# taz.de -- Folgen der Klimakrise: Feuerpause im Regenwald
       
       > Die Waldbrände im Amazonasgebiet Brasiliens sind 2025 signifikant
       > zurückgegangen. Doch für eine Entwarnung besteht kein Grund.
       
 (IMG) Bild: 2024 tobten im brasilianischen Amazonasgebiet die schwersten Brände seit 17 Jahren
       
       Im vergangenen Jahr hat es im [1][Amazonas]-Regenwald so wenig gebrannt wie
       seit vier Jahrzehnten nicht. Ein „historischer Moment“, jubeln die
       brasilianischen Medien. Laut Daten des aktuellen [2][Feuerberichts des
       Netzwerks MapBiomas,] eines Zusammenschlusses von Universitäten, NGOs und
       Tech-Firmen, ist 2025 dort nur ein Fünftel der Fläche des Vorjahres
       verbrannt, etwa so groß wie Brandenburg.
       
       Für die meisten Brände sind direkt oder indirekt Menschen verantwortlich.
       Etwa indem sie schwer brennbaren Regenwald in leicht entflammbare
       Rinderweiden und Sojafelder verwandeln und diese zur Verbesserung der
       Fruchtbarkeit regelmäßig abfackeln, indem sie unkontrolliert Müll
       verbrennen oder Feuersbrünste zur billigen Rodung einsetzen.
       
       Für den Rückgang gibt es mehrere Gründe: Nach dem Feuerjahr 2024, in dem
       verstörende Bilder von verkohlten und verstümmelten Tieren um die Welt
       gingen, mögen Landwirte 2025 die Flammen zögerlicher eingesetzt haben. Vor
       allem ist die Feuerpause im vergangenen Jahr aber der Tatsache zu
       verdanken, dass es nach zwei Jahren extremer Trockenheit wieder beinahe
       normal geregnet hatte.
       
       Außerdem ist das Brandschutzgesetz 14.944/2024 in Kraft getreten, welches
       eine Zusammenarbeit vom Land, den Bundesstaaten, Gemeinden, der
       Zivilgesellschaft und Privatinitiativen zur Verhinderung der Brände
       einfordert. Brasilien hatte zudem 2025 mehr als 4.000 Feuerwehrleute zur
       Prävention und für Löscheinsätze eingestellt, mehr als je zuvor. Private
       Brigaden wurden geschult und unterstützt. Brasilien scheint aus der
       Jahrhundertbrandkatastrophe gelernt zu haben.
       
       Im Detail betrachtet, zeigen die Zahlen des Berichts einen drastischen
       Rückgang vor allem im Amazonasgebiet. Dort ist gleichzeitig die Entwaldung
       gesunken. Im Cerrado, der weltgrößten Savanne in Zentralbrasilien, brannten
       zwar ebenfalls 20 Prozent weniger Flächen, aber dort gingen überwiegend
       Naturräume in Flammen auf, während im Amazonasgebiet oft wirtschaftliche
       Nutzfläche und Weideland betroffen waren.
       
       Vera Luisa Arruda von MapBiomas warnt: Die häufigen und ausgedehnten Brände
       im Cerrado drohen die Regenerationsfähigkeit der Vegetation zu übersteigen.
       „Das Risiko, Biodiversität zu verlieren und das Ökosystem zu gefährden,
       wächst“, sagt die Forscherin. In der Savanne lebt ein Drittel der
       brasilianischen und fünf Prozent der weltweiten Fauna, es wachsen mehr als
       10.000 Pflanzenarten. Im Cerrado liegen außerdem acht der zwölf
       hydrografischen Regionen, die 40 Prozent der Brasilianer mit Wasser
       versorgen.
       
       Brasiliens Beitrag zur Erderwärmung steht zu 70 Prozent im Zusammenhang mit
       Waldbränden. Eine in der Wissenschaftszeitschrift Global Change Biology
       veröffentlichte Studie zeigt, dass das Klima im Cerrado durch die in Weide-
       und Ackerland verwandelten Flächen zwischen 1985 und 2000 bereits um ein
       Prozent heißer und zehn Prozent trockener geworden ist. Seit 1985 sind dort
       Flächen in der Größe der Türkei verbrannt.
       
       Je öfter es brennt, desto leichteres Spiel hat das Feuer: Brandherde
       brechen in den meisten Fällen dort aus, wo es maximal vier Jahre zuvor
       gebrannt hat und die Vegetation geschwächt ist. Ein Viertel der
       Gesamtfläche Brasiliens ist bis heute mindestens einmal abgebrannt. Durch
       die kurzen Intervalle dazwischen entsteht ein Wettlauf zwischen der
       Zerstörung durch das Feuer und den Regenerationskräften der Vegetation.
       
       Die Dornenbuschsavanne Caatinga im Nordosten Brasiliens ist das einzige
       Ökosystem, das 2025 trotz bisher ausreichender Regenfälle mehr Brände
       erlitten hat als in den Vorjahren, eine Zunahme von 44 Prozent. Großbrände
       stehen dort üblicherweise im Zusammenhang mit dem Vormarsch des
       Agrobusiness, vor allem der Sojaproduktion. In den vergangenen Jahren macht
       sich auch die Klimakrise mit verspätet und zu schwach einsetzenden
       Regenzeitperioden bemerkbar.
       
       Am Donnerstag vermeldete das Institut für Weltraumforschung Inpe für das
       erste Halbjahr 2026 weiter sinkende Brandzahlen. Das klingt hoffnungsfroh,
       ist aber kein Grund für Entwarnung. Die meisten Feuer brechen zwischen
       August und Oktober aus und im zweiten Halbjahr 2026 wird zusätzlich El Nino
       für weniger Regen und höhere Temperaturen sorgen. Das größte Brandrisiko
       steht also noch aus. Vera Arruda denkt noch einen Schritt weiter in die
       Zukunft. „Im Jahr nach El Nino sind die Brände meist besonders verheerend“,
       sagt die Wissenschaftlerin.
       
       26 Jul 2026
       
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 (DIR) [2] https://brasil.mapbiomas.org/en/2026/07/21/area-queimada-no-brasil-cai-31-em-2025/
       
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