# taz.de -- Jahrestag des Massakers von Srebrenica: Gefährliches Gedenken
> Am internationalen Tag des Gedenkens an das Massaker von Srebrenica wird
> der serbische Schriftsteller Vladimir Arsenijević in Belgrad überfallen
> und bedroht.
(IMG) Bild: Vladimir Arsenijević
Wer in Serbien an das [1][Massaker von Srebrenica] erinnern will, lebt
gefährlich. Der serbische Schriftsteller Vladimir Arsenijević wurde in
Belgrad am internationalen Gedenktag, dem 11. Juli, von einer Gruppe Männer
zusammengeschlagen.
Die Männer hatten dem Schriftsteller an dem Ort aufgelauert, an dem der
Schriftsteller mit einer kleinen Gruppe einige Stunden später mit
Transparenten an das Massaker in der bosnischen Stadt erinnern wollte, bei
dem über 8.300 bosnische Muslime, zumeist Männer, getötet wurden.
Am 11. Juli 1995 war die bosnische Stadt, die eine „UN-Schutzzone“ für
Geflüchtete aus anderen Gebieten Bosniens war, vom bosnisch-serbischen
General Ratko Mladić mit seinen Truppen und Milizen erobert worden. Die
niederländischen UN-Soldaten hatten kein Mandat, ihre Schutzbefohlenen mit
Waffen zu verteidigen, und schauten dabei zu, wie Tausende, meist Männer
und Jungen, mit Bussen abtransportiert wurden. Sie wurden erschossen und in
Massengräbern verscharrt.
Der Internationalen Gerichtshof in Den Haag klassifiziert das Massaker als
Genozid. General Mladić wurde in Den Haag zu einer lebenslangen Haftstrafe
verurteilt.
Über 30 Jahre nach Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien gibt es bis
heute vom offiziellen Serbien [2][keinerlei Bekenntnis zur Verantwortung]
hinsichtlich der Kriege und Kriegsverbrechen in Bosnien, geschweige denn
[3][zum Massaker in Srebrenica.]
Die 2024 [4][beschlossene UN-Resolution], die den 11. Juli zu einem
internationalen Tag des Gedenkens an das Massaker von Srebrenica machte,
wurde von Serbien heftig bekämpft.
Aber nicht nur die serbische Regierung schweigt zu Srebrenica. Auch in der
Zivilgesellschaft wie unter den protestierenden Student*innen ist die
Erinnerung an das Massaker kein großes Thema.
Der Schriftsteller Arsenijević [5][schätzt den Angriff auf ihn als gezielt]
ein. „Das war keine spontane Handlung.“ Er erzählt, wie Männer mit
schwarzen Hemden und Kappen ihn am Samstag umzingelt hatten, als er an dem
Ort, wo das Gedenken hätte stattfinden sollen, aus einem Taxi gestiegen
sei. Er sei körperlich und verbal bedroht und schließlich mit Fäusten
geschlagen worden. Anschließend hätten sie ihm gesagt, dass er sich auf
Schlimmeres gefasst machen müsse und er ganz oben auf der Liste stehe.
Der Platz unter der Brankovbrücke, wo das Gedenken hätte stattfinden
sollen, sei von den jungen Männern verwüstet worden, die Graffiti wie
„Ratko Mladić, serbischer Held“ und die Namen rechtsradikaler Gruppen wie
„451“ und „Narodna Patrola“ (Volkspatrouille) auf die Mauern gesprayt
hätten. Die Gedenkveranstaltung wurde danach abgesagt.
Arsenijević ist nicht nur als Schriftsteller seit über 30 Jahren bekannt
für seine Kritik an den autoritären und nationalistischen serbischen
Regimen von Slobodan Milošević bis zum heutigen Präsidenten Aleksandar
Vučić. Arsenijević’ Roman „[6][Cloaca Maxima]“ war ein Bestseller und ist
auch ins Deutsche übersetzt. Der in Belgrad lebende Autor und Aktivist
organisiert dort seit 2009 das [7][Literatur- und Debattenfestival
Krokodil], dessen Mitarbeiter schon mehrfach Zielscheibe verbaler und
körperlicher Angriffe wurden.
Als politischer Kolumnist machte sich Arsenijević bereits in den 1990er und
2000er Jahren einen Namen, wurde aber wie alle anderen kritischen Stimmen
von den großen Zeitungen und Plattformen des Landes nach und nach verbannt.
Der Autor bleibt aber nicht nur in seinem Land eine aktive kritische Stimme
gegen Verantwortungslosigkeit, Korruption und Nationalismus. So sammelt er
beispielsweise auch regelmäßig Sach- und Geldspenden für die Ukraine und
fährt diese mit Lkws selbst in das von Russland überfallene Land.
Verbale und körperliche Drohungen kennt Arsenijević seit Langem. Dass sie
politisch motiviert sind, daran besteht kaum ein Zweifel. Die Ermittlungen
führten aber bisher nie zu den Tätern.
13 Jul 2026
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(DIR) [7] https://www.krokodil.rs/eng/
## AUTOREN
(DIR) Doris Akrap
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