# taz.de -- Zugang zu Abkühlung: Wenn die Superreichen Kälte zum Luxusgut machen
       
       > Ob „Snowrooms“ oder „Kryostase“ – Reiche haben einen privilegierten
       > Zugang zu Kälte. Doch was soll die Nachwelt mit den ganzen alten weißen
       > Männern anfangen?
       
 (IMG) Bild: Ein Schneeraum auf dem Polar-Expeditionsschiff «Le Commandant Charcot» der französischen Reederei Ponant
       
       Die Hitze hat Deutschland fest im Griff. Alle reden darüber, [1][nur die
       große Politik nicht wirklich]. Die sich hier ausdrückende
       Wahrnehmungsverwahrlosung wird von unten mit netten Lüftungstipps gegen die
       Hitzekrise gekontert und ähnelt der ignoranten Herangehensweise an
       Großthemen wie Umverteilung oder die Bekämpfung von Obdachlosigkeit.
       
       Immerhin gibt es jetzt ein hübsches neues Buch, das sich der „Dialektik der
       Abkühlung“ widmet. Es heißt [2][„Kühle neue Welt. Eine Geschichte der
       Moderne“] – und wie immer hat alles schon viel früher begonnen, nämlich
       spätestens mit den Römern. Für die Reichen sei „ein Mittel erfunden worden,
       wie auch Wasser zum Luxusartikel werden konnte“, zitiert Autor Jan Eike
       Dunhase die Kritik des Philosophen Seneca an den Gepflogenheiten auch
       seines Zöglings Nero zum „Schneekonsum“.
       
       Womit kein stimulierendes Pulver, sondern echter, von Sklavenhand herbei
       geschaffter Schnee gemeint war, der das Wasser für die verwöhnten Mägen
       kühlen sollte. Die „durch ständige Überreizung gefühllos gewordenen
       Eingeweide sollten durch einen Kälteschock wieder aktiviert werden“.
       
       Heute sind wir weiter. Galt lange Zeit neben dem Pool eine Heimsauna als
       Zeichen vermögender Behaglichkeit, so sind nun „snow rooms“ en vogue,
       [3][berichtet] die New York Times. Solche „Schneeräume“ gehören
       mittlerweile zum Standardangebot im Jachtmarketing, zitiert die Zeitung
       einen Verkäufer: Früher sei es auf den schwimmenden Festungen um Trinken
       und Party gegangen, „now the focus is very much on fitness and longevity“.
       
       Das versteht jeder. Das Fest, das die Oberen ein Leben lang feiern, soll
       möglichst nie aufhören. Die Zahl der Leichen, schreibt Dunkhase, die
       bereits in „Kryostase“, also künstliche Kältekonservierung versetzt worden
       sind, „liegt gegenwärtig im mittleren dreistelligen Bereich“. Und er stellt
       die wohl nur für uns Unteren naheliegenden Frage, was eine Nachwelt –
       soweit es eine geben wird – „im Falle gelingender Auferstehung mit all den
       alten weißen Männern anfangen“ soll?
       
       Nach dem [4][christlichen Prinzip des „contrappasso“] wäre naheliegend,
       dass diese Eliten zur Buße ihrer Sünden Schnee ankarren, für alle jene, die
       auf der brennenden Erde leiden. Aber wir hier sind ja Linke – und halten
       fest am Traum einer gekühlten Welt für alle.
       
       9 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schulen-und-Kliniken-waehrend-Hitzewelle/!6187304
 (DIR) [2] https://www.reclam.de/produktdetail/kuehle-neue-welt-eine-geschichte-der-moderne-9783150115169
 (DIR) [3] https://www.nytimes.com/2026/07/04/style/snow-rooms-home-technoalpin.html
 (DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/Contrapasso
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ambros Waibel
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne übrigens
 (DIR) Superreiche
 (DIR) Longevity
 (DIR) Kälte
 (DIR) Luxusgüter
 (DIR) Hitze
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Zukunft
 (DIR) wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Longevity und Selbstoptimierung: Die Angst vorm Altern verkauft sich gut
       
       Lymphdrainagen, Vitamininfusionen, Sauerstoffmasken – lebensverlängernde
       Maßnahmen oder nur Selbstoptimierung in einer kapitalistischen Welt?
       
 (DIR) Longevity-Bewegung: Macht ohne Ende
       
       Autokraten sinnieren vom ewigen Leben, Tech-Bros stecken Milliarden in die
       Longevity-Forschung. Über die gefährliche Obsession mit der
       Unsterblichkeit.
       
 (DIR) Longevity in 100 Jahren: Wenn alt werden kostet
       
       Anders als heute ist 2126 die Longevity-Bewegung kein elitäres Projekt
       mehr. Wer in Zukunft alt werden will, muss genügsam sein.