# taz.de -- Pferdewetten: Ja, wo laufen sie denn?
> Ohne Wetten läuft im Pferdesport wenig, aber der hat seine besten Jahre
> wohl hinter sich. Ein Besuch der Trabrennbahn Mariendorf in Berlin.
(IMG) Bild: Ein Hotspot für den Pferdesport, die Trabrennbahn Mariendorf in Berlin
Obwohl das erste Rennen noch eine Stunde hin ist, hat Hubertus Gasch seine
Aufgaben fast schon alle erledigt. Vor ihm, auf dem weißen Plastiktisch, an
dem er in der ersten Reihe mit bester Sicht auf die Rennbahn sitzt, liegen
neben einem kleinen Fernglas ein Kugelschreiber und ordentlich
aufeinandergelegte Papierblätter, auf denen es vor kleingedruckten Zahlen
nur so wimmelt. „Die Starterliste“, sagt Gasch. Wenn man an diesem Abend
hier auf der [1][Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf] die ein oder andere
Wette abschließen und dabei auch ein paar Euro gewinnen möchte, geht es
ohne diese Liste eigentlich nicht. Nur: Der Pferderennsport und das
Wettgeschäft sind eine Welt für sich, es geht um Quoten, Prognosen,
Wahrscheinlichkeiten. Und wer diese Liste durchdringt, ist ein Kenner.
Seit 1913 gehen [2][in Mariendorf Pferde an den Start]. Sie ziehen ein
zweirädriges Gespann, den Sulky, hinter sich, auf dem eine Fahrerin oder
ein Fahrer sitzt, und traben auf der 1.200 Meter langen Bahn um die Wette.
Die eigens dafür gezüchteten Pferde, Traber genannt, zeichnen sich dadurch
aus, dass sie auch bei hohem Tempo die gesamte Distanz im Trab bleiben
können. Wer dann doch aus Versehen in den Galopp fällt, wird
disqualifiziert. Und da wären wir auch schon beim Galopprennen, das mit
vielen populärkulturellen Bildern wohl die bekanntere Variante des
Pferderennsports ist mit den Jockeys, die halb hockend auf ihren Pferden
nach vorne preschen und von einer schicken Gesellschaft mit auffälligen
Hüten auf den Tribünen angefeuert werden.
Doch egal, ob getrabt oder galoppiert wird, um den Sport allein geht es
dabei nie. Sondern: ums Wetten. Um Geld.
Hubertus Gasch hat die Starterliste bereits ein paar Tage zuvor zu Hause
ausgedruckt, so wie er es immer tut. Er hat sie sorgfältig durchgesehen und
für jedes der acht Rennen an diesem Samstagabend in Mariendorf Kreuze neben
den Pferden gemacht, auf die er setzen will. Den Wettschein allerdings
füllt er erst kurz vor dem jeweiligen Rennen aus, für den Fall, dass er
sich doch noch umentscheidet. „Das Bauchgefühl muss stimmen“, sagt Gasch.
„Ob dein Pferd dann aber als erstes ins Ziel einläuft, ist am Ende immer
auch Glückssache.“
Auf die Frage, wann er sein erstes Trabrennen gesehen habe, lacht Gasch
nur. „Das ist lang her.“ Als Kind ging er jeden Sonntag mit seinem Vater
zur Trabrennbahn in Mariendorf, manchmal auch unter der Woche. An einem
Renntag traf man dort Leute aus der Nachbarschaft, die Kinder liefen auf
der Wiese rum, die Erwachsenen setzen ein paar Mark auf ihre Favoriten, man
fieberte mit und ging abends nach Hause. Bis heute hat sich das nicht groß
verändert: Ein Renntag ähnelt einem Volksfest, auf dem es für kleines Geld
Schrippen mit Bratwurst und Leberkäse gibt und die Kleinen auf der Hüpfburg
toben.
Und doch blickt Hubertus Gasch, vor kurzem 90 Jahre alt geworden, auf eine
kleine Ewigkeit zurück. Er kennt die Mariendorfer Rennbahn vor dem Zweiten
Weltkrieg und danach, ihren Glanz in den 1970er und 80er Jahren genauso wie
ihren Überlebenskampf nach der Wende. Er kennt die besten Tage, „als es so
voll hier war, dass man anderen auf die Füße getreten ist“, als man an den
Schaltern noch Schlange stehen musste, um eine Wette abzugeben. Und er
kennt die Jahre, in denen das Internet aufkam, so dass man gar nicht mehr
nach Mariendorf gehen muss, um die Rennen zu sehen und darauf zu wetten,
sondern das alles bequem von zu Hause aus machen kann am Rechner.
All das erzählt die Trabrennanlage in Mariendorf, das Gestern und das
Heute. Und man sieht der Anlage den Wandel der Zeit auch an: am etwas
abgeblätterten Glanz des mehrstöckigen Haupttribünenhauses, getragen von
schwerem grauem Beton und einer gläsernen Panoramafront zur Rennbahn hin.
Das, was vor ein paar Jahrzehnten als modern galt und dem heute ein
nostalgischer Retroflair anhaftet. Tische mit roten Plastiktischdecken,
dunkle Holzfässer als Stehtische, an den Wänden gerahmte Bilder der
Traber-Champions. Über die Monitore flimmern Quoten, Starterlisten und was
da draußen gerade auf der Rennbahn passiert.
„Dit hier ist unser Stammplatz“, Liane Gasch setzt sich neben ihren Mann
Hubertus, sie hat zwei Stück Kuchen besorgt, Käse und Apfel. Aus ihrem
Rucksack zieht sie eine Folie mit einem halben Dutzend rotweißer
Wettscheine. „Durch den hier“, sagt sie und stubst ihren Mann an, „bin ich
zum Trabrennsport gekommen.“ Sie leben schon lange in Berlin-Tempelhof,
weit bis nach Mariendorf haben sie es von dort nicht.
Inzwischen sind es nurmehr wenige Minuten bis zum ersten Rennen, die beiden
müssen ihre Wettscheine noch ausfüllen. „Wir gucken uns nicht gegenseitig
in die Karten“, sagt Liane Gasch, „muss jeder für sich entscheiden.“ Sie
selbst setzt eine Siegwette auf Pedro Beuckenswijk, so heißt das Pferd,
Startnummer 5. „Chancenvoll“ lautet die offizielle Vorhersage des Berliner
Trabrenn-Vereins, die vor dem Rennen ausgegeben wird. Hubertus Gasch greift
nun ebenfalls zu Kugelschreiber und Wettschein, er schwankt noch zwischen
Siegwette oder Platzwette – es wird ebenfalls die Siegwette mit 10 Euro auf
Victus, Startnummer 2, der Favorit unter den sieben Startern. Liane Gasch
sammelt die Wettscheine ein, zieht noch zwei Zehner aus ihrem Portemonnaie
und macht sich auf zu ihrem „Lieblingsmensch“, wie sie sagt: einem der
Mitarbeiter, der in einem Rondell die Wettscheine entgegennimmt.
Als Berlin noch geteilt war, ging man im Westen nach Mariendorf zum
Trabrennen, im Osten nach Karlshorst oder für Galopprennen knapp über die
Stadtgrenze im Brandenburgischen [3][nach Hoppegarten]. Diese beiden
Rennbahnen sind bis heute in Betrieb, wenn auch mit deutlich weniger
Renntagen als in Mariendorf. Liane und Hubertus Gasch schauen gelegentlich
auch dort vorbei, doch dasselbe Erlebnis sei es nicht. Das hat vor allem
mit den Leuten zu tun. In Hoppegarten seien „mehr so die Geldmenschen“, in
Karlshorst sei man „eher so unter sich“. Das offene Miteinander, sagt Liane
Gasch, finde sie halt nur in Mariendorf. Denn neben dem Spaß an den Rennen
steht für sie das Gesellige im Vordergrund. „Um das Geld geht es uns
nicht“, sagt auch Hubertus Gasch. Bei einer Prämienausspielung hätten sie
einmal 7.000 Mark gewonnen, ein einziges Mal sei das in dieser
Größenordnung vorgekommen. „Es gibt welche, die verwetten Hunderte Euro an
einem Abend“, sagt Liane Gasch. Sie spricht dann von „den Zockern“, zu
denen sie sich nicht zählt. „Wenn du mehrere Rennen hintereinander
verlierst, dann machst du den Geldbeutel zu und hörst auf“, steht auch für
Hubertus Gasch fest, das ist Teil seiner Wettpsychologie. Heißt: Spaß ja,
aber übertrieben wird nicht.
Dem Trabrennsport wird nachgesagt, traditionell die bodenständigere und
weniger exklusive Variante des Pferdrennsports zu sein. Man braucht keine
großen Scheine, um eine Wette zu platzieren: In Mariendorf geht das ab 2
Euro, auf anderen Rennbahnen sogar schon ab 50 Cent. Und wer sich an diesem
Samstagabend umsieht, entdeckt unter den wenig Hundert Gästen überwiegend
Menschen im Alter der Gaschs – Rentnerinnen und Renter – dazu einige
Familien und eine kleine Gruppe von Leuten um die 30. Ein Publikum mit
aufwendigen Hüten und extravaganten Kostümen sucht man vergeblich,
vertreten ist vielmehr der Typ Jeans und Karohemd.
„Es stimmt schon, dass sich der Trabrennsport eher die Mittelschicht
aussucht oder die Mittelschicht den Trabrennsport“, sagt auch Isabelle
Bucher, Betriebsleiterin der Trabrennban Mariendorf, am Telefon. „Wir haben
zum Beispiel viele Besucherinnen und Besucher, die im Handwerk tätig sind.
Uns ist wichtig, dass jeder mitmachen kann.“ Dass Galopprennen überwiegend
ein wohlhabendes Publikum anziehen, sei heute zumindest in Berlin nicht
mehr so ausgeprägt wie früher, sagt Bucher, die Besucherstruktur in
Mariendorf, Karlshorst und in Hoppegarten habe sich angeglichen.
Die Zeiten, in denen sich der Pferderennsport sein Publikum aussuchen
konnte, sind ohnehin lange vorbei. Beim Trabrennsport zeigt sich das noch
deutlicher als beim Galopprennsport. Von der tiefen wirtschaftlichen Krise
in den 1990er Jahren haben sich [4][nicht alle Rennbahnen erholt.] Viele
traditionsreiche mussten schließen, allein in Nordrhein-Westfalen sind
heute von neun nur noch zwei übrig.
Gründe für den Popularitätsverlust gibt es mehrere, manche davon lassen
sich mit dem normalen Lauf der Zeit erklären: der gesellschaftliche und
demografische Wandel, in Berlin und den östlichen Bundesländern kam die
Wende hinzu. „Das Angebot an Ausflugs- und Freizeitmöglichkeiten ist danach
immens gewachsen“, sagt Bucher, die Menschen fuhren an den Wochenenden
hinaus, wollten Neues entdecken. Und nicht nur die Besucherströme blieben
der Mariendorfer Rennbahn fern, sondern auch ein Großteil der Trainerinnen
und Trainer zogen mit ihren Pferden nach Brandenburg, wo es mehr Höfe und
Platz für die Tiere gab. Standen vor der Wende um die 900 Pferde in den
Ställen auf dem Gelände, sind es heute nur noch 21. Mehr Kapazitäten habe
die Anlage auch nicht, um sicherzustellen, dass „alle tierwohlgerecht
versorgt sind. Das ist uns auch sehr wichtig“, sagt Bucher. Mit seiner
Stadtrandlage hat es Mariendorf zudem schwer, mit Großveranstaltungen im
Berliner Zentrum zu konkurrieren.
Der Trabrennsport hat aber auch ein Nachwuchsproblem, in doppelter
Hinsicht: bei den Menschen, die den Sport professionell ausüben wollen, und
beim Publikum. Denn unter den regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern sind
nicht wenige, die familiär dem Sport verbunden sind, weil schon Eltern oder
Großeltern aktiv waren. Bei Isabelle Bucher ist das nicht anders. „Ich bin
reingeboren in den Trabrennsport, mein Vater war 45 Jahre lang
Trabrenntrainer in Mariendorf, ich bin selbst mit einem Trabrennfahrer
liiert“, erzählt sie. Mit der Nachwuchsförderung sei es allerdings
schwierig. Das liege nicht nur an der unzureichenden Förderung des Sports,
sondern auch daran, dass der Beruf als Fahrerin oder Fahrer sehr
zeitintensiv und körperlich anstrengend sei. „Man muss bereit sein, bei
Wind und Wetter, sieben Tage die Woche fürs Pferd da zu sein“, sagt Bucher.
Zudem kommen hohe laufende Kosten für die Unterbringung, Pflege und das
Training des Pferdes sowie für die vielen Reisen von Rennen zu Rennen, auch
auf internationaler Bühne.
Allein mit dem Trabrennsport lässt sich heute kaum noch ein breiteres
Publikum anlocken, das weiß auch Jürgen Saalfrank, Geschäftsführer der
Trabrennbahn Mariendorf. „Die Gastronomie muss stimmen, das Ambiente muss
stimmen, für jede Zielgruppe muss etwas dabei sein“, sagt er. „Wenn alle
einen schönen Tag hatten, am Abend zufrieden nach Hause gehen und
wiederkommen, dann haben wir einiges richtig gemacht.“ Wie viele große
Anlagen, die sich mit ihrem ursprünglichen Zweck wirtschaftlich nicht mehr
tragen, hat sich auch die Trabrennbahn zu einer Eventlocation entwickelt.
Sie ist moderner geworden, mit eigenem Cateringbetrieb, hellerem Licht und
Pastelltönen – zumindest gilt das in Mariendorf für das Teehaus und das
Stallcasino, Räumlichkeiten, die sich ein wenig abseits der Tribünen
befinden. Sie können für Hochzeiten, Geburtstage, Weihnachtsfeiern und
Firmenevents gemietet werden, an manchen Renntagen werden auch Führungen
über das Gelände, Probefahrten im Sulky und Ponyreiten für Kinder
angeboten.
Dass die wirtschaftliche Situation der Mariendorfer Rennbahn im
bundesweiten Vergleich einigermaßen stabil ist, verdankt sich wesentlich
ihrem Besitzer, dem Geschäftsmann Ulrich Mommert. Im Jahr 2004 kaufte er
das damals wirtschaftlich am Boden liegende Gelände. Mommert, der mit
seinem österreichischen Autozulieferunternehmen ein Vermögen verdiente, ist
dem Trabrennsport seit Langem verbunden, als Vizepräsident des
Hauptverbands für Traberzucht, als Besitzer zahlreicher Pferde und einst
aktiver Fahrer auf Amateurniveau.
Der Rennbahn in Mariendorf kommt außerdem zugute, dass es seit 1952
Austragungsort des prestigeträchtigen Deutschen Traber-Derbys ist, das auch
in diesem Jahr wieder [5][am ersten Augustwochenende startet] und sich auf
fünf Tage verteilt. Dann platzen nicht nur die Tribünen aus allen Nähten,
sondern es werden auch höhere Wettumsätze und Preisgelder in Höhe von
mehreren 100.000 Euro erreicht.
Doch die einschneidendste Veränderung für den Pferderennsport ist der
Aufstieg des Online-Wettmarkts, der sich in den frühen Nullerjahren
etablierte. Anders als Fußball, Tennis oder Eishockey lebt der
Pferderennsport vom Wettgeschäft. Doch was bedeutet das, wenn sich das
Wettgeschäft von der Rennbahn ins Internet verlagert?
„Es stimmt, dass die Wettumsätze weniger geworden sind, vor allem auf der
Bahn haben wir über die letzten Jahrzehnte einen deutlichen Rückgang
erlebt. Trotzdem bleiben sie für uns essenziell“, sagt Saalfrank. Von den
Erlösen werden in Mariendorf Preisgelder und Gewinnausschüttungen
finanziert.
„Wenn wir im Schnitt pro Rennen auf 10.000 bis 15.000 Euro Wettumsatz
kommen, liegt das im normalen Bereich“, sagt Saalfrank. An jenem
Samstagabend in Mariendorf liegt der Gesamtumsatz bei gut 81.000 Euro. Rund
ein Drittel davon wird auf der Bahn umgesetzt, zwei Drittel entfallen auf
Onlinewetten. Viel bleibt von den Wetteinnahmen für die Trabrennvereine
nicht übrig: Rund 70 bis 80 Prozent gehen als Gewinnausschüttungen an die
Wettenden, der Rest entfällt auf Wettsteuern, Wettanbieter und Rennvereine.
Klickt man sich durch Trotto, das Wettportal des Berliner Trabrennvereins,
oder Wettstar, wo sich Pferderennen nicht nur aus Mariendorf und
Karlshorst, sondern auch aus Paris, York, Kilbeggan, Delaware Park,
Charlottetown, Aarhus und vielen anderen Orten weltweit im Stream verfolgen
lassen, bekommt man ein Gefühl dafür, warum für viele der Weg zur Rennbahn
überflüssig geworden ist. Es braucht nur ein paar Mausklicks, die Wette ist
schnell mit der Karte oder PayPal bezahlt. Kein Anstehen am Kassenschalter,
kein Wettschein, den man ausfüllen und kein Bargeld, an das man denken
muss.
Wer trotzdem noch nach Mariendorf kommt, sucht etwas, das der Bildschirm
nicht liefern kann: das Erlebnis vor Ort. Auch die Gaschs schauen manchmal
auf diesen Portalen vorbei, „nur so zum Spaß“, wie Liane Gasch sagt. Am
Rennabend in Mariendorf, kurz bevor das erste Rennen losgeht, scrollt sie
über den Bildschirm ihres Handys. „Guck, ich hab in Schweden gewonnen“,
sagt sie und hält es ihrem Mann hin, dann packt sie es wieder weg und
blickt nach vorne auf die Rennbahn.
Wie klein der Pferdewettmarkt im Vergleich zu den Sportwetten ist, zeigen
die Zahlen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Der gesamte
deutsche Glücksspielmarkt erreichte im Jahr 2025 Bruttospielerträge von
rund 14,4 Milliarden Euro. Etwa 1,9 Milliarden Euro entfielen auf
Sportwetten, die überwiegend online abgeschlossen wurden. Pferdewetten
kamen dagegen lediglich auf rund 40 Millionen Euro, die Hälfte davon im
Internet.
Summen in schwindelerregender Höhe dürften in den offiziellen Statistiken
erst gar nicht auftauchen, weil sie bei illegalen Wettanbietern umgesetzt
werden. Die GGL schätzt, dass rund ein Viertel des Glücksspielmarktes
illegal ist, der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) spricht hingegen von
rund der Hälfte. Besonders deutlich dürfte das beim Fußball werden, der den
Sportwettenmarkt weltweit dominiert. Allein für die gerade zu Ende
gegangene Fußball-Weltmeisterschaft rechnete der DSWV [6][mit
Wetteinsätzen] von rund einer Milliarde Euro in Deutschland, von denen rund
300 bis 400 Millionen Euro bei illegalen Anbietern landen könnten. Würde
man den Blick global weiten, bewegt sich das Geschäft mit Sportwetten
längst im Milliardenbereich. Um den Sport geht es dabei gar nicht mehr,
sondern nur noch um Geschäft.
In Mariendorf scheint an jenem Samstagabend die Welt noch in Ordnung.
Pünktlich um 18 Uhr traben die sieben Pferde mit ihren Sulkys und Fahrern
los, der Start ist leise, ohne viel Getöse, dann schallt die Stimme des
Rennmoderators durch die Lautsprecher. Hubertus Gasch zückt sein Fernglas,
um zu sehen, ob Victus tatsächlich vorne liegt. Dann nähern sie sich dem
Ziel. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Victus, Pedrus und Very Hot
Pants.
Nach zwei Minuten und 20 Sekunden ist das Rennen vorbei: Victus hat
gewonnen. Hubertus Gasch hatte recht.
1 Aug 2026
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