben
       Stunde geht’s los.
       
       Bereits zum vierten Mal teilen sich dann der CDU-Spitzenkandidat Schulze
       und der Kabarettist Dieter „Didi“ Hallervorden in diesem Wahlkampf eine
       Bühne. Wie in Magdeburg, Halle und Dessau ist auch diese letzte
       Veranstaltung in Naumburg ausgebucht. Doch nicht deshalb sorgte die kleine
       Tour bundesweit für Aufsehen. Statt netter Palim-Palim-Sketche kritisierte
       Hallervorden in Sachsen-Anhalt in einem Lied Bundeskanzler Friedrich Merz
       (CDU) und seine Aufrüstungspläne. Ob das der CDU geholfen hat?
       
       Wenige Minuten vor dem Einlass in Naumburg spricht Schulze hinter der Bühne
       in einem Interview über die aktuellen Umfragen. „Im Moment hat keiner eine
       Mehrheit. Ich hab sie nicht und der Hauptkonkurrent – die AfD – hat sie
       auch nicht.“ Kurz darauf strömt das Publikum auf seine Plätze. Den Abend
       moderiert wie bei den anderen Veranstaltungen Clara von Nathusius,
       Bundesvorstandsmitglied der Jungen Union und Influencerin.
       
       Ohne große Umschweife beginnt Hallervorden zu singen, wie auch bei den
       vorherigen drei Veranstaltungen. Allerdings geht es dieses Mal nicht um
       Krieg, anderes als in Magdeburg, Halle und Dessau. Dort hatte der
       90-jährige Hallervorden unter anderem gefordert, Merz (CDU) solle auf dem
       Mond kämpfen, wenn er unbedingt wolle. „Stoppt den Völkermord in Gaza“, war
       auch in einem Video zu sehen, das Hallervorden einspielen ließ.
       
       ## Kritik aus der Bundes-CDU
       
       Franziska Hoppermann, die neue Generalsekretärin der Bundes-CDU
       distanzierte sich daraufhin öffentlich: „Es gibt keinen [1][Völkermord in
       Gaza]“. Hallervorden erwiderte, auf Bundesebene würde er auch keinen
       Wahlkampf für die CDU machen. Aber in Sachsen-Anhalt, bei Sven Schulze, sei
       das anders. Für den wolle er „sein kleines Gewicht“ in die Waagschale
       werfen, um die erste AfD-Regierung in Deutschland zu verhindern.
       
       [2][Schulze zeigte sich wiederum] irritiert von der Debatte. Klar stimme er
       nicht in allem mit Hallervorden überein. Aber darum gehe es gar nicht. Der
       Titel laute „Kunst braucht Freiheit, nicht Kunst braucht Zustimmung“. Und
       durch eine AfD-Regierung sei eben jene Kunstfreiheit in Sachsen-Anhalt
       bedroht.
       
       ## Durchhalten bei Gegenwind
       
       Dieses Mal in Naumburg an der Saale wünscht Hallervorden Kanzler Merz nicht
       auf den Mond. Stattdessen geht es ums Durchhalten bei Gegenwind. „Angepasst
       sein, fand ich immer fürchterlich.“ Er habe das Lied gewechselt, um die
       Debatte mit der Bundes-CDU herauszuhalten, erklärt Hallervorden danach.
       
       Moderatorin von Nathusius findet das offenbar gut. Die 31-Jährige fragt die
       beiden Männer nach deren Erinnerungen an die DDR. Schulze war bei deren
       Ende 10 Jahre alt. Trotzdem erinnere er sich, wie vorsichtig seine Eltern
       damals gewesen sein. Hallervorden, in Dessau geboren, in den 50ern aus der
       DDR geflohen, sagt: „Wenn ich ordentlich was über Honecker gesagt hätte,
       wäre ich im Gefängnis gelandet. Und wenn ich heute was gegen Merz sage,
       komme ich ins Fernsehen.“
       
       Schulze gesteht ein, dass die CDU „noch nie im Wahlkampf über Kunst
       gesprochen“ habe. Doch jetzt sei es relevant. „Ich will niemals, dass aus
       der [3][Staatskanzlei in Magdeburg] heraus festgelegt wird, was hier
       gespielt werden darf und was nicht.“
       
       Schon im April, als [4][das Wahlprogramm der AfD die Runde machte], warnten
       Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt vor der dort angekündigten
       politischer Einflussnahme. Nur noch patriotische Kultur wolle die
       national-autoritäre Partei fördern, steht im Programm. Zu den
       Unterzeichner:innen gehörte unter anderem das Bauhaus Dessau, das
       [5][bereits vor hundert Jahren den Nazis] ein Dorn im Auge war.
       
       ## Diskussion? Bleibt aus
       
       In Naumburg reihen Hallervorden und Schulze noch ein paar Redebeiträge
       aneinander. Dabei blitzen hier und da Meinungsunterschiede auf.
       Hallervorden äußert etwa Verständnis für den Angriffskrieg von Russlands
       Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine. Der habe schließlich mit einer
       Erweiterung der Nato rechnen müssen. Schulze sagt später, selbst wenn Putin
       sich bedroht gefühlt haben sollte, sei das kein Grund für einen Krieg.
       Hallervorden schaut Schulze an. Schmale Lippen. Diskussion? Die bleibt aus.
       
       Dann finden Hallervorden und Schulze noch ein Thema, bei dem sie einer
       Meinung sind. Als von Nathusius den Kabarettisten um ein weiteres Lied
       bittet, antwortet der schelmisch grummelnd: „Ich hätte noch was anderes …
       aber: [6][Happy Wife, Happy Life]“. Von Nathusius beginnt zu widersprechen,
       bricht den Satz jedoch ab. Wenig später sagt Schulze lachend: „Zu Hause bin
       ich nicht der Chef. Happy Wife, Happy Life, das gilt bei mir ganz
       besonders.“
       
       Nach dem Auftritt zieht es das Publikum schnell hinaus aus dem mittlerweile
       aufgeheizten Theatersaal. Ein paar gehen zur Bar, andere direkt an die
       frische Luft. Sven Schulze gibt weitere TV-Interviews. Dieter Hallervorden
       posiert für Fotos mit Fans.
       
       9 Aug 2026
       
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