# taz.de -- Der Tanzbrunnen in Freiburg: Und am Abend noch ein Tänzchen
       
       > Mit dem Tanzbrunnen wurde in Freiburg ein öffentlicher Raum besetzt. Es
       > ist ein Ort, um andere Menschen zu treffen oder einfach seine Runde zu
       > drehen.
       
 (IMG) Bild: Mitten in der Stadt, die Einladung zu einem Tanz
       
       Wer nicht gerade auf sie achtet, könnte die alte Brunnenanlage glatt
       übersehen. Nur der Boden des großen Zementbeckens strahlt in kräftigem
       Blau. Doch Wasser ist hier keines mehr drin, das einstige Brunnendasein
       lässt sich nur noch erahnen. Zum Verweilen lädt das flache Relikt trotzdem
       ein. Gerade haben es sich an seinem Rand zwei Freundinnen bequem gemacht.
       Da sitzen sie nun und essen ihr Eis.
       
       Hier, [1][mitten in der Freiburger Innenstadt] und [2][nur wenige Meter von
       der Universitätsbibliothek entfernt], findet man umrahmt von etwas Wiese
       den Tanzbrunnen. Seit einigen Jahren wird er in Freiburg so genannt, und
       später am Abend versteht man warum. Jetzt drehen sich im Inneren des
       Beckens etwa 20 Paare ganz unterschiedlichen Alters zu einer Musik, die aus
       einer kleinen Box vom Brunnenrand kommt. Ganz ohne sich zu stoßen, finden
       sie dort Platz.
       
       ## Fröhlich drehen im West Coast Swing
       
       Da ist ein Vater, der sich selbst mit Kind auf dem Arm ganz gekonnt bewegt,
       und gleich daneben üben sich zwei junge Frauen in kompliziert aussehenden
       Drehfiguren. „West Coast Swing“, weiß eine Frau, die vom Rand aus auf die
       Szenerie schaut. Ob sie selbst auch tanzen wolle? Sie verneint, sie schaue
       gerne zu, zum Tanzen sei sie „viel zu schlecht“, sagt sie. Und dass das
       ältere Paar dort, das sich sehr langsam und doch im Rhythmus durch den
       Brunnen bewegt, „Fusion“ tanze, eine Variation verschiedener Styles also.
       
       Gebaut wurde diese nun doch festlich dreinschauende Brunnenanlage im 19.
       Jahrhundert. Damals besaß sie auch einen künstlichen Wasserfall und eine
       Figurengruppe, was im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Bis 2008 sei der
       Brunnen noch in Betrieb gewesen, teilt die Stadt auf taz-Anfrage mit. Erst
       danach begannen die Einheimischen, ihn als Tanzfläche zu nutzen. Ab wann
       genau das gewesen ist, das wisse die Stadt nicht. Ein Mann im Anzug, auch
       am Rande des Geschehens, sagt, dass er „anarchistisch gekapert“ worden sei.
       „Cool“ fände er, „dass alles so professionell“ sei, schließlich werde der
       Brunnen „selbst organisiert“.
       
       Etwa 20 Ehrenamtliche kümmern sich um das Tanzen hier. An welchem Tag
       welcher Paartanzstil getanzt wird, ist fix, und am heutigen Abend stehen
       gleich drei Stile auf dem Programm. Dass es auch für diese einen bestimmten
       Tag gebe, dafür habe man – so ist es an dem Abend immer wieder zu hören –
       lange gekämpft. Während die Abende für die unterschiedlichsten Paartänze
       reserviert sind, beanspruchen tagsüber auch Hip-Hop-Gruppen den Platz.
       
       Getanzt wird im Brunnen zwischen März und Oktober und Informationen dazu
       gibt es bei einer öffentlichen Telegram-Gruppe. Manchmal werden früher am
       Abend Einsteigerworkshops auf Spendenbasis angeboten. Später ist dann alles
       kostenlos.
       
       Manche der Tanzenden grüßen sich und immer wieder fragen sie auch die, die
       vom Beckenrand aus zuschauen, ob sie nicht Lust hätten zu tanzen. Wer sich
       hier mit seinem fehlenden Tanz-Know-how entschuldigt, darf gleich mit „Ich
       kann dir noch mal den Tanzschritt zeigen“ als Antwort rechnen. Ein Nein
       wird dann aber akzeptiert.
       
       Sie sei an diesem Abend alleine gekommen, um tanzen zu lernen, sagt eine
       junge Frau. Und auch, weil sie neu in der Stadt sei. Den Tanzbrunnen kannte
       sie bisher nur vom Vorbeifahren: „Ich finde es toll, dass man hier einfach
       vorbeikommen kann, ohne sich vorher zu verabreden.“
       
       ## Eine Tanzdemo als Protestaktion
       
       Vor ein paar Jahren gab es Pläne von der Stadt, den Brunnen abzureißen und
       dort ein Fahrradparkhaus zu errichten. Dagegen protestierten die
       Freiburger:innen mit einer Tanzdemo. Die Stadt verwarf das Vorhaben –
       auch weil der Alleegarten, zu dem der Brunnen gehört, ein Kulturdenkmal
       ist. Die Grünanlage ist auf einer barocken Bastion errichtet worden, einer
       ehemaligen Befestigungsanlage.
       
       Zeiten ändern sich, das zeigt der Boden des Beckens. Lange war er nur
       Zement und inzwischen ist er mit einer speziellen Schicht überzogen – einem
       Tanzboden. Die Gelder dafür sammelte die Szene über Spenden und auch
       Fördermittel.
       
       An diesem Abend wird hier noch lange getanzt. Selbst als sich irgendwann
       die Person mit der Musikbox auf den Weg macht, findet sich schnell eine
       neue.
       
       Dabei ist es gut für die Tanzenden, dass der Brunnen nicht in den Bereich
       des nächtlichen „Lautsprecherboxenverbots für Parks“ fällt, wie es die
       Stadt andernorts verhängt hat, damit es zu keinen „nächtlichen
       Ruhestörungen“ kommt. Aber auch im Tanzbrunnen, so die Stadt, seien „die
       geltenden Lärmwerte einzuhalten“. Zumindest in dieser Nacht ist das wohl
       so. Ganz leise ist jetzt die Musik. Zu hören ist sie nur von denen, die
       noch im Brunnen stehen oder sich dort bewegen.
       
       16 Aug 2026
       
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