# taz.de -- Umstrittener Straßenname in Franken: SA-Mann ist raus
> Wie kann man eine Straße nach einem SA-Mitglied benennen? Vier Jahre
> brauchte der Gemeinderat in Allersberg, um eine Fehlentscheidung zu
> revidieren.
(IMG) Bild: Muss umbenannt werden, weil der Namensgeber ein Nazi war, doch die Anwohner:innen stehen Kopf
So manche in Allersberg hatten es schon nicht mehr für möglich gehalten,
dass eine höchst umstrittene Entscheidung des Gemeinderats aus dem Jahr
2021 doch noch rückgängig gemacht würde. Zu stur schien die Mehrheit des
Gremiums zu sein, zu beharrlich hielt sie in den vergangenen Jahren an der
Benennung einer Straße nach dem SA-Mann Wilhelm Burkhardt fest. Doch nun
kam es in der Stadtratssitzung am Montagabend zu einer überraschenden
Wendung: Die Straße in der mittelfränkischen Marktgemeinde wird umbenannt.
Der Sitzungssaal war voll wie selten, über 50 Zuhörer hatten sich
eingefunden. Zwei Lokalzeitungen berichteten sogar via Live-Ticker von der
Sitzung. Rund drei Stunden widmete sich der Stadtrat dem Tagesordnungspunkt
5, in dem es um den Umgang mit der Wilhelm-Burkhardt-Straße im Allersberger
Neubaugebiet Im Keinzel II ging.
Zum Hintergrund: Die Debatte um die Straßenbenennung hatte in den
vergangenen Jahren für Aufsehen gesorgt, die Empörung ging weit über die
9.000-Einwohner-Gemeinde südlich von Nürnberg hinaus. Das Besondere, was
diesen Fall von sehr vielen fragwürdigen Straßennamen unterschied, über die
in der ganzen Republik diskutiert wird, war: Die Benennung stammte nicht
aus längst vergangenen Zeiten, sondern aus diesem Jahrzehnt. Es war 2021,
als Burkhardt zu der Ehre kam, ein kurzzeitiger Nachkriegsbürgermeister von
Allersberg, der eben auch in der SA war.
## Historikerin für Umbenennung
Offenbar hatte man die Entscheidung recht spontan getroffen, ohne sich die
Vita des Mannes näher anzusehen. Als 2022 die unrühmliche Vergangenheit des
Mannes ans Licht kam, wollte die Stadtratsmehrheit von Freien Wählern und
dem lokalen Allersberger Bürgerforum (ABF) jedoch nicht mehr so einfach von
ihrer Entscheidung abrücken. Stattdessen wurde das Thema auf die lange Bank
geschoben. Obwohl die Vorwürfe gegen Burkhardt unstrittig waren, verwies
der parteilose Bürgermeister Daniel Horndasch darauf, man wolle zunächst
eine umfassende Untersuchung eines externen Historikers abwarten.
In der Sitzung vom Montag nun kamen die Historiker Roxanne Narz und Markus
Urban vom Nürnberger Verein Geschichte Für Alle zu Wort, die in einem
„Werkstattbericht“ über ihre Forschungen zu Allersberg im
Nationalsozialismus und speziell die Person Burkhardt referierten. Der sei
1934 in Nürnberg der SA beigetreten und als Scharführer mehr als ein
einfaches SA-Mitglied gewesen. Es gebe zwar keine Hinweise darauf, dass
sich Burkhardt direkt an Gewalttaten beteiligt habe, der Charakter der SA
als Terrororganisation sei in der Nürnberger Stadtgesellschaft allerdings
hinlänglich bekannt gewesen. Der damalige Kleinunternehmer habe auch
mehrfach Anzeigen im Stürmer, dem antisemitischen Hetzblatt der Nazis,
geschaltet.
Als ein Gemeinderat der SPD Narz fragte, wie sie über eine Umbenennung
entscheiden würde, sagte die Historikerin, sie fände sowohl eine
Beibehaltung des Namens mit einer Kommentierung durch Zusatzschilder
nachvollziehbar als auch eine Umbenennung. Sie selbst würde sich für
Letzteres entscheiden.
## Anwohner plädiert für „negative Erinnerungskultur“
Für Thomas Brenner erschien das ohnehin als einzig gangbarer Weg. Was man
in dem Vortrag gehört habe, lasse einem das Blut in den Adern gefrieren,
sagte der Grünen-Gemeinderat, wie ein Zuhörer der taz erzählte. Das
Verhalten Burkhardts widerspreche den Grundsätzen der demokratischen
Grundordnung, er sei jemand gewesen, der seinen persönlichen Vorteil über
die Werte gestellt habe. Mit seiner Haltung vertrat Brenner am Ende aber
offenbar nicht mehr nur die Meinung der Oppositionsparteien Grüne, CSU und
SPD. So sprach sich auch Christian Lauber vom ABF in seinem Schlussplädoyer
für eine Umbenennung aus. Zu dieser Ansicht sei er infolge des Vortrags der
Historiker gelangt.
Dezidiert gegen eine Umbenennung der Straße war am Ende nur die Vertreterin
der AfD – und die Mehrheit der Anwohner der Straße. Einer von ihnen meldete
sich in der Sitzung ebenfalls zu Wort. Von 18 Anwohnern seien 15 gegen eine
Umbenennung, sagte er und plädierte für erklärende Zusatztafeln im Sinne
einer „negativen Erinnerungskultur“.
Im Verlauf der nicht ganz übersichtlichen Debatte hatten die Gemeinderäte
schließlich über eine Vielzahl von Anträgen aus den Reihen von Koalition
und Opposition abzustimmen, es wurde um Formulierungen gerungen. Am Ende
stimmte eine Mehrheit von 16 gegen 4 für die Umbenennung mit der
Begründung, dass „auf Basis der Handreichungen des Deutschen Städtetags
nach Meinung des Gemeinderats die sachlichen Gründe oder eine Notwendigkeit
(Erfüllen der dafür notwendigen Kriterien für eine Straßenumbenennung,
siehe gesonderte Erläuterung) gegeben ist“.
Gegen 23.30 Uhr war die Sitzung beendet. Einen neuen Namen hat die Straße
freilich noch nicht.
21 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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