# taz.de -- Poesie des Aufschubs: Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los
       
       > Die Freibadwiese ist längst eine Wüste, die Kioskschlange endlos. Während
       > am Beckenrand ein Kind ausharrt und auf den perfekten Moment wartet.
       
       Da war dieses Kind in der gelben Badehose. Es saß am Beckenrand, in der
       Hocke, die Arme weit ausgestreckt, spitz zulaufend, als ob es gleich einen
       Kopfsprung macht. Die Fingerspitzen waren nur wenige Zentimeter von der
       Wasseroberfläche entfernt.
       
       Es saß da ganz versonnen, ruhig, vor sich hin lächelnd, mit einem
       hoffnungsvollen Leuchten in den Augen. Wenn man näher kam, sah man, dass es
       ganz leise flüsterte. Es sagte immer wieder dasselbe. Wenn man noch näher
       kam, konnte man hören, was es sagte: Gleich geht’s los. Gleich geht’s los.
       Gleich geht’s los. Gleich geht’s los.
       
       Am Kiosk war eine lange Schlange, wie immer. Ich legte mich stattdessen auf
       die Wiese – die zur Wüstenlandschaft geworden war. Vor ein paar Jahren war
       die Wiese noch grün gewesen. Von Weitem sah ich eine Gruppe Kinder unter
       dem Pilz stehen, aus dessen Rändern Wasser kommt. Sie lachten sich halbtot
       über irgendwas, das Kinder lustig finden. Auf meinem Weg zurück zum Becken
       kam ich wieder an dem Kind in der gelben Badehose vorbei.
       
       Es saß in derselben Position am Beckenrand, ganz allein, die Arme weit
       ausgestreckt, spitz zulaufend, nur wenige Zentimeter von der
       Wasseroberfläche entfernt. Ich kam unauffällig noch einen Schritt näher.
       Immer noch markierte es den Kopfsprung, der jede Sekunde stattfinden
       sollte, noch immer hatte es denselben hoffnungsvollen Gesichtsausdruck,
       noch immer wiederholte es immer denselben Satz: Gleich geht’s los. Gleich
       geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los.
       
       4 Aug 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Olga Hohmann
       
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