# taz.de -- Drohnen auf LNG-Schiffe in Ägypten: Kairo will sich nicht hineinziehen lassen
       
       > Die Angriffe auf Schiffe mit US-Bezug werden Iran oder einer seiner
       > Proxymilizen zugeschrieben. Ägypten versucht sich am diplomatischen
       > Balanceakt.
       
 (IMG) Bild: Löscharbeiten nach einem Drohnenangriff auf einen Gastanker
       
       Das ägyptische Kabinett gab am Donnerstag das Zwischenergebnis der
       Ermittlungen zu den Bränden auf zwei Schiffen im Hafen von Damietta am
       Mittwoch bekannt: Eine Drohne habe sie verursacht. Die zuständigen Behörden
       würden nun „ihre Ermittlungen fortsetzen, um die Umstände des Vorfalls
       aufzuklären und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der ägyptischen
       Interessen und der nationalen Sicherheit zu ergreifen“.
       
       Der Brand am Mittwoch betraf ein Regasifizierungsschiff und ein Lagerschiff
       im Besitz einer US-Firma. Es wurden keine Verletzten oder Todesopfer
       gemeldet. Der Angriff ist der erste gemeldete Drohnenangriff auf einen
       ägyptischen Hafen seit Ausbruch des Iran-US-Kriegs Ende Februar.
       
       Damietta ist einer der strategisch wichtigsten Energie- und
       Handelsknotenpunkte Ägyptens. Dort befindet sich eine der beiden
       [1][LNG-Verflüssigungsanlagen] des Landes, der Hafen ist ein wichtiger
       Terminal für schwimmende LNG-Anlagen. Er ist zudem Ägyptens Tor zur
       Ro-Ro-Schifffahrtsroute, die Damietta mit Triest in Italien verbindet – ein
       wichtiger Korridor für den Export gekühlter Agrarprodukte nach Europa.
       
       ## Kairo verstärkte bereits den Schutz seiner Infrastruktur
       
       Obwohl die ägyptischen Behörden die Verantwortlichen noch nicht benannt
       haben, weckt der Angriff Befürchtungen, dass der regionale Konflikt
       zunehmend die Infrastruktur jenseits der unmittelbaren Kriegsschauplätze
       bedroht. [2][Und seit der Blockade der Straße von Hormus] durch Iran sind
       Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zunehmend auf
       [3][ägyptische Infrastruktur] angewiesen, [4][um Rohöl zu exportieren.]
       
       Der Drohnenangriff sei „eine äußerst besorgniserregende Entwicklung“ und
       ein Zeichen dafür, „dass sich die regionale Instabilität ausbreitet“, sagt
       Ayman Zaineldine, ehemaliger ägyptischer Diplomat, stellvertretender
       Staatssekretär im Außenministerium und Mitglied des ägyptischen Rates für
       Außenpolitik der taz. Laut Zaineldine deuten die vorläufigen Erkenntnisse
       zum Drohnenangriff darauf hin, dass „die Wahrscheinlichkeit, dass es sich
       dabei um einen Fehler handelte, sehr gering ist“. Zaineldine hält „Iran
       oder einen seiner Verbündeten für die wahrscheinlichsten Verdächtigen“.
       
       Zaineldine betont außerdem: Kairo rechne schon lange mit der Möglichkeit,
       dass regionale Akteure versuchen würden, den Konflikt auszuweiten. Die
       Sicherheit rund um kritische Infrastruktur sei deshalb bereits verstärkt
       worden. Die schnelle Reaktion der Rettungs- und Feuerwehrteams, die den
       Brand rasch unter Kontrolle brachten, spiegle das wider, betont er. Am
       Donnerstag hatte der Hafen von Damietta den normalen Betrieb wieder
       aufgenommen.
       
       ## Ägypten will sich nicht in ein Lager ziehen lassen
       
       Trotz des Angriffs rechnet Zaineldine nicht damit, dass Kairo militärisch
       reagieren werde. Stattdessen werde „Ägypten umgehend Kontakt zu der Partei
       beziehungsweise den Parteien aufnehmen, die mutmaßlich an dem Angriff
       beteiligt waren, und die Angelegenheit offen ansprechen“.
       
       Der Angriff werde Ägyptens Entschlossenheit, „den Konflikt einzudämmen und
       zu beenden, nur noch verstärken“, sagt er. Er warnt jedoch, dass
       wiederholte Angriffe auf ägyptisches Territorium die Regierung
       [5][letztendlich dazu zwingen könnten, ihre Optionen zu überdenken.]
       
       Rabha Allam, eine ägyptische Politikexpertin, sieht das ähnlich: Kairo
       werde „keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen und ist nicht geneigt,
       sich in die Lager der derzeitigen Kriegsparteien hineinziehen zu lassen“.
       Es werde im Gegenteil an seiner diplomatischen Haltung festhalten, sagt sie
       der taz.
       
       Allam argumentiert zudem, dass militärische Maßnahmen allein die Bedrohung
       durch immer ausgefeiltere Drohnen nicht beseitigen können. Man müsse
       parallel die [6][„Ursache des Konflikts“] angehen, betont sie.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.egyptianlng.com/
 (DIR) [2] /Reaktion-auf-den-Irankrieg/!6196214
 (DIR) [3] https://www.al-monitor.com/originals/2026/07/aramco-turns-egypt-houthis-disrupt-saudi-oil-exports-what-know
 (DIR) [4] /Angriffe-von-Jemens-Huthi-Miliz/!6199355
 (DIR) [5] /Konflikt-zwischen-USA-und-Iran/!6195173
 (DIR) [6] /Aufstand-in-Iran/!6144897
       
       ## AUTOREN
       
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