# taz.de -- Ölkonzern unter Druck: Shell verseucht das Nigerdelta
       
       > Seit Jahren machen Umweltorganisationen dem Ölriesen schwere Vorwürfe für
       > Ölunfälle in Nigeria. Ein neuer Bericht zeigt ein neues Ausmaß der
       > Vergehen.
       
 (IMG) Bild: Von Öl verschmiert: Eine Person im Staat Bayelsa in Nigeria zeigt ihre Hände
       
       Sie verlaufen dicht an Häusern vorbei, schneiden Felder entzwei und queren
       Flüsse, aus denen Menschen fischen und Trinkwasser schöpfen: Das Nigerdelta
       im Süden Nigerias, dort, wo einer der längsten Flüsse Afrikas in den
       Atlantik mündet, ist durchzogen von einem weit verzweigten Netz aus Öl- und
       Gaspipelines. Das westafrikanische Land ist einer der größten Produzenten
       des Kontinents, der Rohstoff einer seiner größten Wirtschaftsmotoren. Doch
       der Preis dafür ist hoch. Jährlich kommt es zu Hunderten von Ölunfällen,
       mit deren Folgen die Gemeinden vor Ort leben müssen.
       
       Ein [1][am Mittwoch veröffentlichter Bericht von Amnesty International] und
       einem Bündnis aus weiteren Menschenrechtsorganisationen belastet nun den
       Ölgiganten Shell schwer. Das Papier stützt sich auf interne Dokumente des
       Konzerns, auf im Rahmen eines Gerichtsverfahrens in Großbritannien
       veröffentlichte E-Mails, vertrauliche Prüfberichte und weitere Unterlagen.
       
       Diese legen nahe, dass die mangelhafte Wartung von Ölleitungen und
       Förderanlagen durch die damalige nigerianische Shell-Tochter SPDC jahrelang
       maßgeblich zur massiven Umweltverschmutzung im Nigerdelta beigetragen hat.
       Die Dokumente stützen damit die seit Jahren vorgebrachten Vorwürfe der
       betroffenen Gemeinden und zeichnen ein Bild systematischer Versäumnisse bei
       Shells Ölgeschäft im Nigerdelta.
       
       Einer der am schwersten wiegenden Vorwürfe lautet: Anstatt beschädigte
       Leitungen wie vorgeschrieben zu reparieren, soll das Management
       Sabotageakte an Pipelines durch Öldiebe in Kauf genommen haben – trotz
       bekannter Umweltrisiken. Illegale Abzapfstellen seien bestehen geblieben,
       da deren Entfernung „erhebliche Ausfallzeiten des Systems“ zur Folge gehabt
       hätten. Eine Praxis, die dazu führte, dass [2][bereits 2013 die für die
       Pipelinesicherheit zuständige nigerianische Firma Shell vorwarf], sich am
       Öldiebstahl mitschuldig zu machen.
       
       Die Unterlagen weisen zudem darauf hin, dass marode Infrastruktur entgegen
       den eigenen Richtlinien nicht regelmäßig ersetzt wurde und die
       Tochtergesellschaft SPDC in Korruption und Regelverstöße verwickelt gewesen
       sein soll.
       
       ## Umweltverschmutzung auf Kosten der lokalen Bevölkerung
       
       Es ist eine ganze Reihe schwerwiegender Vorwürfe, die eine über Jahre
       andauernde Umweltverschmutzung auf Kosten der lokalen Bevölkerung deutlich
       macht. Bereits 2011 dokumentierte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen
       (UNEP) die massive [3][Verseuchung der betroffenen Böden sowie des Grund-
       und Trinkwassers]. Längst finden sich laut einem Bericht unabhängiger
       Wissenschaftler zudem Giftstoffe in der menschlichen Nahrungskette wieder,
       die darüber in den Blutkreislauf und das Gewebe der Menschen in den
       betroffenen Gemeinden gelangen.
       
       Mal sind verrostete Leitungen und marode Anlagen die Ursache, mal zapfen
       Öldiebe die Pipelines an, um das Rohöl in improvisierten Raffinerien zu
       verarbeiten. Zurück bleibt eine Landschaft, deren Böden, Gewässer und Luft
       nach und nach verseucht werden. Hintergrund der offengelegten Dokumente ist
       ein seit 2015 dauerndes Gerichtsverfahren der nigerianischen Gemeinden
       Bille und Ogale, die Shell vorwerfen, jahrzehntelang Umweltverschmutzung in
       Kauf genommen zu haben.
       
       Shell weist die Vorwürfe zurück. Es sei selektiv zitiert und dadurch ein
       irreführendes Bild erzeugt worden. Die Darstellung berücksichtige zudem
       nicht das damals schwierige Umfeld im Nigerdelta mit massivem Öldiebstahl,
       Sabotage und illegaler Raffination durch kriminelle Gruppen, sowie die
       Bemühungen zur Beseitigung der Verschmutzungen, heißt es in einer
       Stellungnahme des Konzerns.
       
       Für Isaac Osuoka ist das nicht ausreichend: „Nachdem Shell jahrzehntelang
       vom Öl im Nigerdelta profitiert hat, darf das Unternehmen die Risiken der
       veralteten Infrastruktur und der Altlasten nicht auf die Gemeinden oder auf
       einen Käufer abwälzen.“ Der Leiter der Organisation [4][Social Action], die
       sich für Umweltgerechtigkeit im Nigerdelta einsetzt, fordert: „Shell muss
       seinen gerechten Anteil zahlen, unabhängig davon, ob es den Willen zur
       Rechenschaftspflicht hat oder nicht.“
       
       29 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.amnesty.de/aktuell/nigeria-shell-oelverschmutzung-skandal
 (DIR) [2] /Shell-verseucht-das-Nigerdelta/!5087397
 (DIR) [3] /Aktivist-ueber-Oekozide/!5949027
 (DIR) [4] https://www.linkedin.com/company/social-action/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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