# taz.de -- „The Tenant“ von Roman Polański: Das Grauen wohnt nebenan
> Mieten wird immer mehr zum Horrorfilm. Roman Polański hat das verstanden.
> In „The Tenant“ wird ein Mieter in seiner eigenen Wohnung heimgesucht.
(IMG) Bild: Roman Polanskia „Der Mieter“
Stellen Sie sich vor, Sie mieten eine Wohnung in Paris. Was würde Sie am
meisten gruseln? Wenn nachts laute Geräusche aus dem Hausflur tönen? Eine
Nachbarin, die sich suizidiert hat? Oder [1][Roman Polanski], der in die
Wohnung gegenüber einzieht?
Kein Albtraumszenario, sondern bittere Wahrheit für die Hauptfiguren in
„The Tenant“, einem Horrorfilm von 1976, bei dem Polański nicht nur Regie
führte, sondern gleich noch die Hauptfigur, den zurückhaltenden
Franco-Polen Trelkovsky, spielt.
Der will eine kleine möblierte Wohnung in Paris anmieten. Die französische
Hauptstadt wirkt in „The Tenant“ gar nicht so französisch, da alle
amerikanisches Englisch sprechen – selbst Cops und Clochards klingen wie
Cowboys, was allein akustisch für eine unheimliche Atmosphäre sorgt.
## Die Wohnung als Spukraum
Bei einer Besichtigung erfährt Trelkovsky jedenfalls, dass sich die
Vormieterin aus dem Fenster gestürzt, den Sturz jedoch überlebt hat.
Deswegen wird die Wohnung überhaupt frei. Simone Choule heißt die Frau, und
er besucht sie bald im Krankenhaus. Sie stößt, wer kann es ihr verübeln,
beim Anblick Polańskis einen verstörenden Schrei aus. Und stirbt wenige
Stunden später im Krankenhaus, was bedeutet, dass Trelkovsky einziehen
kann.
Seltsame Dinge tragen sich bald bei ihm zu: Nachbarn beschweren sich über
Geräusche aus seiner Wohnung, er findet einen Zahn in einem Loch in der
Wand, und aus einem Raum auf der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs
wird er ständig beobachtet.
Auch wenn es ihm allein beim Anblick der Wohnung hätte klar sein müssen –
sie ist verwinkelt, finster, staubig, alles knarzt, und jedes Dekorstück
schreit: „Hier spukt es!“ – spätestens jetzt überdenkt Trelkovsky seinen
Einzug.
Polański weiß, dass das Alltägliche, wie die eigene Wohnung, einen idealen
Ausgangspunkt für das Horrorgenre darstellt: Gerade, weil Wohnungen keine
fremden fantastischen Orte sind, ist die Vorstellung umso unmittelbarer,
dass der Spuk im eigenen Zuhause einzieht.
## Kein Refugium
Eine ganze Reihe, die sogenannte Apartment-Trilogy, widmet er dem Ort. In
„[2][Ekel]“ (1965) verbarrikadiert sich eine junge Frau mit
Wahnvorstellungen in ihrer Wohnung. In „Rosemary’s Baby“ (1968) sind es
satanische Nachbarn, die die junge Mia Farrow in eine psychische Krise
stürzen. Und in „The Tenant“?
Auch da ist die Wohnung kein Refugium. Mit jedem Augenblick, den Trelkovsky
dort verbringt, scheint ihm die Wirklichkeit etwas mehr aus den Händen zu
gleiten. Wer benutzt die Schminke, die Simone Choule dagelassen hatte? Wer
hat ihr Kleid getragen, das noch im Schrank hing, als Trelkovsky eingezogen
war? Und wen hatte er da in seiner Wohnung gesehen, als er selbst vom
Zimmer gegenüber in seine Wohnung blickte?
Wem das nicht gruselig genug ist, der kann sich stattdessen näher mit dem
Regisseur auseinandersetzen. Etwa durch den ausführlichen „[3][Verfahren
wegen Vergewaltigungen]“-Teil seines Wikipedia-Beitrages scrollen und
„[4][The Girl]“ von Samantha Geimer lesen. Oder entsetzlicher noch,
nachsehen, wer 2009 [5][die Petition] unterzeichnete, die Polańskis
Freilassung forderte, nachdem er in Zürich wegen eines seit 1978
ausstehenden Haftbefehls aus den USA verhaftet worden war.
19 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Roman-Polanski/!t5246985
(DIR) [2] https://letterboxd.com/film/repulsion/
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Pola%C5%84ski#Verfahren_wegen_Vergewaltigungen
(DIR) [4] https://www.spiegel.de/international/zeitgeist/roman-polanski-rape-victim-relives-history-in-new-book-a-924530.html
(DIR) [5] https://www.indiewire.com/news/general-news/over-100-in-film-community-sign-polanski-petition-55821/
## AUTOREN
(DIR) Valérie Catil
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