# taz.de -- Repression in Kuba: Die kubanische Stasi hat noch Ressourcen
> Strom, Wasser, Lebensmittelversorgung: In Kuba funktioniert kaum noch
> etwas. Doch inselweit koordinierte Proteste bleiben aus – auch wegen des
> gut geölten Repressionsapparats.
(IMG) Bild: Protest gegen die Regierung wegen andauernder Stromausfälle in Havanna im Juni 2026
1.415 Proteste hat es im Juli 2026 laut dem Observatorio Cubano de
Conflictos (OCC) in Kuba gegeben. Inselweit kam es zu Protesten und meist
versammelten sich Menschen in ihren Wohnvierteln und forderten in den
sogenannten cacerolazos, dem rhythmischen Schlagen mit Suppenkelle oder
Kochlöffel auf leere Töpfe, [1][Strom], Wasser und Nahrungsmittel. Die drei
Dinge sind in Kuba mitten im Hochsommer besonders knapp.
Die Menschen lechzen nach Abkühlung bei Temperaturen von bis zu 38 Grad in
Santiago de Cuba und rund 35 in Havanna, kein Wunder. In Havanna schlafen
Anwohner der Uferpromenade Malecón nachts oft draußen und die Hauptstadt
war mit 64 meist spontanen Demonstrationen laut der seit rund sechs Jahren
existierenden Beobachtungsstelle das Zentrum der Proteste auf den Straßen.
Die finden allerdings oft spontan, isoliert und eben nicht koordiniert
statt. Das hat Gründe, so [2][Manuel Cuesta Morúa]. Der 64-jährige
Dissident, der im Stadtteil Alamar von Havanna lebt, hat im Juni versucht,
mit anderen Aktivisten aus der Zivilgesellschaft einen inselweiten
cacerolazo zu koordinieren. „Die Staatssicherheit hat jedoch Wind davon
bekommen. Ich wurde festgenommen, geschlagen, verhört, bedroht und weit
außerhalb von Havanna ausgesetzt“, so der Vorsitzende des Arco Progresista.
Die sozialdemokratische Partei, die Stimmen für ein Referendum über die
politische Zukunft auf der Insel sammelt, ist in Kuba illegal. Cuesta Morúa
wurde mehrfach als Söldner bezeichnet und einer der Beamten der
Staatssicherheit warnte ihn, dass er ihn erschießen würde, falls die
Amerikaner eine Invasion Kubas durchführen würde. „Prügel sind mir oft
angedroht worden, der Schuss in den Kopf zum ersten Mal“, erklärte der
Historiker der taz.
## Die Existenz politischer Gefangener wird geleugnet
Über mehrere Tage wurde er nach der Festnahme am 20. Juni von Beamten
observiert. „Das ist nun wieder vorbei, aber es zeigt, dass die
Staatssicherheit über Ressourcen verfügt, die in anderen Sektoren nicht zur
Verfügung stehen“, so Cuesta Morúa.
Das bestätigt auch die in Matanzas lebende Historikerin [3][Alina Bárbara
López,] die in den letzten Wochen wiederholt observiert, am 18. Juli
festgenommen und für fünf Stunden festgehalten und verwarnt wurde. „Sie
haben versucht, mir mit dem Verweis auf ein laufendes Verfahren mein
Grundrecht auf friedlichen Protest zu nehmen“, ärgert sich López, die
mehrfach gegen die staatliche Repression protestiert hat und inselweit
bekannt ist.
In den letzten Monaten hat sie sich für die Freilassung aller politischen
Gefangenen ausgesprochen. 1.328 sind es der spanischen
Nichtregierungsorganisation Prisoners Defenders zufolge. Im offiziellen
Kuba wird deren Existenz negiert, auch wenn politische Gefangene immer
wieder als Verhandlungsmasse bei den Konsultationen mit der Europäischen
Union dienen. Das könnte auch in den laufenden Verhandlungen mit den USA
passieren, die mehrfach die Freilassung der politischen Gefangenen
eingefordert haben.
Bisher ohne jeden Erfolg. Ob sich das ändert, weiß Alina Bárbara López
nicht. Sie weiß jedoch, dass die Staatssicherheit weiterhin gut ausgerüstet
ist und dass deren Mitarbeiter und Mitarbeiter:innen nach wie vor gut
versorgt sind – aus eigener Anschauung. „Es scheint Reserven zu geben, ich
habe noch nicht erlebt, dass es der Staatssicherheit an Benzin fehlt, bei
Krankenwagen ist das oft der Fall“, sagt die unbequeme Frau. Ihre Tochter
ist Ärztin, das sorgt für Einblick und oft auch für Wut über die Verteilung
von knappen Ressourcen.
## Ein gut geölter Apparat?
Dass es Rücklagen gibt, daran zweifeln weder Cuesta Morúa noch Iván García.
Der Journalist, Korrespondent der in Miami erscheinenden Tageszeitung
Diario Las Américas, vermutet, dass die Sparkonten der Regierung sich
innerhalb des Firmengeflechts befinden, das sich unter dem Dach der
[4][Gaesa] befindet. So heißt die militärisch geprägte Holding mit mehr als
60 Unternehmen, über die bis vor Kurzem rund 90 Prozent der
Devisengeschäfte Kubas abgewickelt wurden.
„Über die Konten eines oder auch mehrerer der Unternehmen läuft die
Versorgung des repressiven Apparats und es gibt viele Indizien, dass
etliche hundert Millionen US-Dollar auf Konten in Panama und anderswo
liegen“, so García. Er ist immer wieder ins Visier der Staatssicherheit
geraten, hat Verhöre ertragen, sanften wie harten Druck und beobachtet
derzeit, dass der Druck auf Blogger, Youtuber und Influencer beiderlei
Geschlechts wieder größer wird.
„Ein Beispiel ist die 23-jährige [5][Ana Sofia], eine Youtuberin aus
Havanna, ein anderes sind die Jugendlichen aus Holguín, die unter dem
Synonym C4tico aktiv sind, performen und kritisieren“, meint García. Er
glaubt schon lange nicht mehr, dass die derzeitige politische Führung einen
Dialog mit der Bevölkerung über die politische Zukunft der Insel führen
will.
Allerdings weiß er, dass die Staatssicherheit derzeit anders agiert als
noch vor vier, fünf Jahren. „Jeder Protest wird genau analysiert, Kameras
werden ausgewertet, Mobiltelefone und mehr. Man geht nicht mehr gegen die
Demo, die Protestierenden vor, sondern sucht sich die aktivsten, die
Wortführer, Frauen wie Männer raus, die dann bedroht werden“, erklärt
García das Prozedere. Das ist erfolgreich, bestätigt auch Manuel Cuesta
Morúa.
13 Aug 2026
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