# taz.de -- Anschlag in Moskau: Tödliches Geburtstagspräsent
> Bei einer Bombenexplosion in einem Moskauer Edelrestaurant sterben fünf
> Menschen, 21 werden verletzt. Der Anschlag könnte einem General gegolten
> haben.
(IMG) Bild: Das Restaurant Balzi Rossi in Moskau nach dem Bombenattentat
Er wollte sowohl seinen 55. Geburtstag als auch die bereits im Mai erfolgte
Ernennung zum Kommandeur der russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte im
Kreise seiner „Lieben“ feiern: General Alexander Tschaiko hatte hochrangige
Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes FSB, Generäle des
Verteidigungsministeriums, Abgeordnete und ranghohe Beamte ins Moskauer
italienische Edelrestaurant „Balzi Rossi“ geladen. Es liegt im
Stalin-Hochhaus am Kudrinskajaplatz im Zentrum der Hauptstadt, unweit der
US-Botschaft und des Museums für Militäruniformen.
Die Feier am Sonnabend wurde schwer bewacht. Eine junge Frau, die das
Restaurant betreten wollte, um dem auf der Veranda feiernden General ein
Präsent im großen Geschenkkarton zu überreichen, wurde gestoppt. Als sie
das Paket öffnen musste, so berichten ukrainische und russische
Telegram-Kanäle, sei eine darin liegende Bombe ferngezündet worden.
Die Frau wurde in Stücke gerissen, ihre Hände wurden zehn Meter entfernt
gefunden. Metallsplitter in der Bombe töteten vier weitere Menschen und
verletzten 21, teilweise schwer. Der feiernde General blieb laut den
Berichten am Leben. Offiziell wurden weder seine Anwesenheit bei der
Veranstaltung noch das Ziel des Anschlags bestätigt. Russische
Militärblogger taxieren umgerechnet rund 100.000 Euro für Menü und Miete
des gesamten Restaurants.
Tschaiko kommandierte bei der russischen Vollinvasion im Februar 2022 die
Truppenformation „Wostok“ (Ost), die von Belarus aus in Richtung Kyjiw
vorrückte – [1][und die im Vorort Butscha grauenhafte Massaker an der
Zivilbevölkerung verübte]. Im März 2022 setzte die EU Tschaiko auf die
Sanktionsliste wegen der Massenmorde an Zivilisten in Butscha.
## Viel Hass
Russische Medien vermuten einen ukrainischen Anschlag – es wäre nicht der
erste auf ranghohe russische Soldaten in der Hauptstadt. Aber inzwischen
gibt es auch in den russischen Streitkräften selbst sehr viel Hass gegen
die eigene Führung. So wurde Igor Pusik (Funkname „Sloi“ – „Der Böse“) zum
Brigadekommandeur befördert. Und das, obwohl er zwei Drohnenoperatoren, die
ihn des Drogenhandels in den eigenen Reihen und Beziehungen zu westlichen
Geheimdiensten bezichtigt hatten, bewusst als Infanteristen in eine
sinnlose tödliche Schlacht bei Pokrowsk geschickt hatte. Kein Einzelfall.
Doch ist es seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine auch immer
wieder zu Anschlägen auf hochrangige russische Militärs in Moskau gekommen.
[2][Im Dezember 2024 wurde der Oberbefehlshaber der radiologischen,
chemischen und biologischen Verteidigung, General Igor Kirillow, mit in
einem E-Roller neben seinem Auto angebrachten Sprengsatz getötet]. Der
ukrainische Geheimdienst SBU bekannte sich zu der Tat. Kirillow habe
chemische Waffen in der Ukraine eingesetzt.
Vier Monate später wurde der für die Logistik der russischen Armee
zuständige General Jaroslaw Moskalik mit einer Autobombe getötet. Im Juni
2025 wurde mit General Fanil Sarwarow der Kommandeur einer motorisierten
Schützenbrigade per Autobombe ums Leben gebracht.
Im Dezember 2025 wurde der Leiter der Abteilung für Raketen-, Drohnen- und
Artilleriemunition im Verteidigungsministerium, General Damir Dawydow, mit
einem Sprengsatz am Fahrzeug umgebracht. Die Ukraine wirft ihm
Kriegsverbrechen vor. Im Februar 2026 wurde Generalleutnant Wladimir
Alexejew, Vize-Chef des Militärgeheimdienstes GRU, in Moskau auf dem Weg zu
seiner Geliebten durch Schüsse schwer verletzt.
2 Aug 2026
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(DIR) Mathias Brüggmann
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