# taz.de -- Aus PCOS wird PMOS: Ein neuer Name macht Hoffnung
       
       > Betroffene und Forschende haben das untererforschte Ovarialsyndrom
       > umbenannt. Wie das zu besserer Wissenschaft und Behandlung führen könnte.
       
 (IMG) Bild: Aus PCOS wird PMOS: Die Krankheit wird umbenannt, weil es bei ihr um weit mehr geht als um die hier zu sehenden Eierstöcke
       
       Seit über 14 Jahren ist für Helene Teede klar: Der alte Name muss weg! Die
       australische Endokrinologin wollte ihren Patient*innen nicht mehr
       verkünden, sie hätten PCOS. Die vier Buchstaben stehen für
       [1][Polyzystisches Ovarialsyndrom]. Aus Teedes Sicht die falsche
       Beschreibung der Krankheit. Mit fatalen Folgen: Bis heute sei der Name
       einer der Gründe, warum Betroffene zu spät diagnostiziert und nicht
       ganzheitlich versorgt würden. Dabei betrifft die Krankheit eine von acht
       Frauen, schätzungsweise gibt es weltweit 170 Millionen Betroffene im
       gebärfähigen Alter.
       
       Immer wieder musste Teede ihren Patient*innen erklären, dass sie zwar
       die Erkrankung hätten, aber keine Zysten in den Eierstöcken. Das, was zwei
       Ärzte, die vor über 100 Jahren die Krankheit erstmals beschrieben,
       fälschlicherweise als Zysten wahrnahmen, waren unausgereifte Eizellen. Und
       nicht mal die kämen bei allen Patient*innen vor. Denn überhaupt seien
       nicht nur die Eierstöcke betroffen, PCOS ist eine systemische Erkrankung.
       Ein neuer Name sollte das endlich widerspiegeln.
       
       Heute weiß man, dass vor allem ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone
       und eine Stoffwechselstörung die treibenden Faktoren hinter dem Syndrom
       sind. Die Körper von Betroffenen haben oft eine höhere Insulinresistenz und
       sie produzieren zu viele Androgene, also die als männlich beschriebenen
       Sexualhormone wie Testosteron.
       
       Beide Effekte hängen zusammen und werden vielseitig sichtbar; durch
       unregelmäßige oder [2][ausbleibende Perioden], teilweise auch durch
       Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Die Krankheit kann aber auch zu
       Übergewicht oder einer verstärkten Gesichtsbehaarung führen. Neue Studien
       zeigen zudem, dass Betroffene häufiger an Herzerkrankungen und Diabetes Typ
       2 leiden – doch Ärzt*innen übersehen teils die Zusammenhänge.
       
       „Wenn man das Syndrom fälschlicherweise als Krankheit der Eierstöcke
       klassifiziert, macht man auch nicht die richtige Forschung“, sagt Teede der
       taz Anfang Juli am Telefon. „Dadurch hat man dann nicht die notwendige
       Evidenz und kann auch nicht die richtigen Medikamente entwickeln.“ In der
       Medizin beschäftigten sich derzeit nur die für die Eierstöcke zuständigen
       Ärzt*innen mit der Erkrankung, also Gynäkolog*innen – nicht die
       Ärzt*in fürs Herz, für Diabetes oder für mentale Gesundheit.
       
       Der Name musste also weg, aber für Helene Teede war klar, das geht nicht
       ohne die Stimme der Patient*innen. Es sollte ein Prozess „von Frauen, für
       Frauen, mit Frauen“ werden – auch wenn manche Expert*innen im
       Fachgespräch gerne ohne die Betroffenen entschieden hätten.
       
       Nachdem Teede und die Endokrinologin Andrea Dunaif 2012 die Umbenennung
       anstießen, brachten sie schnell Expert*innen aus der Medizin mit
       Patient*innengruppen von sechs Kontinenten zusammen. In einer großen
       Online-Umfrage stimmten sie darüber ab, ob der Name überhaupt geändert
       werden und nach welchen Prinzipien der Prozess gestaltet werden sollte. Die
       Gruppe wollte die Namensänderung, um künftig den Stand der Wissenschaft
       korrekt abzubilden. Genauso wichtig war den Patient*innen aber auch,
       dass der Name kulturell angemessen ist und kein weiteres Stigma verursacht.
       
       Am Ende scheint die Änderung minimal, nur ein Buchstabe ist anders: PMOS
       soll das Syndrom künftig heißen – Polyendokrines metabolisches
       Ovarialsyndrom, verkünden Helene Teede und Rachel Moorman, eine Vertreterin
       der britischen Patient*innen Gruppe Verity, die eng am Prozess
       beteiligt war, auf der 28. Europäischen Konferenz für Endokrinologie und in
       einer [3][Studie im Fachmagazin] The Lancet.
       
       Doch auch ein neuer Name löst nicht alle Probleme. Jetzt gilt es, PMOS
       tatsächlich aus der Gynäkologie herauszuholen und alle betroffenen
       medizinischen Fachbereiche entsprechend weiterzubilden. Denn wenn Wissen
       über PMOS systemisch etabliert und Forschung aus den verschiedenen
       Fachbereichen heraus angeschoben wird, werden auch [4][Fortschritte bei der
       Behandlung] wahrscheinlicher.
       
       13 Aug 2026
       
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 (DIR) [3] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00717-8/fulltext
 (DIR) [4] /Hormonelle-Erkrankung-bei-Frauen/!6022224
       
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