# taz.de -- Jemen im Krieg zwischen Iran und USA: Nach der Straße von Hormus fällt die nächste Meerenge
> Die Huthi-Miliz will den Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab vor Jemens
> Küste einschränken. Der Konflikt mit Jemens Regierung spitzt sich zu.
(IMG) Bild: Saudi-Arabiens Öl gegen „unsere Raketen und Drohnen“: Bei einer Huthi-Versammlung am 17. Juli in Sanaa wird dem Nachbarstaat gedroht
Am späten Montag verkündete der militärische Sprecher der Huthis, Yahya
Saree: Mit Saudi-Arabien in Verbindung stehenden Schiffen sei die Passage
durch die Meerenge von Bab al-Mandab nun verboten. Das sei eine „Blockade
als Antwort auf die Blockade“ – eine Reaktion auf die umfassende saudische
Blockade jemenitischer Häfen und Flughäfen. Einen Mechanismus zur
Durchsetzung der eigenen Blockade nannte Saree nicht.
Die Huthis sind eine von Iran unterstützte Miliz im Jemen, die seit Jahren
im Konflikt mit der international anerkannten Regierung Jemens sowie den
[1][Golfstaaten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten]
stehen. Sie kontrolliert seit 2014 die Hauptstadt Sanaa und große Teile des
Westens des Landes entlang des Wasserwegs zum Suezkanal. Sie kontrolliert
auch die wichtige Hafenstadt Hodeida.
Die Huthis sandten außerdem eine Mitteilung an Reedereien, in der das Be-
und Entladen von Fracht in oder aus saudischen Häfen untersagt wurde. Sie
warnten, dass gegen dieses Verbot verstoßende Schiffe ins Visier genommen
würden. Esmail Ghaani, Kommandeur der Al-Quds-Truppen der iranischen
Revolutionsgarden, hatte bereits vor etwa einem Monat erklärt, [2][Bab
al-Mandab werde geschlossen], sollten die US-Angriffe auf Iran nicht
aufhören.
Der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten [3][Anti-Huthi-Koalition]
und saudische Generalmajor, Turki al-Maliki, erklärte, Riad werde
„entschiedene und strenge operative Maßnahmen“ ergreifen, um seine Schiffe
im Einklang mit dem Völkerrecht und dem Seerechtsübereinkommen der
Vereinten Nationen zu schützen. Die Drohungen der Huthis bezeichnete er als
Piraterie. Die Darstellung der Huthis, [4][Saudi-Arabien blockiere
Huthi-kontrollierte Häfen in Jemen], wies er zurück: In der ersten Hälfte
des Jahres 2026 seien mehr als 300 Handelsschiffe mit Lebensmitteln,
Treibstoff und Baumaterialien in von der Miliz kontrollierte Häfen
eingelaufen.
Das saudische Außenministerium verurteilte die Erklärungen der Huthis
scharf und forderte die Umsetzung der [5][Resolutionen 2216] und [6][2722]
des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN). Katar, Kuwait und
Jordanien bekundeten ihre Solidarität mit Riad. Die UN warnten vor der
Gefahr einer weiteren regionalen Eskalation.
## Eine Drohung reicht, um den Handelsverkehr zu stören
Trotz der angekündigten Huthi-Blockade zeigte sich zunächst kein Rückgang
des Handelsverkehrs im südlichen Roten Meer. Zwei mit dem Hafen von
Dschidda verbundene Schiffe passierten die Meerenge innerhalb weniger
Stunden nach der Ankündigung. Einige Schiffe änderten allerdings
vorsichtshalber ihren Kurs.
Und die Huthis müssen keine Schiffe versenken oder eine vollständige
Blockade durchsetzen, um den Handelsverkehr zu stören. Eine geringe Anzahl
von Angriffen, sogar die Drohung allein, reicht aus, um die Prämien für
Schiffsversicherungen in die Höhe zu treiben. Schiffe werden gezwungen,
alternative Routen zu nehmen, die Transitzeiten verlängern sich, die Kosten
steigen.
Die Eskalation fällt mit einem fast vollständigen Stillstand des
Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus zusammen. Durch diese Meerenge
zwischen Iran, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde vor
Beginn des Krieges in Iran etwa ein Viertel des weltweit genutzten Rohöls
verschifft. Eine vorübergehend geltende Waffenruhe zwischen USA und Iran
ist mittlerweile beendet.
Die Märkte sind also vermehrt auf Rohöl und andere Güter, die über das Rote
Meer exportiert werden, angewiesen. Etwa 12 Prozent des weltweiten
Seehandels durchlaufen Bab al-Mandab. Eine militärische Eskalation im Roten
Meer wäre gerade für Europa kostspielig. Denn die EU-Länder sind für
Energie und Waren aus Asien und der Golfregion auf diesen Korridor
angewiesen.
Auch für Saudi-Arabien ist der Export von Öl durch Bab al-Mandab zur
Lebenslinie geworden: [7][Riad leitet seit Kriegsausbruch seine Ölexporte
statt durch Hormus durch das Terminal Yanbu am Roten Meer um.] Der Großteil
des für Asien bestimmten saudischen Öls wird so transportiert.
## Der Konflikt zwischen Huthis und jemenitischer Regierung verschärft sich
Muammar al-Eryani, Informationsminister der international anerkannten
Regierung Jemens, erklärte, die Ankündigung der Huthis komme „der Umsetzung
einer iranischen Entscheidung gleich“. In den letzten Wochen hatten die
Huthis bereits Waffen, Raketenabschussrampen und mobile Drohneneinheiten in
Gebiete nahe der Küste des Roten Meeres verlegt.
Kurz nach der Ankündigung der Huthis erklärte der [8][Vorsitzende des
Präsidialrats Jemens, Rashad al-Alimi,] die Jemeniten sollten sich hinter
die offiziellen Streitkräfte des Landes stellen. Der im Exil
zusammenkommende nationale Verteidigungsrat habe außerdem ein Paket aus
militärischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Maßnahmen
gebilligt und die Kampfbereitschaft aller Fraktionen erhöht. Al-Alimi warf
den Huthis ebenfalls vor, Jemen im Dienste iranischer Interessen in den
Krieg zu ziehen.
Al-Alimi kündigte zudem an, die Rohölexporte seitens des jemenitischen
Staates wieder aufnehmen zu wollen. Und damit eine erzwungene Unterbrechung
zu beenden, die seit Ende 2022 bestand. Damals hatten Huthis die
Ölexportterminals Jemens bombardiert. Die Einnahmen aus dem Ölexport wolle
al-Alimi für die Gehälter und Dienstleistungen des öffentlichen Dienstes
verwenden.
Die Kämpfe zwischen Huthis und Regierung in Jemen nehmen derzeit zu: An den
Frontlinien in Hodeidah, Al-Jawf und Marib gab es jüngst auf beiden Seiten
Dutzende Tote und Verwundete. Die Huthi-Führung hat nach Informationen der
taz ein internes Rundschreiben an Kommandeure der zweiten und dritten Ebene
verschickt. In diesem wurden sie angewiesen, die persönliche Sicherheit zu
verstärken und Lebensmittelvorräte für mindestens sechs Monate anzulegen.
Aus dem Englischen Lisa Schneider
22 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Irankrieg/!6169811
(DIR) [2] /Jemens-Rolle-im-Irankrieg/!6194111
(DIR) [3] /Buergerkrieg-in-Jemen/!6136672
(DIR) [4] /Blockade-im-Jemen/!5462226
(DIR) [5] https://www.refworld.org/legal/resolution/unsc/2015/104751?lang=de
(DIR) [6] https://docs.un.org/en/s/res/2722(2024)
(DIR) [7] /Reaktion-auf-den-Irankrieg/!6196214
(DIR) [8] /Einige-Staatschefs-im-Nahen-Osten-finden-Trump-gar-nicht-so-schlimm/!6066818
## AUTOREN
(DIR) Najm Aldain Qasem
## TAGS
(DIR) Saudi-Arabien
(DIR) Jemen Bürgerkrieg
(DIR) Jemen
(DIR) Huthi-Rebellen
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Sanaa
(DIR) GNS
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Saudi-Arabien
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Jemen
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) US-Iran-Krieg: Mehrere Staaten in Nahost melden Drohnenbeschuss
Jordanien, Saudi-Arabien und Israel fangen Drohnen ab. Proiranische Milizen
in Irak und die Huthi-Miliz im Jemen stehen im Verdacht, sie abgefeuert zu
haben.
(DIR) Angriffe von Jemens Huthi-Miliz: Internationaler Schiffsverkehr geht zurück
Immer weniger Öltanker durchqueren das Südende des Roten Meeres, wo Jemens
Huthi-Miliz das Sagen hat. Iran und USA legen derweil eine Kriegspause ein.
(DIR) Eskalation am Roten Meer: Huthi-Miliz feuert Raketen auf Saudi-Arabien ab
Die mit dem Mullah-Regime in Teheran verbündeten Huthis im Jemen
attackieren Städte in Saudi-Arabien. Riad hatte zuvor Stellungen der Miliz
zerstört.
(DIR) Konflikt zwischen USA und Iran: Ein Krieg, der leider logisch ist
Ja, der Angriff auf Iran hat die Blockade an der Straße von Hormus erst
ausgelöst. Aber realpolitisch gesehen darf auch Europa nicht einfach
zusehen.
(DIR) Atomdeal zwischen USA und Saudi-Arabien: Neuer Sprengstoff für den Nahen Osten
Die USA und Saudi-Arabien schließen ein Abkommen über Urananreicherung zur
zivilen Nutzung. Das könnte ein nukleares Wettrüsten provozieren.
(DIR) +++ Nachrichten im Nahostkrieg +++: Ölpreis steigt auf über 100 Dollar
Der US-Präsident droht den islamistischen Iran-Verbündeten im Jemen. Zuvor
hatten seine Streitkräfte die zwölfte Nacht in Folge Ziele in Iran
angegriffen.
(DIR) Jemen am Rande eines neuen Krieges: Schlagabtausch mit Raketen erreicht Saudi-Arabien
In Jemen eskaliert der Konflikt mit den von Iran unterstützten
Huthi-Milizen erneut. Saudi-Arabien will offenbar wieder militärisch tätig
werden.
(DIR) Huthi-Rebellen in Jemen: Die Hoffnung stirbt erneut
In Jemen ist der bislang größte Gefangenenaustausch vorerst gescheitert. Ob
er doch noch zustande kommt, hängt vor allem an einer Frage.
(DIR) Jemens Rolle im Irankrieg: Huthis drohen Saudi-Arabien
Ein Flugzeug landet im jemenitischen Sanaa und bricht kurz darauf mit
Huthi-Rebellen an Bord nach Teheran auf. Die Huthis und Iran machen mobil.