# taz.de -- Neue Umfrage: Viele Jüngere für „Nur Ja heißt Ja“ im Sexualstrafrecht
> 46 Prozent der Deutschen wünschen sich „Nur Ja heißt Ja“ im
> Sexualstrafrecht. Allerdings unterscheiden sich die befragten
> Altersgruppen sehr in ihren Ansichten.
(IMG) Bild: Der Bundesrat hat sich für „Nur Ja heißt Ja“ ausgesprochen, was tut nun die Bundesregierung?
dpa | Knapp jeder zweite Bundesbürger hielte es für richtig, wenn
[1][sexuelle Handlungen ohne ausdrückliches Einverständnis] in Zukunft
strafbar wären. Für einen Wechsel hin zum Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ im
Sexualstrafrecht sprachen sich in einer repräsentativen Befragung im
Auftrag der Deutschen Presse-Agentur 46 Prozent der Befragten aus. 32
Prozent der Teilnehmer der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov
befürworteten eine Beibehaltung des aktuell geltenden Grundsatzes „Nein
heißt Nein“. 22 Prozent der insgesamt 2.230 Menschen, die zwischen Freitag
und Montag an der Umfrage teilnahmen, trauten sich in dieser Frage kein
Urteil zu.
Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern fördert die Umfrage nicht
zutage. Einen Wechsel hin zu „Nur Ja heißt Ja“ fänden demnach 45 Prozent
der Männer und 46 Prozent der Frauen richtig. Eine signifikante Rolle
spielt dagegen das Alter. Von den Befragten im Alter zwischen 18 und 29
Jahren befürworteten 62 Prozent eine entsprechende Reform. Unter den
Bundesbürgern im Alter zwischen 30 und 49 Jahren sind es rund 12
Prozentpunkte weniger. Am niedrigsten ist der Anteil der Befürworter von
„Nur Ja heißt Ja“ unter den Menschen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren mit
37 Prozent.
## Länderkammer ist dafür
[2][Der Bundesrat hatte sich am Freitag vergangener Woche für die
Einführung des Grundsatzes „Nur Ja heißt Ja“ im Sexualstrafrecht
ausgesprochen]. Ein entsprechender Entschließungsantrag, der von Hamburg
und Mecklenburg-Vorpommern vorangetrieben wurde, fand in der Länderkammer
eine Mehrheit.
Nun steht es im Ermessen der Bundesregierung, ob sie den Vorschlag der
Länder aufnimmt. [3][Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ist
dafür]. In der Union gibt es allerdings noch bei einigen Politikern
Zweifel, ob dies der richtige Weg ist.
Im Juni hatte Hubig bereits angekündigt, für Jugendliche werde das Prinzip
des „Nur Ja heißt Ja“ auf jeden Fall kommen. Im Koalitionsvertrag von CDU,
CSU und SPD finden sich zwar einige Vorhaben zum Schutz von Frauen vor
Gewalt – etwa die elektronische Fußfessel für gewalttätige Ex-Partner. Eine
Änderung, wie sie nun der Bundesrat vorgeschlagen hat, ist dort aber nicht
erwähnt.
## Reform vor zehn Jahren
Bis 2016 sah das Sexualstrafrecht vor, dass der Täter das Opfer mit Gewalt,
beziehungsweise durch Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben oder unter
Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer dem Täter schutzlos ausgeliefert
ist, zu sexuellen Handlungen nötigt. Vor zehn Jahren wurde dann
entschieden, dass nicht länger ausschließlich Zwang, sondern der
entgegenstehende Wille der betroffenen Person im Mittelpunkt stehen solle.
Seither gilt das „Nein heißt Nein“-Modell.
Die Befürworter der weitreichenderen Lösung „Nur Ja heißt Ja“, die in
einigen anderen europäischen Staaten – darunter Schweden, Spanien,
Frankreich und Belgien – angewendet wird, sehen das Fehlen einer
freiwilligen, erkennbaren Zustimmung zu einer sexuellen Handlung als
zentrales Kriterium für deren Strafbarkeit. Sie verweisen auf Fälle, in
denen Opfer sexueller Übergriffe aufgrund von Angst oder psychischen
Ausnahmesituationen in einen Zustand der Handlungsunfähigkeit geraten und
daher weder Widerstand leisten noch aktiv widersprechen können. „In der
Praxis führt das dazu, dass tatsächlich nicht einvernehmliche sexuelle
Handlungen entweder nicht zur Anklage gelangen oder im gerichtlichen
Verfahren nicht hinreichend nachweisbar sind“, sagt Hamburgs
Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne).
## Zustimmung kann verbal oder mit Gesten erfolgen
YouGov hatte den Teilnehmern der Umfrage die Frage vorgelegt: „Im
Sexualstrafrecht gilt in einigen europäischen Staaten der Grundsatz „Nur Ja
heißt Ja“, bei dem eine aktive Zustimmung, verbal oder non-verbal verlangt
wird. In Deutschland muss das Opfer dagegen aktiv widersprechen – es gilt
das Prinzip „Nein heißt Nein“. Finden Sie den aktuell geltenden Grundsatz
richtig oder befürworten Sie eine Reform hin zu „Nur Ja heißt Ja“?“
## Teils große Unterschiede zwischen Anhängern einzelner Parteien
Blickt man auf die politischen Parteien, zeigt sich, dass die meisten
Unterstützer des Prinzips „Nur Ja heißt Ja“ unter denjenigen zu finden
sind, die angaben, zuletzt die Grünen gewählt zu haben. Drei von vier
Wählerinnen und Wählern der Partei halten es für zwingend, dass sich jemand
vor einer sexuellen Handlung versichert, dass diese auch gewollt ist. Auch
unter den Anhängern der Linkspartei sind die Befürworter einer solchen
Reform deutlich in der Mehrheit. Für die Wähler von SPD, CDU, CSU und FDP
haben die Meinungsforscher etwas niedrigere Werte ermittelt, die in etwa
dem gesamtdeutschen Durchschnitt entsprechen.
## AfD-Wähler sind besonders skeptisch
Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn man auf das BSW und die AfD blickt.
Nur gut jeder dritte BSW-Wähler und weniger als jeder dritte Wähler der AfD
spricht sich dafür aus, im Sexualstrafrecht von „Nein heißt Nein“ zu „Nur
Ja heißt Ja“ zu wechseln.
17 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-Resolution-beim-Sexualstrafrecht/!6170769
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