# taz.de -- Anschlag auf General in Russland: Ein Schuss direkt in die Brust
> In Moskau wird ein Vertreter des Generalstabs des russischen
> Militärgeheimdienstes GRU schwer verletzt. Außenminister Sergei Lawrow
> beschuldigt die Ukraine.
(IMG) Bild: Generalleutnant im Generalstab und angeschossener Kriegsverbrecher Wladimir Aleksejew
Ein Hochhaus im Nordwesten der russischen Hauptstadt Moskau: Gegen sieben
Uhr am Freitagmorgen hatte Generalleutnant Wladimir Aleksejew gerade seine
Wohnung im 23. Obergeschoss verlassen. Dann hörten Nachbar:innen mehrere
Schüsse. Aleksejew, blutüberströmt, soll noch kurz bei Bewusstsein gewesen
sein.
Der Telegram-Kanal Shot, der den russischen Sicherheitskräften nahestehen
soll, berichtete von schweren Verletzungen lebenswichtiger Organe. Nach
Angaben der Tageszeitung Kommersant habe sich der Killer als
Essenslieferant ausgegeben, auf Aleksejews Arm und Bein geschossen. Als
sich der Angegriffene zur Wehr setzte, erfolgte ein Schuss in die Brust.
Die Behörden ermitteln wegen versuchten Mordes gegen unbekannt. Fotos und
Videoaufnahmen der Person sollen ihnen vorliegen; welche Spur sie verfolgen
werden, dürfte ohnehin klar sein. [1][Außenminister Sergei Lawrow] stellte
den Anschlag sofort in den Kontext der laufenden Gespräche zwischen den
USA, Russland und der Ukraine über eine mögliche Beendigung des Krieges:
„Dieser Terrorakt hat erneut bestätigt, dass das Regime von Selenskyj auf
ständige Provokationen aus ist, die wiederum darauf abzielen, den
Verhandlungsprozess zu torpedieren.“
Wladimir Aleksejew, 1961 in der Ukraine geboren, bekleidet seit 2011 das
Amt des Vizechefs des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Im Jahr 2017
wurde ihm die Auszeichnung „Held Russlands“ verliehen. In seinen
Zuständigkeitsbereich fielen die [2][Söldnertruppe Wagner] und andere für
Auslandseinsätze herangezogene Kampfverbände wie Redut.
## Zerstörerische Durchschlagskraft
In Syrien war Wagner seit 2015 aktiv, immer in enger Kooperation mit der
russischen Armee. Später wurde die Söldnerarmee unter Leitung von Jewgenij
Prigoschin und dem ehemaligen GRU-Offizier Dmitrij Utkin in der Ukraine
eingesetzt. Deren zerstörerische Durchschlagkraft sicherte der russischen
Seite zwar Erfolgsmeldungen, allerdings bei exorbitant hohen Verlustzahlen
in den eigenen Reihen.
Als Prigoschin im Juni 2023 seinen Aufstand gegen den Kreml anzettelte,
forderte Generalleutnant Aleksejew die beteiligten Wagner-Söldner auf,
ihren Widerstand sofort einzustellen. Das sei „Wahnsinn“, sagte er in einer
Videoansprache. Dabei lag gegen ihn selbst der Verdacht einer Beteiligung
an den Vorbereitungen zum „Marsch auf den Kreml“ vor, er wurde sogar
kurzzeitig festgenommen.
Dass Aleksejew ein potenzielles Ziel von Anschlägen war, hätte ihm
eigentlich bewusst gewesen sein müssen. Sein Gesicht dürfte sich 2023
vielen eingeprägt haben. Zudem hatte es vor ihm mehrere seiner Kollegen in
Moskau getroffen – alle im Generalsrang: [3][Im Dezember 2024 Igor
Kirillow], im April 2025 Jaroslaw Moskalik und im vergangenen Dezember
Fanil Sarwarow.
Wegen Mordes an Moskalik verhängte ein Gericht gegen Ignat Kusin im Herbst
lebenslange Haft. Er soll die Tat gegen Geldzusagen aus der Ukraine
begangen haben. Trotzdem scheinen sich hochrangige russische Militärs in
Moskau sicher zu fühlen. Aleksejew wohnte in einem Neubau ohne spezielle
Sicherheitsmaßnahmen.
6 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Vera Bessonova
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