# taz.de -- Angeblich wegen Zwangsarbeit: Trumps neue Zölle stoßen in Europa auf gemischte Reaktionen
       
       > Die Abgaben gegen rund 60 Staaten und auch die EU begründen die USA mit
       > mangelndem Vorgehen gegen Zwangsarbeit. Was steckt dahinter?
       
 (IMG) Bild: Präsident Trump auf dem Golfplatz im schottischen Turnberry. Hier wurde ein erster Zollvertrag mit der EU beschlossen
       
       Die [1][neuen US-Zölle] bedeuten nach Einschätzung mancher
       EU-PolitikerInnen keine Verschlechterung. Man nehme sie „positiv zur
       Kenntnis“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Seit Freitag sind
       US-Importzölle gegen 60 Staaten in Kraft, [2][begründet mit Zwangsarbeit in
       deren Lieferketten]. Für die Europäische Union betragen sie zwischen 10 und
       12,5 Prozent.
       
       Der Lesart der Kommission zufolge bewegt sich der neue Tarif im Rahmen des
       Golfplatz-Vertrages, den US-Präsident Donald Trump und EU-Präsidentin
       Ursula von der Leyen 2025 im schottischen Turnberry schlossen. Die darin
       festgelegte Obergrenze von 15 Prozent beim Import der meisten EU-Produkte
       in die USA bestehe fort. Eher könne der Aufschlag für bestimmte Produkte
       und Warengruppen jetzt sinken.
       
       „Die konkrete Ausgestaltung ist besser als erwartet“, sagte Bernd Lange
       (SPD), der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament. Weil
       Investoren keine zusätzliche Belastung erwarteten, stieg der Deutsche
       Aktienindex zunächst leicht.
       
       Skeptische Stimmen waren aber auch zu hören. Eine „negative Überraschung“
       nannte EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die US-Ankündigung. Für den
       französischen Notenbankchef Emmanuel Moulin bedeuten die Zölle mehr
       Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Betroffen sind auch China,
       Großbritannien sowie zahlreiche Länder in Asien und Südamerika.
       
       ## Geht es wirklich um Zwangsarbeit?
       
       Die neuen Einfuhr-Abgaben sind auch eine Folge der innenpolitischen
       Entwicklung der USA. Präsident Trump hatte 2025 horrende Zölle gegen viele
       Staaten verhängt, [3][die der dortige Oberste Gerichtshof später jedoch
       kassierte]. Danach behalf sich die Regierung mit niedrigeren Tarifen,
       welche allerdings nur einige Monate gültig sein durften. Die Zölle wegen
       angeblicher Zwangsarbeit sollen nun länger halten.
       
       Wobei viele Leute diese inhaltliche Begründung als nicht stichhaltig und
       nur vorgeschoben betrachten. „In den USA gilt seit fast einem Jahrhundert
       ein Importverbot für Waren aus Zwangsarbeit, das wir konsequent
       durchsetzen“, sagte zwar Jamieson Greer, der Handelsbeauftragte der
       US-Regierung. Andererseits wies das Peterson Institute für internationale
       Wirtschaft in Washington darauf hin, dass die USA die Konventionen gegen
       Zwangsarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) nicht
       unterzeichnet hätten.
       
       Grundsätzlich ist Zwangsarbeit durchaus ein Problem. Darunter versteht man
       nicht nur staatlich erzwungene Arbeit, beispielsweise in russischen oder
       chinesischen Gefängnissen. Auch bestimmte Formen von Ausbeutung durch
       private Akteure und Firmen fallen nach ILO-Definition darunter, etwa
       Schuldknechtschaft, erzwungene Arbeit ohne Lohn oder mit exzessiven
       Überstunden in Textilfabriken, Minen oder auf Plantagen. Die EU schätzte
       die Zahl der Opfer 2021 auf rund 27 Millionen Menschen weltweit. Laut der
       Berliner Menschenrechtsorganisation ECCHR belief sich der globale Profit
       aus Zwangsarbeit 2024 auf geschätzte 59 Milliarden Euro.
       
       In der EU trat 2024 eine Richtlinie gegen Zwangsarbeit in Kraft, die nach
       einer Übergangszeit ab Ende 2027 auch wirksam wird. Dann darf kein Produkt,
       das ganz oder teilweise unter erzwungener Beschäftigung entstand, nach
       Europa eingeführt oder von dort ausgeführt werden. Was diese Richtlinie
       bringt, bleibt abzuwarten. Momentan schwächt die EU ihre Regeln für
       Menschenrechte in den Lieferketten der Unternehmen wieder ab.
       
       Auch in Deutschland schränkt die schwarz-rote Bundesregierung die
       Wirksamkeit des hiesigen Lieferkettengesetzes ein, das unter anderem
       Zwangsarbeit untersagt. Statt wie momentan für Firmen ab 1.000 Beschäftige
       soll es bald nur noch für Unternehmen ab 5.000 Stellen gelten. Nur diese
       wenigen müssen ihre Zulieferbetriebe in aller Welt dann genauer
       kontrollieren.
       
       24 Jul 2026
       
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