# taz.de -- Erdüberlastungstag: Menschheit lebt ab Donnerstag auf Pump
> Menschen verbrauchen zu viele Ressourcen. Mehr als 1,7 Erden wären nötig,
> um ihren Bedarf zu decken. Wie ließe sich der Erdüberlastungstag
> verschieben?
(IMG) Bild: Erdüberlastung beginnt am Donnerstag: Wald in Deutschland – die Wälder können nicht genug CO₂ aufnehmen
dpa | Die Menschen haben bereits am Donnerstag die Rohstoffe aufgebraucht,
die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Den sogenannten
Erdüberlastungstag berechnet die Organisation Global Footprint Network
jedes Jahr aufs Neue.
Ab diesem Datum lebt die Menschheit ökologisch betrachtet auf Pump: Sie
beansprucht [1][mehr Acker- und Weideland], Fischgründe und Wald als
rechnerisch zur Verfügung stehen, und stößt mehr Kohlendioxid (CO2) aus,
als Wälder und Ozeane aufnehmen können.
Um den tatsächlichen Bedarf der Menschen zu decken, wären rechnerisch 1,73
Erden nötig. Wie die Naturschutzorganisation WWF erklärte, sind die Folgen
der Übernutzung längst sichtbar, etwa durch Entwaldung, degradierte Böden,
den Verlust biologischer Vielfalt und steigende CO2-Konzentrationen in der
Atmosphäre.
Im vergangenen Jahr lag der [2][Erdüberlastungstag auf dem 24. Juli]. Die
Verschiebung geht laut WWF überwiegend auf aktualisierte Daten zurück und
nicht darauf, dass die Menschheit nachhaltiger lebt.
## Deutschland schadet der Erde mehr als die meisten Länder
„Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr sechs Tage später liegt als 2025,
darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin deutlich über die
ökologischen Grenzen unseres Planeten hinaus wirtschaften“, erklärte Björn
Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Tatsächlich
wächst die Lücke zwischen dem [3][hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit]
und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter.“
Würden alle Menschen so konsumieren wie die Deutschen, wäre der
Erdüberlastungstag bereits am 10. Mai gewesen. Der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) fordert daher von der Bundesregierung einen
raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Abkehr von Öl, Gas und
Kohle.
BUND-Vorsitzender Olaf Brandt betont: „Unser Wirtschaftssystem frisst seine
eigene Substanz und zerstört damit die Lebensgrundlagen für künftige
Generationen.“ Der Erdüberlastungstag müsse als Weckruf verstanden werden.
Seit Anfang der 1970er Jahre, als der Erdüberlastungstag noch Ende Dezember
lag, hat er sich im Kalender weit nach vorn verschoben. Allerdings lässt
sich beobachten: Die Sprünge werden kleiner. Die Tage lagen in den
vergangenen 20 Jahren alle in einem Bereich von viereinhalb Wochen.
## Wie können mögliche Lösungen aussehen?
Das [4][Global Footprint Network] hat analysiert, welche Maßnahmen den
Stichtag nach hinten verschieben könnten. Der mit Abstand größte Faktor
sind CO2-Emissionen (60 Prozent), deswegen liegt dort der größte Hebel.
Einige Beispiele:
• CO2-Preis erhöhen 63 Tage
• 75 Prozent des Stroms kommen aus CO2-armen Quellen (jetzt: 39 Prozent) 26
Tage
• Autofahrten um 50 Prozent verringern 13 Tage
• Halb so viel Fleisch konsumieren 17 Tage
• Verschwendung von Lebensmitteln halbieren 13 Tage
• 350 Millionen Hektar Wald wieder aufforsten 8 Tage
• Flugreisen zu touristischen Zielen halbieren 1 Tag
Den Erdüberlastungstag errechnet das Global Footprint Network, indem es
analysiert, wie viel standardisierte Flächeneinheiten etwa für Essen, Holz,
die Aufnahme des menschengemachten CO2 sowie Straßen und Häuser der
Menschen nötig sind. Es bezieht zudem im Gegenzug die Kapazität der Erde
ein, Ressourcen aufzubauen sowie Müll und Emissionen aufzunehmen.
Ähnlich wie bei [5][Schätzungen des Bruttoinlandsprodukts] sind diese Daten
nicht vollkommen präzise. Die früheren Ergebnisse werden jährlich mit den
neuesten Daten und weiteren Verfeinerungen aktualisiert, sodass sich die
Erdüberlastungstage der vergangenen Jahre nachträglich verschieben können.
29 Jul 2026
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