# taz.de -- Islamistischer Terror in Nigeria: Nigerias Armee beendet Massengeiselnahme von Kindern
       
       > Mitte Mai hat die islamistische Terrorgruppe Boko Haram in drei Schulen
       > weit weg von ihrem Kerngebiet zugeschlagen. Nun greift Nigerias Armee
       > erfolgreich ein.
       
 (IMG) Bild: Die Entführungen von Oyo hatten ganz Nigeria aufgewühlt. Demonstration in der Hauptstadt Abuja, 4. Juni
       
       Nach 56 Tagen hat Nigerias Armee eine der aufsehenerregendsten
       Massenentführungen des Landes gewaltsam beendet. [1][Eine „sorgfältig
       geplante“ Militäroperation], so ein Militärsprecher am Samstag, habe am
       Vortag die erfolgreiche Befreiung aller im Bundesstaat Oyo entführten
       Schüler und Lehrer erwirkt. Es seien innerhalb des vergangenen Monats auch
       „die Netzwerke und logistischen Verbindungen der für die Geiselnahmen
       verantwortlichen Terroristenführer, einschließlich ihrer Informanten und
       Verstecke, gesprengt und auseinandergenommen“ worden.
       
       „Die Kinder und Lehrer sind gerettet, lebend und unversehrt“,
       [2][bestätigte Nigerias Präsident Bola Tinubu] am Samstagabend. Es seien
       keine Zugeständnisse gemacht worden. Die Armee sagte, es habe „Opfer“ auf
       beiden Seiten gegeben.
       
       Am 15. Mai waren 39 Kinder im Alter zwischen zwei und 16 Jahren sowie
       sieben Lehrkräfte und Betreuer bei Überfällen auf zwei Grundschulen und
       einen Kindergarten in den Dörfern Esiele und Yawota in der Gemeinde Oriiere
       des Bundesstaates Oyo von Bewaffneten verschleppt worden.
       
       Seither fehlte von ihnen jede Spur. Es war in Nigeria eine politisch
       angespannte Zeit. Nur einen Tag später [3][griffen die USA mit gezielten
       Luftangriffen] in den Krieg gegen islamistische Terrorgruppen im Norden
       Nigerias ein. Nigerias Politiker waren derweil vor allem mit der Frage
       beschäftigt, wer zu den Präsidentschaftswahlen 2027 kandidiert. Erst nach
       einigen Tagen erklärten die nigerianischen Behörden, dass die Entführungen
       in Oyo das Werk von Boko Haram waren. Die islamistische Terrorgruppe wolle
       damit inhaftierte Mitglieder freipressen, hieß es.
       
       ## Nigerias Südwesten ist vom Krieg sonst nicht betroffen
       
       Massenentführungen von Schulkindern, meist gegen Lösegeld, hat Nigeria
       [4][schon häufig erlebt], aber diese hier erregte besonderes Aufsehen, weil
       sie in einer ansonsten bisher friedlichen Region geschah. [5][Der
       Bundesstaat Oyo] mit der Hauptstadt Ibadan liegt im dichtbesiedelten
       Südwesten Nigerias im Kernland der Yoruba-Bevölkerungsgruppe – Oyo war ein
       vorkoloniales Yoruba-Königreich – weit weg von den historischen Hochburgen
       Boko Harams in Nigerias nordöstlichen Savannen. Sollten sich bewaffnete
       Gruppen hier festsetzen, hätten die kriegsähnlichen Zustände, die in vielen
       entfernten Landesteilen herrschen, abrupt die Mehrheit der Bevölkerung
       direkt erreicht.
       
       Die Angst davor hatte nach diesen Entführungen für landesweiten Protest
       gesorgt. Die Lehrergewerkschaft von Oyo rief zum unbefristeten Streik ab 1.
       Juni auf: Die „brutale und unmenschliche“ Massenentführung, so die
       Gewerkschaft, „hat Angst und Verzweiflung unter den Lehrkräften gesät,
       Eltern davon abgehalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und Panik und
       Spannungen in allen Gemeinschaften hervorgerufen“. Globales Aufsehen
       erzeugte der nigerianische Afrobeat-Star Davido. Er [6][erklärte den
       Gekidnappten seine Solidarität], als er bei seinem Auftritt im Rahmen des
       Fifa-Konzerts zum Fußball-WM-Countdown in Los Angeles am 10. Juni einen
       Anstecker mit den Namen aller Entführten auf seinem Jackett und der Parole
       „Bring Them Home“ auf dem Rücken trug.
       
       ## Nationalpark als Rückzugsgebiet
       
       Der Boko-Haram-Konflikt sorgt in Oyo für Spannungen, seit die islamistische
       Terrorgruppe im Jahr 2013 zehn Händler aus Oyo getötet hatte. Laut einer
       Studie der Universität Ibadan mieden die Yoruba-Händler der Stadt daraufhin
       Reisen nach Nordnigeria. Das ließ Marktlücken, die von anreisenden
       nordnigerianischen Händlern gefüllt wurden, was zu neuen, auch mit der
       Waffe ausgetragenen Konkurrenzsituationen führte.
       
       Die Orte der jetzt beendeten Entführungen liegen in der Nähe des
       Nationalparks [7][„Old Oyo“] im Norden des Bundesstaates. Überall in
       Westafrika dienen Nationalparks, die Orte der letzten intakten Wälder der
       Region, mittlerweile als Rückzugsgebiete für bewaffnete Gruppen.
       Parkwächter hatten nach den Entführungen berichtet, sie hätten schon länger
       Gruppen von Fremden auf Motorrädern im Park beobachtet. Bei der
       Militäroperation hat die Armee nun nach eigenen Angaben Terrorstützpunkte
       im Nationalpark ausgehoben.
       
       12 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.channelstv.com/2026/07/11/how-abducted-oyo-schoolchildren-teachers-were-rescued-army/
 (DIR) [2] https://x.com/officialABAT/status/2075680005212852493
 (DIR) [3] /IS-Kommandeur-in-Nigeria-getoetet/!6179664
 (DIR) [4] /Entfuehrungen-in-Nigeria/!6131820
 (DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Oyo_State
 (DIR) [6] https://www.facebook.com/notjustokpage/videos/davido-paid-tribute-to-the-kidnapped-oyo-schoolchildren-and-teachers-with-a-cust/825454193774151/
 (DIR) [7] https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Oyo_National_Park
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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