# taz.de -- Bodyshaming bei Popstars: In der Petrischale
       
       > Körper zu kommentieren, gilt im Alltag als unhöflich. Bei Stars scheinen
       > wir aber eine Ausnahme zu machen. Popstar Ariana Grande wurde es nun zu
       > viel.
       
 (IMG) Bild: Ist dann erst einmal weg: Ariana Grande
       
       Popstar Ariana Grande reicht es. Am Sonntagabend erklärte ihr Sprecher dem
       amerikanischen Magazin People, dass sich die 33-Jährige vorübergehend aus
       der Öffentlichkeit zurückziehen will. Der Grund: „Die endlose, anhaltende
       öffentliche Prüfung“, unter der sie sich befinde.
       
       Seit Beginn ihrer Karriere war die Sängerin eines der liebsten
       Versuchskaninchen Hollywoods. „Seitdem ich 16 oder 17 bin, stehe ich in der
       Öffentlichkeit und fühle mich wie eine Probe in einer Petrischale, ich habe
       schon alles über mich gehört“, sagte sie 2024 in einem Interview mit einer
       französischen Youtuberin.
       
       Grande begann ihre Karriere in den frühen 2010er Jahren als
       Nickelodeon-Star und Musicaldarstellerin. Seit 2013 veröffentlichte sie
       acht Alben und gilt als einer der größten Popstars ihrer Generation. Dass
       das Aussehen von Prominenten, meist Frauen, kommentiert wird, ist leider
       nichts Neues und begann auch nicht mit ihr. Und doch sollte ihr Fall
       zeigen, wie präsent Bodyshaming im Netz nach wie vor sein kann.
       
       Als 2024 die Pressetour für das Muscial „Wicked“ begann, in dem Grande an
       der Seite von Cynthia Erivo die gute Fee Glinda verkörpert, gab es
       wochenlang kaum ein anderes Thema. Social-Media-Accounts posteten
       Ausschnitte aus Interviews mit beiden Schauspieler*innen, die für ihre
       Rolle anscheinend viel Gewicht verloren hatten.
       
       ## „Ich will nicht die alte Ariana zurück“
       
       Ob Musicalfan oder nicht: An den Memes zu dem sonderbaren Verhalten der
       beiden Hauptdarstellerinnen, die ängstlich flüsternd und nur noch
       händchenhaltend anzutreffen waren, kam niemand vorbei. Doch besonders der
       Gewichtsverlust bereite einigen Fans Sorge.
       
       Dass man im Alltag ungefragt den Körper einer Person nicht kommentieren
       sollte, setzt sich als gesellschaftliche Norm langsam durch. Für einige
       verschwimmt diese Norm jedoch, wenn es um Prominente geht. Der Star oder
       die Influencerin darf nach wie vor zur Projektionsfläche werden. Müssen
       Prominente mit der Kritik an ihrem Körper umgehen, weil sie bewusst die
       Öffentlichkeit suchen und Vorbildfunktion haben?
       
       „Ich will nicht die alte Ariana zurück, ich will einfach nur, dass sie
       gesund ist“, kommentiert eine Person ihr aktuelles Musikvideo auf Youtube.
       „Ich bin froh zu sehen, dass auch andere Leute besorgt sind und nicht so
       tun, als sei alles in Ordnung“, kommentiert eine andere.
       
       [1][Im Zeitalter von Ozempic] müssen wir natürlich darüber reden, wie
       gefährlich der gegenwärtige Abnehmwahn ist. Doch das geht auch ohne
       Kommentare, die Rippen zählen und Skelettvergleiche anstellen. Für viele
       Fans, die Grande seit Jahren folgen, steht aber nicht Missgunst im
       Vordergrund, sondern Sorge.
       
       Über ihren damaligen Körper schrieb Grande in einem Post von 2023: „Ich
       nahm Antidepressiva, trank Alkohol und habe mich schlecht ernährt, ich war
       an meinem tiefsten Punkt im Leben, als ihr dachtet, ich sei gesund.“ Ist es
       okay, den Körper eines Menschen zu kommentieren, wenn die Intention gut
       ist?
       
       ## Meisterin des „Blackfishing“
       
       In einer Welt, die zugegebenermaßen noch eine Utopie ist, würde man, egal
       ob Nachbar, Freundin oder Weltstar, den Körper unkommentiert lassen. Dann
       wäre wohl der Druck, den eigenen Körper zu optimieren, für alle geringer.
       Und trotzdem wäre es zu eindimensional, Grande nur als Opfer des
       Körperkults zu sehen.
       
       In den 2010ern war sie auch ein erfolgreicher Popstar, weil sie genau
       wusste, welches Aussehen in war. Mit langem Pferdeschwanz, großen Ohrringen
       und Spraytan bewegte sie sich zwischen Schwarzen Tänzerinnen im Musikvideo
       zu [2][„7 Rings]“. Grande war Meisterin im „Blackfishing“, einer Form der
       kulturellen Aneignung, die weiße Künstler*innen zu Marketingzwecken
       betreiben. Es ist solcherlei Verhalten, das kritisiert werden muss – nicht
       ihr Aussehen.
       
       „Ich brauche niemanden, der mich rettet, denn diese Musik und ich, wir
       werden nie sterben“, singt Popstar Grande in ihrer aktuellen Single
       [3][„Petal“]. Eine Nachricht an ihre Fans? Die Zeit wird zeigen, wer Grande
       nach ihrer Pause sein will.
       
       3 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ozempic/!6069964
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=QYh6mYIJG2Y&list=RDQYh6mYIJG2Y&start_radio=1
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=oRnxdl2SPWU&list=RDoRnxdl2SPWU&start_radio=1
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anastasia Zejneli
       
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