# taz.de -- Jens Spahn tritt zurück: Die einzig richtige Konsequenz
       
       > Wer die CDU in der Mitte sehen will, wird Spahn keine Träne nachweinen.
       > Für Merz macht der Rücktritt die schwierige Lage noch herausfordernder.
       
 (IMG) Bild: Erst gratuliert, dann abgesägt: Friedrich Merz hat seinen Daumen erst gehoben, dann gesenkt
       
       Immerhin ist es jetzt schnell gegangen: [1][Jens Spahn] ist als Chef der
       Unionsfraktion im Bundestag [2][zurückgetreten]. Dieser Rücktritt ist die
       einzige richtige Konsequenz, die der bislang so mächtige CDU-Mann ziehen
       konnte.
       
       Auch wenn der Kinderwunsch von Spahn und seinem Mann nachvollziehbar sein
       mag – Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, und die CDU lehnt sie
       strikt ab. Daran muss sich ein CDU-Politiker orientieren, zumal einer ganz
       oben in der parteiinternen Hierarchie.
       
       Spahn darf nicht ungestraft deutsches Recht umgehen und die eigenen
       Parteibeschlüsse sowie die in der Vergangenheit selbst gemachten Aussagen
       ignorieren, ganz nach dem Motto: [3][Für mich persönlich gilt das nicht],
       ich kann mir das eben leisten. Das sollte eigentlich immer der Fall sein,
       ist aber besonders wichtig in einer Zeit, in der die CDU um ihre
       Glaubwürdigkeit kämpft und sich in der Gesellschaft die Meinung breitmacht,
       dass „die da oben“ ohnehin tun, was sie wollen.
       
       Dass Berlins Regierender Bürgermeister [4][Kai Wegner,] der die
       Öffentlichkeit nachweislich mehrfach belogen hat, einfach so weitermachen
       konnte, bis die Umfragewerte einbrachen, war schlimm genug. Spahn hat jetzt
       noch einen draufgesetzt. Auch mit Blick auf die Landtagswahlen im Herbst
       musste die CDU rasch handeln.
       
       ## Merz hat wieder bewiesen, was ihm fehlt
       
       Dass Spahn dachte, dass er nach so vielen Skandalen auch mit dieser
       Leihmutterschaft durchkommt, zeigt, wie abgehoben er inzwischen ist. Und
       dass Merz Spahn erst gratulierte und ihm dann, nachdem [5][der
       parteiinterne Unmut extrem gewachsen war], den Rücktritt nahelegte, macht
       wieder einmal deutlich: Dem Kanzler fehlt das Fingerspitzengefühl.
       
       Für Merz macht der Rücktritt die ohnehin komplizierte Lage noch
       herausfordernder. Zwar ist mit Spahns Abgang jetzt ein Konkurrent aus dem
       Weg, dem viele zugetraut hatten, dass er dem Kanzler in den Rücken fällt.
       Doch nach mehr als einem Jahr, das die CDU auch handwerklich brauchte, um
       halbwegs in der Regierung anzukommen, geht mit dem Fraktionsvorsitz nun an
       einer der zentralen Stellen wieder alles von vorne los.
       
       Eine Wiederholung solcher Chaostage wie jene vor etwa einem Jahr, als die
       Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin an der
       Unzuverlässigkeit der Union scheiterte, kann sich niemand wünschen.
       
       Und dennoch: Wer die CDU stabil in der Mitte sehen will, wird Spahn keine
       Träne nachweinen, im Gegenteil. Dafür hat der ehrgeizige und mitunter
       skrupellose Christdemokrat [6][seine Fühler zu häufig nach rechts außen
       ausgestreckt.]
       
       18 Jul 2026
       
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