# taz.de -- Absetzung des ungarischen Präsidenten: Rabiate Räumungsaktion in Ungarn
> Ungarns Regierungschef Péter Magyar will den Orbán-getreuen
> Staatspräsidenten Sulyok absetzen. Dafür wurde extra die Verfassung
> geändert.
(IMG) Bild: Einer geht, einer kommt: Ungarns Nochpräsident Tamás Sulyok gratuliert Regierungschef Péter Magyar am 9. Mai zu dessen Wahlerfolg
Ungarns neuer Regierungschef Péter Magyar macht Ernst: Das Parlament in
Budapest hat am Donnerstag eine Verfassungsänderung gebilligt, die die
unverzügliche Absetzung von Staatspräsident Tamás Sulyok möglich macht.
Zudem ist die Mandatsdauer von Abgeordneten künftig auf zwölf Jahre
beschränkt.
Für Verfassungsrichter gilt eine Altersgrenze von 70 Jahren. Für die
Vorlage stimmten 139 Parlamentarier*innen, 6 dagegen. Die
Vertreter*innen der oppositionellen Partei Fidesz des früheren
Regierungschefs Viktor Orbán, die mit der Christdemokratischen Volkspartei
(KDNP) eine Fraktion bildet, boykottierten die Abstimmung.
„Es wäre ein Verrat an der ungarischen Nation, wenn wir diese Verfassung
nicht antasten würden.“ Die Partei Tisza habe eine klare
Zweidrittelmehrheit erhalten, um dieses System zu zerschlagen, sagte Magyar
vor der Abstimmung. Die Fidesz und die KDNP hingegen bezeichneten die
Verfassungsänderung als in Europa beispiellos und protestierten gegen die
Beschränkung der Mandatsdauer von Abgeordneten auf zwölf Jahre.
Der Fraktionschef der Fidesz, Gergely Gulyás trat am Montag von seinem
Posten zurück. Viktor Orbán bestieg einen Flieger in die USA, um sich die
verbleibenden Spiele der Fußball-WM anzuschauen. „Viktor Orbán hat seine
eigene Gemeinschaft im Stich gelassen, Gergely Gulyás hat das sinkende
Schiff verlassen und ist zurückgetreten. Die Blase ist nun endgültig
geplatzt. Es ist vorbei“, postete Magyar auf Facebook.
## Zentrales Versprechen
Mit der Hinterlassenschaft der Orbán-Regierung aufzuräumen und grundlegende
Reformen einzuleiten, war ein zentrales Versprechen Magyars gewesen. Seine
Partei Tisza war bei der Wahl am 12. April 2026 auf eine
Zweidrittelmehrheit der Stimmen gekommen. Jedoch gehen die Meinungen
darüber, wie dieser Wandel vollzogen werden soll, auseinander.
„Auch wir sind der Ansicht, dass Präsident Sulyok des Amtes unwürdig ist“,
sagte Aron Demeter, Kommunikationsleiter von Amnesty International Ungarn
dem Nachrichtenportal Birn. „Aber es kommt auch darauf an, wie er des Amtes
enthoben wird.“ Wenn die neue Regierung mit den Methoden des Orbán-Regimes
brechen wolle, sollte sie nicht in die Falle tappen, dieselben Methoden
anzuwenden, so Demeter.
Magyar hatte den gegenüber Orbán loyalen Sulyok mehrfach aufgefordert,
seinen Posten zu räumen, doch dieser hatte das stets abgelehnt. Sulyok hat
jetzt fünf Tage Zeit, um die Verfassungsänderung zu unterzeichnen. Tut er
das nicht, wird Magyar ein Amtsenthebungsverfahren im Parlament gegen ihn
einleiten. Beobachter*innen gehen davon aus, dass sich Sulyok wehren
wird. Beispielsweise könnte er das Verfassungsgericht einschalten.
14 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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