# taz.de -- Mutmaßliche Polizeigewalt in Köln: Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Pedro C.
> Nach einem Polizeieinsatz fällt Pedro C. ins Koma. Erst sieht die
> Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für ein Verfahren – nun
> ermittelt sie doch.
(IMG) Bild: Szene aus dem von Pedro C. selbst aufgenommenen Video von dem Moment, wo eine Ärztin und Polizist:innen vor seiner Wohnungstür stehen
Die Staatsanwaltschaft Köln hat wegen eines Polizeieinsatzes ein
Ermittlungsverfahren gegen zwei Polizeibeamte und eine Notärztin
eingeleitet. Am Ende des Einsatzes am 8. April dieses Jahres lag der
30-jährige Pedro C. ins Koma; heute leidet der Erzieher unter irreparablen
Hirnschäden. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft keine Hinweise für ein
übermäßiges Vorgehen der Einsatzkräfte gesehen.
Der Venezolaner Pedro C. hat mit psychischen Problemen zu kämpfen. Anfang
April befand er sich durch den Tod eines nahen Menschen in einer
Ausnahmesituation. Seine Freund*innen riefen deswegen eine Notärztin.
Diese kam, wollte C. in eine Klinik einliefern lassen, woraufhin sich C. in
seiner Wohnung einsperrte. Die Notärztin rief die Polizei. 90 Minuten nach
deren Ankunft musste C. reanimiert werden.
In der Folge hatte die Polizei Bonn ermittelt, ob es einen Anfangsverdacht
für übermäßige Polizeigewalt gibt. Doch wie die Staatsanwaltschaft Köln,
der die Pressehoheit in diesem Fall obliegt, im Mai mitteilte, hätten die
vorliegenden Beweismittel zunächst keinen Anlass für einen solchen Verdacht
ergeben. Zu diesen Beweismitteln zählten allen voran die Bodycam-Aufnahmen
der Beamt*innen.
Dieses Vorgehen [1][hatte bei Expert*innen für Unverständnis gesorgt].
Zum einen deutete einiges auf eine übermäßige Fixierung C.s hin. So wurden
ihm Spuckmasken aufgesetzt (Hauben, die umstehende vor ansteckenden
Krankheiten schützen sollen) und starke Beruhigungsmittel verabreicht. Zum
anderen sorgte die Einschätzung der Staatsanwaltschaft für Kritik, es lägen
keine Anzeichen für ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Der
Polizeiforscher Thomas Feltes beschrieb das als „voreilig“.
## Anwalt sieht rassistische Motive
Auch C.s Anwalt, Simón Barrera González, hatte das Vorgehen der
Beamt*innen kritisiert. Er sah zudem rassistische Motive sowie eine
Stigmatisierung C.s aufgrund seiner HIV-Diagnose – obwohl er dank
Medikamenten kaum ansteckend ist. Barrera González’ Vorwurf:
[2][Polizeigewalt].
Bestärkt wurde dieser Vorwurf im Juli, als der Anwalt nach wochenlangem
Drängen die Bodycam-Aufnahmen einsehen konnte. Dort sei nicht nur die
unverhältnismäßige physische Gewalt der Beamt*innen sichtbar, sagte
Barrera González der taz. Darüber hinaus hätte er auch Beleidigungen
gegenüber C. hören können. Schon diese Beweislage hätte aus Sicht des
Anwalts einen Anfangsverdacht und ein Ermittlungsverfahren gerechtfertigt.
Wenige Tage später bekam der Anwalt C.s Telefon, das bis dahin von der
Polizei beschlagnahmt war. Darauf fanden er und einige Freund*innen von
C. ein Video, [3][das er aufgenommen hatte, kurz bevor die Beamt*innen
und die Notärztin die Wohnung betraten]. Dort ist zu sehen, dass C. zwar
nervös wirkte, aber keinesfalls aggressiv oder als eine Gefahr für andere.
Nachdem C. selbst die Tür geöffnet hatte, wurde er von einem Polizisten zu
Boden gebracht.
Dieses Beweismittel ist nun Anlass für die Staatsanwaltschaft, ein
Ermittlungsverfahren zu eröffnen. So bestehe „im Hinblick auf einen
Polizeibeamten sowie eine Polizeibeamtin der Anfangsverdacht der
Körperverletzung im Amt, da das auf dem Video nachvollziehbare Geschehen
Anlass zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme gibt“, heißt
es. Auch gegen die Notärztin wird ermittelt. Hier gehe es vor allem um das
C. verabreichte Beruhigungsmittel.
Für C.s Anwalt Barrera González ist dieser Schritt der Staatsanwaltschaft
ein „Etappensieg“. Gleichzeitig stelle er nur den Anfang eines langwierigen
Prozesses dar – und darüber hinaus ohnehin bloß das Mindeste, einen
Schritt, der schon vor Monaten hätte gegangen werden müssen.
5 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /30-Jaehriger-nach-Polizeigewalt-im-Koma/!6181864
(DIR) [2] /Grundrechtereport-2025/!6089491
(DIR) [3] /Mutmassliche-Polizeigewalt-in-Koeln/!6197618
## AUTOREN
(DIR) Adrian Breitling
## TAGS
(DIR) Polizeigewalt
(DIR) Psychische Erkrankungen
(DIR) Ermittlungsverfahren
(DIR) Schwerpunkt Rassismus
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Polizeigewalt
(DIR) Polizeigewalt
(DIR) Polizeigewalt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Mutmaßliche Polizeigewalt in Köln: „Pedro wurde wie ein Objekt behandelt“
Pedro C. hat nach einem Polizeieinsatz irreparable Hirnschäden. Jetzt
werfen Videos weitere Fragen zum Vorgehen der Beamten auf.
(DIR) Der Fall Lorenz A.: Der Polizist griff zuerst an
Das Landgericht Oldenburg hat die Anklage gegen den Todesschützen von
Lorenz A. zugelassen. Ob der Polizeischütze verurteilt wird, ist aber
fraglich.
(DIR) 30-Jähriger nach Polizeigewalt im Koma: Polizeiforscher kritisiert Staatsanwaltschaft
Seine Freunde in Köln riefen den Notarzt – und der die Polizei. Jetzt liegt
der 30-Jährige Pedro C. im Koma. Wie ist das passiert?