# taz.de -- Klaus Siekmann geht in Rente: Er sicherte ab, wo andere Muffensausen bekamen
> Bei heiklen Recherchen spielen Medienjustiziare eine oft hintergründige,
> aber wichtige Rolle. Ein bedeutender verabschiedet sich nun in den
> Ruhestand.
(IMG) Bild: Ohne sie geht nichts, auch beim NDR: Justiziare wirken an entscheidender Stelle im Hintergrund
Weltweit 156 identifizierte Opfer und Täter, 113 Ermittlungsverfahren, 57
Festnahmen – das ist die bisherige Bilanz einer internationalen
Polizeioperation gegen ein weltweit organisiertes Vergewaltiger-Netzwerk.
Anfang Juli informierte die britische National Crime Agency (NCA) in London
über den Stand der Operation Medusa, an der Ermittler*innen aus
Deutschland, Großbritannien, Kanada, USA, Brasilien, Frankreich, Ungarn,
den Niederlanden und Spanien beteiligt sind.
Über Jahre haben Mitglieder des Vergewaltiger-Netzwerkes Frauen betäubt und
vergewaltigt. Meistens handelte es sich um ihre eigenen Partnerinnen. Dabei
filmten sie ihre Taten und teilten sie in speziellen Chatgruppen. Zum Teil
stellten sie die Videos auch auf öffentlich zugängliche Websites.
Dass das Vergewaltiger-Netzwerk überhaupt aufflog, lag aber nicht an der
Ermittlungsarbeit der Polizei, sondern an zwei NDR-Journalistinnen. Isabell
Beer und Isabel Ströh hatten seit 2022 zunächst für das
[1][Funk-Rechercheformat STRG_F] über sexuelle Gewalt im Netz recherchiert
und den Behörden entscheidende Hinweise geliefert. Ihre Rolle würdigte auch
die NCA, mit britischem Understatement: „Ihre Beharrlichkeit hatte
zweifellos konkrete Auswirkungen auf die Betroffenen dieser entsetzlichen
Verbrechen“, so der stellvertretende NCA-Direktor, Nigel Leary. „Kann man
diese Formulierung vielleicht nochmal dringend überdenken?“, fragt die
Mitbewohnerin.
Bei riskanten Recherchen dieser Preisklasse spielen auch die Justiziariate
der beteiligten Medienunternehmen meistens eine mehr als wichtige Rolle.
Wenn die aber Muffensausen bekommen, raten sie gerne mal vom Thema ab. So
manche Jurist*in sieht seine/ihre Aufgabe eher darin, juristische Risiken
vom Unternehmen abzuwenden oder den Aufwand fürs Justiziariat möglichst auf
null zu drücken.
## Der Mann mit der Fliege
Gerade die ohnehin unter wirtschaftlichem Druck stehenden
Zeitungsredaktionen gelten hier als besonders gefährdet. Aber auch bei den
Öffentlich-Rechtlichen gibt es nicht nur „Ermöglicher*innen“, sondern immer
noch Verhinder*innen. Weshalb hier einem der ganz großen Ermöglicher ein
Kränzlein gebunden werden soll. Auch er kommt vom NDR, und jedeR, der
jemals bei einer Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche (NR) in einem der
Workshops zu Presse- und Auskunftsrechten war, kennt den Mann mit der
Fliege.
Klaus Siekmann hat über 30 Jahre lang Recherchen von „Panorama“ bis STRG_F
nicht nur ermöglicht und abgesichert, sondern quasi mitgemacht. Immer mit
dem Ziel, herauszuholen, was geht. Hohe Risiken hat er dabei in Kauf
genommen und Generationen von Journalist*innen beigebracht, wie
Verdachtsberichterstattung geht, ohne hinterher auf die Mütze zu kriegen.
Sein Cello hatte da oft das Nachsehen. Aber soll es uns froh stimmen, dass
das Mitglied des Hamburger Haydn-Quartetts jetzt mehr Zeit für Musik hat?
Anfang Juli, als die NCA die NDR-Recherchen ehrte, begann sein Ruhestand.
Vielen Dank, alles Gute – und spätestens bis zur NR-Konferenz im nächsten
Jahr, Klaus!
14 Jul 2026
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(DIR) [1] https://play.funk.net/channel/strgf-11384
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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