# taz.de -- Anpassung an den Klimawandel: Es wird teuer für Schleswig-Holstein
       
       > Das Bundesland am Meer hat eine neue Strategie zur Anpassung an den
       > Klimawandel vorgestellt. Der Umweltminister fordert mehr Hilfe vom Bund.
       
 (IMG) Bild: Klimakrise im hohen Norden: Starkregen hat in Kiel 2021 für überflutete Straßen gesorgt
       
       Trockenheit, Hitze und Starkregen nehmen zu. Wie müssen Städte, Wälder und
       Gewässer gestaltet sein, um rasche Wetterwechsel und steigende Temperaturen
       auszuhalten? Das Land Schleswig-Holstein hat dazu eine
       [1][„Klimaanpassungsstrategie“] vorgestellt. Das 200 Seiten starke Papier
       zeigt vor allem eines: Der Schutz vor den Folgen der Überhitzung wird
       aufwendig und teuer.
       
       Die Erderwärmung zu stoppen, bleibe „Priorität Nummer eins“, sagte Umwelt-
       und Küstenschutzminister Tobias Goldschmidt (Grüne) bei der Vorstellung der
       Klimaanpassungsstrategie in Kiel. Aber er forderte gegenüber der
       Nachrichtenagentur dpa eine doppelte Kraftanstrengung: „Einerseits
       Emissionen weiter konsequent reduzieren. Und uns andererseits anzupassen,
       an die Veränderungen, die schon da sind.“
       
       Dazu hatte das Land bereits 2011 und dann erneut 2017 Fahrpläne vorgelegt,
       um das Leben in Zeiten des Klimawandels zu gestalten. Darin geht es um
       Themen wie Gesundheit, Küstenschutz und Landwirtschaft. Im aktuellen Plan
       sind es ganze 16 Aufgabenfelder, von Bildung über Energieinfrastruktur und
       Raumplanung bis zu biologischer Vielfalt. Ein Kernelement betrifft den
       Küstenschutz, er habe „gesamtgesellschaftliche Bedeutung“, heißt es im
       Strategiepapier. Immerhin sind ein Viertel der Landesfläche durch
       Überflutung gefährdet.
       
       Seit 1900 ist der Meeresspiegel global um rund 20 Zentimeter gestiegen, was
       sich an Kaimauern und Hafenanlagen zeigt. Bei Sturmfluten, die an
       Häufigkeit und Stärke zunehmen werden, sind Deiche, Wehre und Fluttore
       besonders belastet. Schleswig-Holstein [2][steckt bereits Millionenbeträge
       in den Küstenschutz]. Die Schutzdeiche sollen nach dem Ausbau einen
       Wasseranstieg von rund einem Meter aushalten können.
       
       ## Lokale Unterschiede bei Anpassung ans Klima
       
       In vielen Bereichen gibt es schon Vorgaben und Pläne, sagte Goldschmidt:
       „Die gute Nachricht ist: Wir starten nicht bei null, und vieles nützt uns
       gleich doppelt.“ Das betrifft etwa die Stadtplanung, wo die Strategie mehr
       Grün und Entsiegelung vorschlägt. Denn Bäume und Parks können das
       Mikroklima abkühlen, Tieren Lebensraum bieten und Treffpunkt für die
       Menschen darstellen.
       
       Beim Pressetermin nannte Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) den
       Schützenpark als Beispiel, der vom Ende der Autobahn bis an den Rand der
       Innenstadt reicht. Nun wird das Areal vergrößert und eine Wiese tiefer
       gelegt, damit sie bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen kann. In Kiel werde
       künftig bei jeder Quartiersentwicklung hingesehen, wie die
       [3][Klimaanpassung] vorangebracht werden könne, sagte Yilmaz. „Mehr Grün,
       weniger Beton“, nannte er als Grundsatz. „Auch in der Innenstadt können wir
       genauer hinschauen.“
       
       Nicht nur Kiel, sondern auch viele andere Städte im Land haben bereits
       lokale Klimaanpassungspläne. Aber ob sie wirklich greifen, hängt von der
       örtlichen Politik ab. In Flensburg etwa beraten die städtischen Gremien
       zurzeit, ein neues Wohnquartier in eine Windschneise zu bauen, obwohl das
       [4][Klimagutachten davor warnt].
       
       Nicht nur in den Rathäusern kommt es auf örtliche Akteur:innen an. Auch
       in der Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Dünger und Pestiziden. Da
       liegen Ideen und Projekte zur Reduktion der klimaschädlichen Stoffe vor,
       [5][doch ihre Umsetzung bleibt freiwillig].
       
       ## Klimaanpassung wird oft privat getragen
       
       Ähnlich ist es in der Forstwirtschaft, wo neben kommunalen zahlreiche
       private Waldbesitzer:innen dafür sorgen müssen, die Bäume und ihr
       Ökosystem zu erhalten. Zudem setzt sich die Regierung dafür ein, den
       Baumbestand im waldarmen Schleswig-Holstein um rund 15.000 Hektar zu
       erhöhen. Allerdings ist das ein Versprechen, das bereits mehrere
       Regierungen gegeben und nie umgesetzt haben.
       
       Aus Sicht des Umwelt- und Küstenschutzministers Goldschmidt ist die
       Klimaanpassung keine Aufgabe für ein Bundesland oder eine Kommune allein.
       Er warnt davor, die Lage zu unterschätzen: „Was wir gerade erleben, ist
       kein Wetter, und das ist auch kein Jahrhundertsommer, sondern das ist
       Klimakrise.“ Angesichts der Dramatik reagiere die Bundesregierung viel zu
       passiv, sagte er laut dpa. „Der Bundeskanzler hat gesagt, er äußere sich
       irgendwann dazu. Ich glaube, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen das
       Thema Klimaanpassung und Klimaschutz mit viel stärkerer Dringlichkeit
       bearbeiten.“
       
       Er schlug eine „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung“ vor, um alle Kräfte
       für die Zukunft zu bündeln. Nötig sei eine Änderung des Grundgesetzes. Dann
       könne sich der Bund an der Finanzierung von Projekten beteiligen.
       
       7 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/V/Presse/PI/2026/260805_PI_Klimaanpassung_Strategie?nn=2309ee6f-8d32-4a05-8272-354fb9fd297d
 (DIR) [2] /Auf-Deichschau-an-der-Nordseekueste/!6043951
 (DIR) [3] http://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/klimaanpassung.php
 (DIR) [4] /Klimagerechte-Stadtplanung-umgangen/!6194317
 (DIR) [5] /Zu-viele-Schadstoffe-im-Wasser/!6139929
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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       bietet.