# taz.de -- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Männer im Überschuss
> Der Wahl-O-Mat soll bei der Wahlentscheidung helfen. Was er nicht verrät:
> Der neue Landtag wird sehr männlich. Das wirkt sich auch auf die Politik
> aus.
(IMG) Bild: Plenarsaal in Magdeburg: Von den 398 Kandidat:innen zur Landtagswahl sind 73 Prozent Männer
Wer wissen will, wie sich die Parteien in Sachsen-Anhalt öffentlich zu
politischen Thesen positionieren, der kann sich seit heute wieder [1][durch
den Wahl-O-Mat klicken]. In Häppchenform erklären die Parteien dort ihre
Positionen anhand von 38 Fragen: Maßnahmen gegen die Klimakrise, sonntags
geöffnete Geschäfte, Smartphones im Unterricht, Femizide in die
Kriminalstatistik – oder nicht?
Doch womit sich der Landtag in [2][Magdeburg in den kommenden fünf Jahren]
beschäftigt, hängt weniger an guten Absichten und mehr an seinen
Abgeordneten. Was der Wahl-O-Mat nicht verrät: Die meisten werden
voraussichtlich männlich sein. Das liegt maßgeblich an zwei Parteien: der
AfD und der CDU.
In dieser Woche hat das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt die Listen
der Bewerberinnen und Bewerber aller 16 antretenden Parteien ausgewertet.
Demnach sind unter den 398 Kandidat:innen 291 Männer, also 73 Prozent.
Jede Partei tritt mit mehr Männern als Frauen an. Am höchsten ist der
Männeranteil, [3][wie schon bei anderen Landtagswahlen], beim BSW (86
Prozent) und bei der AfD (88 Prozent). Insgesamt gehen für die AfD nur 8
Frauen ins Rennen.
Die drei in Sachsen-Anhalt regierenden Parteien CDU, SPD und FDP haben
ebenfalls hauptsächlich Männer vorgeschlagen. Bei der SPD sind 68 Prozent
männlich, [4][bei der CDU 75 Prozent] und bei der FDP 80 Prozent.
Etwas ausgeglichener ist das Männer-Frauen-Verhältnis zumindest bei einigen
Landeslisten. Die Linke und die Partei Die Partei kommen je auf 50 Prozent.
Die [5][Grünen haben auf ihre Liste] sogar mehr Frauen gewählt als Männer:
55 Prozent. Aber weil bei deren Direktmandaten ebenfalls mehr Männer als
Frauen kandidieren, sacken sie auf einen Frauenanteil von 47 Prozent ab.
## Noch mehr Männer
Wie viele Frauen insgesamt für die Parteien kandidieren, ist für die
kommende Landtagswahl am 6. September aber nicht allein entscheidend. Ob
die Kandidatinnen am Ende ins Parlament einziehen, hängt davon ab, auf
welchem Listenplatz sie antreten.
Nimmt man die letzte [6][Umfrage von Infratest Dimap] zur Grundlage und
lässt Direkt- und Überhangmandate außer acht, stünden CDU und AfD weiterhin
besonders schlecht da: Die [7][CDU bekäme 24 Prozent] der Stimmen und damit
22 von 83 Sitzen im Landtag. Von diesen würden nur 4 an Frauen gehen, ein
Anteil von 18 Prozent.
Die größte Fraktion würde in diesem Gedankenspiel die AfD stellen. Auf den
ersten zehn Listenplätzen der national-autoritären Partei steht keine
einzige Frau. Aber bei einem Wahlergebnis von 41 Prozent könnte die AfD 38
Plätze in Anspruch nehmen. Davon würden 4 Plätze – 11 Prozent – durch
Frauen besetzt. Gewinnt die AfD viele Direktmandate, würde das den
Frauenanteil weiter drücken.
## Mehr Hass gegen Frauen
Insgesamt käme ein Landtag nach den aktuellen Umfragewerten auf einen
Frauenanteil von 24 Prozent. Damit würde Sachsen-Anhalt im bundesweiten
Vergleich auf den letzten Platz rutschen. [8][Seit 2023 steht dort der
Freistaat Bayern,] mit kläglichen 25,12 Prozent.
Der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Sachsen-Anhalt, Sarah
Schulze, ist das aber einen Schritt zu weit gedacht. „Das Wahlergebnis
steht noch nicht fest“, betont sie gegenüber der taz. „Wie der nächste
Landtag zusammengesetzt sein wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler
am 6. September.“
Allerdings [9][sei es aus gleichstellungspolitischer Sicht bedauerlich],
dass bei dieser Wahl weniger antreten als bei der Landtagswahl 2021.
„Frauen stoßen auf dem Weg in politische Ämter nach wie vor auf
strukturelle Hürden“, erklärt Schulze. Ein politisches Ehrenamt mit Beruf
und Familie zu vereinbaren, sei für sie zum Beispiel schwerer.
Doch das sei nicht alles. Schulze sagt: „Hinzu kommt, dass das politische
Klima spürbar rauer geworden ist.“ Frauen, die sich politisch engagieren
und öffentlich Position beziehen, seien überdurchschnittlich oft Ziel von
Hass, Hetze und Einschüchterungsversuchen. Häufiger als Männer seien sie
sexistischen oder sexualisierten Angriffen ausgesetzt. „Das kann Frauen
davon abhalten, sich überhaupt politisch zu engagieren oder für ein Mandat
zu kandidieren.“
Ziehen weniger Frauen in den Landtag ein, wirke sich das auch auf die
Politik aus, sagt Schulze. „Je vielfältiger ein Parlament zusammengesetzt
ist, desto eher finden diese unterschiedlichen Perspektiven Eingang in die
parlamentarische Arbeit.“ Dazu zählten etwa der Schutz vor Gewalt gegen
Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine
geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung. „Ein geringer Frauenanteil
birgt deshalb die Gefahr, dass diese Perspektiven in politischen
Entscheidungen weniger Gewicht erhalten“, so Schulze.
Könnte der Männerüberschuss auf den Listen von CDU und AfD auch einfach der
Versuch sein, gendergerechte Sprache im Landtag überflüssig zu machen?
Zumindest haben beide Parteien [10][beim Wahl-O-Mat] angegeben, dass
[11][sie Schreibweisen, die geschlechtliche Vielfalt mit Sonderzeichen]
abbilden, in Behörden verbieten wollen.
6 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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