# taz.de -- ZDF lädt Danger Dan und Igor Levit aus: Jetzt canceln sie schon die Staatstragenden
> Die Absage des ZDF an die Künstler ist falsch. Doch wo waren die beiden
> eigentlich, als die Palästinabewegung gecancelt wurde? Im Zweifel auf der
> anderen Seite.
(IMG) Bild: Pianist Igor Levit und Musiker Danger Dan bei einem Konzert gegen rechts in Jamel
Ein falsches Statement, eine falsche Zeile, und Sender und
Kulturinstitutionen canceln die Auftritte von Publizisten und
Künstlerinnen. Dieses Muster ist in Deutschland mittlerweile bekannt. Jetzt
traf es den Pianisten Igor Levit und den Sänger Danger Dan. In einer Folge
der Anstalt sollten die beiden [1][den Song „Keine Angst“] performen, der
verschiedene Formen des Widerstands gegen die extreme Rechte behandelt.
Doch weil der Song laut der ZDF-Führung als „Aufruf zu Gewalt“ verstanden
werden kann, sagte der Sender den Auftritt ab.
Man kann jetzt darüber diskutieren, ob der Liedtext wirklich eindeutig zu
Gewalt aufruft; ob Gewalt gegen Neonazis legitim sein kann; oder ob hier
nicht vielleicht auch ein lyrisches Ich einen sich radikalisierenden linken
Widerstand nachzeichnet, ohne jeden Aspekt davon gutzuheißen. Das ZDF aber
hat sich dafür entschieden, das Lied nicht ohne eine
„dokumentarisch-journalistische“ Einordnung spielen zu lassen – und eine
neue Cancel-Debatte produziert.
Bekannt ist, dass man sich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit
einiger Zeit darum sorgt, als zu links wahrgenommen zu werden. Bekannt ist,
dass diese Angst in den höheren Etagen des ÖRR genährt wird von Bild- und
Nius-Kampagnen, auf die dann auch gerne CDU und AfD aufspringen.
Bekannt ist schließlich auch das Muster im [2][Statement des ZDF] zur
Absage: Weil der Song als Gewaltaufruf „verstanden werden“ kann, macht man
die radikalstmögliche Deutung zum Maßstab für die eigene Absage, anstatt
das Lied zu senden und dann die Öffentlichkeit über die Auslegung
diskutieren zu lassen.
In Deutschland zielte diese Dynamik der Diffamierung und Ausladung in den
letzten Jahren vor allem auf jene linke Szene ab, die sich solidarisch mit
den Palästinensern versteht und die gegen die Einäscherung Gazas und gegen
die israelischen Menschenrechtsverbrechen protestiert.
Und hier liegt die große Ironie: Denn die guten Antifaschisten Igor Levit
und Danger Dan haben in diesem Konflikt nicht nur keine Solidarität mit den
Ausgebombten gezeigt, sie haben sich rhetorisch teils gar auf die Seite der
kriegsführenden Staaten gestellt. Und nicht mal eine abstrakte Verteidigung
der Meinungsfreiheit war angesichts der Welle von Absagen und Demoverboten
drin.
## Alles Antisemiten
So veröffentlichte Danger Dan mit seiner „Antilopen Gang“ im April 2024 den
Song „Oktober in Europa“, in dem die Band Greta Thunberg als Judenhasserin
diffamiert. Für die toten Palästinenser ist in dem Lied keineswegs Israel
verantwortlich, nein: „Zivilisten in Gaza sind Schutzschild der Hamas,
Schutzschild der Nachfahr'n der Juden-Vergaser“.
In einem direkt nach der jüngsten Kontroverse erschienenen
Spiegel-Interview äußert Danger Dan sich ebenfalls krude. Dort wird er
gefragt zu dem Konflikt um das Jugendzentrum „La Casa“ in
Berlin-Hellersdorf. [3][Wie die taz berichtete], versuchten
israelfreundliche Antideutsche dort politische Gegner zwangszuräumen und
das Haus zu besetzen, woraufhin sich die andere Seite (ebenfalls gewaltsam)
versuchte, die Besatzung zu beenden. Wohl mit Blick auf diese Gegenwehr
spricht Danger Dan im Interview von „Antisemiten, die linke Projekte
angreifen in ihrem Wahn“.
Auch Igor Levits Antifaschismus schlägt zwar bei Neonazis an, setzt aber
aus, wenn es um die Feldzüge der teils faschistischen israelischen
Regierung geht. Als jene Regierung gemeinsam mit den USA im Juni 2025 ihren
Angriffskrieg gegen den Iran begann, forderte Levit, die Bundesregierung
müsse jetzt „klar und eindeutig Position“ für Israel beziehen (ganz so, als
hätte es jemals daran gemangelt). Auch zur Zerstörung Gazas hört man Kritik
von Levit nur in den allerleisesten Tönen.
Zum Glück gab es andere, die sich gegen diese Kriege gestellt haben und
stellen. In einer weiteren Ironie waren unter ihnen überproportional viele
linke Jüdinnen und Juden, die natürlich ebenso erbarmungslos verprügelt und
gecancelt wurden – weil es hier nicht um den Schutz jüdischer Menschen
geht, sondern um die Wahrung und Herstellung eines politischen Konsenses,
der gegen Linke durchgesetzt werden muss.
Was an der Palästinabewegung durchexerziert wurde, wird sich in den
kommenden Jahren vermehrt auf das linksliberale Milieu ausweiten. Die harte
Repression durch AfD und autoritärere bürgerliche Parteien wird im
kulturellen Raum flankiert von ängstlicheren Institutionen, die Ärger und
Budgetstreichungen vermeiden wollen.
Die Zeiten werden härter, auch für noch so staatstragende Linke. Wie singt
Danger Dan in seinem neuen Lied? „Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur
halt etwas später.“
17 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Keine-Angst-von-Danger-Dan/!6197056
(DIR) [2] https://www.zdfheute.de/in-eigener-sache/die-anstalt-danger-dan-ausladung-keine-angst-100.html
(DIR) [3] /Linke-streiten-ueber-Nahost/!6194671
## AUTOREN
(DIR) Leon Holly
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