# taz.de -- Ebola-Ausbruch in der DR Kongo: „Eine würdige und sichere Beerdigung ist wichtig“
> Hans-Jörg Lang ist als Arzt im kongolesischen Ebolagebiet im Einsatz. Er
> versorgt infizierte Schwangere und Kinder. Ein täglicher Kampf ums
> Überleben.
(IMG) Bild: Transparente Zelte ermöglichen infizierten Kindern den Kontakt zu Eltern und Ärzt*innen
taz: Herr Lang, Sie arbeiten als Kinderarzt im kongolesischen Ebolagebiet.
Inwiefern sind Kinder denn besonders vom Virus betroffen?
Hans-Jörg Lang: Ungefähr 20 bis 30 Prozent der Infizierten sind Kinder und
Jugendliche unter 18 Jahren. Vor allem Kleinkinder stecken sich meist über
den Kontakt mit der Mutter an. Das Problem ist, dass ihre Symptome zu
Beginn sehr unspezifisch sind. Erwachsene und Schulkinder haben Fieber,
Muskelschmerzen, Kopfweh. Aber bei Kleinkindern äußert sich die
Ebolainfektion unspezifisch: Sie fühlen sich unwohl, essen und trinken
nicht richtig. Für Eltern ist es schwierig, zu unterscheiden, ob das jetzt
Ebola oder doch [1][Malaria] ist. Da gibt es dann viele Verzögerungen. Je
später die Patienten zur Behandlung kommen, desto eher erleiden sie
multiples Organversagen, und das Sterberisiko ist deutlich höher.
taz: Was passiert, wenn eine Mutter mit einem kranken Kind bei Ihnen
ankommt und Hilfe sucht?
Lang: Den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge müssen wir
eigentlich Mutter und Kind trennen und separat auf das Virus testen. In der
Praxis ist das oft schwierig, weil wir gar nicht die Kapazität haben, das
Kind Tag und Nacht zu betreuen. Vor allem am Anfang mussten wir
improvisieren. Aber wir verbessern derzeit die Einrichtungen, indem wir
transparente Plexiglaszelte haben, durch welche ich als Arzt – ohne in den
Schutzanzug zu steigen – die Patient*innen sehen und schneller
reagieren kann, wenn sich ihre Lage verschlechtert. Damit kann man auch die
Behandlung kindgerecht gestalten. Wenn die Kinder mich in diesem
Schutzanzug sehen, dann haben sie oft zunächst sehr viel Angst. Aber ich
bin unglaublich davon beeindruckt, dass diese Angst nach einer Zeit
wegfällt. Die Kinder kommen, wenn sie wieder munter sind, auf einen zu und
wollen in den Arm genommen werden. Das ist sehr berührend.
taz: Was passiert mit Kindern, die von ihren Eltern getrennt werden müssen?
Oder deren Eltern schon gestorben sind?
Lang: Wir haben einige Kinder, die einen unkomplizierten Verlauf haben und
in einem Zimmer gemeinsam untergebracht waren, als wir nicht viel Platz
hatten. Im Zimmer war auch eine Mutter mit einem Kleinkind, und sie hat
sich um sechs andere Kinder gekümmert. Nach einer Zeit waren die eigentlich
ganz gut drauf. Die Kinder haben sich immer auf unseren Besuch gefreut,
trotz der Schutzanzüge. Wir hoffen, dass wir in Zukunft mehr kindgerechte
Einrichtungen aufbauen können. Unser Wunsch ist ein Kindergarten für
Kinder, deren Angehörige bei uns behandelt werden, die aber selbst keine
Symptome haben; aber auch für die Kinder, deren Eltern leider gestorben
sind, oder für Kinder, die geheilt sind, aber sich noch erholen. Wie beim
Ausbruch im Kongo von 2018 bis 2020 werden Überlebende, die geheilt sind,
angeheuert, um sich um diese Kinder zu kümmern.
taz: Gegen diese Variante von Ebola gibt es keinen Impfstoff und keine
zugelassenen Medikamente. Wie können Sie den Kindern überhaupt helfen?
Lang: In der Behandlung der Symptome hat sich seit dem Ausbruch in
[2][Westafrika von 2011 bis 2014] sehr viel getan. Bei Atemproblemen können
wir Sauerstoff geben. Der Flüssigkeitsausgleich ist essenziell, wenn Kinder
sich erbrechen oder Durchfall haben. Wir geben auch Bluttransfusionen.
Hinzu kommt, dass wir ja in einem Malariagebiet sind, sprich: Oft haben die
Kinder noch Malaria oder andere Infektionen, die wir mitbehandeln. Wenn wir
das optimal machen und wenn Patienten früh zu uns kommen, dann haben viele
Kinder eben doch eine Überlebenschance.
taz: Was sind für Sie die größten Herausforderungen?
Lang: Schwangere Frauen haben ein relativ hohes Risiko, schwer zu
erkranken, fast ein Drittel überlebt es nicht. Das Risiko einer Fehlgeburt
ist enorm, ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby infiziert ist, wenn
es lebend auf die Welt kommt. Oftmals sind das Frühgeburten. In den letzten
Wochen haben in unseren Behandlungszentren aber einige Neugeborene mit
niedrigem Geburtsgewicht auf die Welt gebracht und auch die Mütter haben
durch eine gute Behandlung überlebt – ein schönes Erlebnis für unser Team
und ein Lichtblick.
taz: Dieser Einsatz fordert viel von Ihnen und Ihren Kolleg*innen …
Lang: Ich bin in der Millionenstadt Bunia in einem Hotel untergebracht.
Meine Organisation Alima unterhält hier in einem der Krankenhäuser ein
Ebolazentrum mit 60 Patient*innen, von denen die Hälfte positiv ist. Wenn
ich da morgens ankomme, müssen wir als Team zunächst erst einmal viel
organisieren: Gibt es genügend Schutzkleidung, Medikamente, gibt es Strom,
um Sauerstoffgeräte einzusetzen? Und so weiter. Die Hauptarbeit wird von
kongolesischen Kollegen durchgeführt. Ich bin als Arzt oft nur der
Supervisor und Trainer. Ich schlüpfe dann in diesen Schutzanzug, um die
Patienten zu begutachten, vor allem die schweren Fälle. Eigentlich sollte
man sich darin nur eine Stunde aufhalten, aber oft werden es zwei oder
drei. Seitdem wir die transparenten Zelte haben, kann ich aber die
Patienten viel besser kontinuierlich im Blick behalten und bei
Komplikationen reagieren. Das alles erhöht die Überlebenschancen.
taz: Sie arbeiten in einem Kriegsgebiet. Wie macht sich das in Ihrem Alltag
bemerkbar?
Lang: In den letzten Wochen war ich viel unterwegs, weil Alima auch in
abgelegenen Orten wie nun in Nizi Zentren aufbaut, 30 Kilometer entfernt.
Es gibt sehr viele Checkpoints des Militärs. Ich hatte bislang kein großes
Unsicherheitsgefühl, und es ist uns glücklicherweise bislang nichts
passiert.
taz: Wie reagiert die Bevölkerung, wenn Sie in einem Dorf ankommen?
Lang: Die Bevölkerung ist teilweise skeptisch. Aber wenn wir dann vor Ort
mit den Familien in Kontakt kommen, dann ist der Empfang eigentlich sehr
freundlich. Viele Familien übernachten in der Umgebung eines
Behandlungszentrums, wenn sie Angehörige und vor allem Kinder bei uns
haben. Sobald wir die transparenten Zelte aufgestellt haben, können die
Familien die Kinder sehen und auch mit ihnen sprechen. Das verbessert den
Zustand der Kinder ungemein. Wir wollen in Zukunft auch Zelte für die
Familien aufbauen, damit sie in der Nähe untergebracht werden können.
taz: Was passiert, wenn Patient*innen sterben?
Lang: Eine würdige und sichere Beerdigung ist ganz wichtig. Dafür haben wir
Verfahren und Teams. Der Körper wird gewaschen und desinfiziert und dann
aufgebahrt, damit die Familien sich durch das Plexiglas verabschieden
können. Denn danach kommt er in einen Sack und wird verschnürt in einen
Sarg gelegt. Die Teams gehen dann mit dem Sarg mit den Familien nach Hause,
um die Bestattung nach ihren Ritualen, aber sicher durchzuführen.
taz: Wie lange werden Sie noch im Kongo bleiben?
Lang: Ich reise Ende Juli ab, wobei die Quarantänebestimmungen noch nicht
ganz klar sind. Es ist Zeit für mich. Ich habe sechs Wochen durchgearbeitet
und bin müde. Aber ich werde wiederkommen, denn die Prognosen sagen, dass
der Ausbruch bis 2027 anhalten wird. Selbst wenn alles vorbei ist, müssen
wir im Kongo das Gesundheitssystem unterstützen, um zukünftige Ausbrüche zu
vermeiden.
25 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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