# taz.de -- Antike Rollenbilder: Ägyptische Prinzessinnen kämpften mit Dolch, Pfeil und Bogen
> Nicht nur Schmuck lag in den antiken Grabstätten, sondern auch Waffen.
> Neue Untersuchungen zeigen, dass sie wohl weit mehr waren als
> Grabbeigaben.
(IMG) Bild: Eine Pyramide in der 4.000 Jahre alten Dhaschur-Nekropolis
Etwa vierzig Kilometer südlich von Kairo liegt die rund 4.000 Jahre alte
Dhaschur-Nekropolis, ein Komplex mehrerer Pyramiden und Grabstätten. Ende
des 19. Jahrhunderts entdeckten [1][Archäolog*innen] dort sechs
königliche Mumien – fünf Prinzessinnen und ein König. Neben Schmuck und
Zeptern waren alle Gräber auch mit Waffen ausgestattet. Darunter Dolche,
Pfeile und Bögen. Ursprünglich wurde vermutet, dass es sich um symbolische
Gaben handelt, als Schutz und Geleit für ein Leben nach dem Tod.
Doch ein [2][Team um die ägyptische Archäologin Zeinab Hashesh stellte nun
fest], dass die ägyptischen Prinzessinnen bereits zu Lebzeiten im Umgang
mit diesen Waffen geschult waren.
## Die Studie
Skelette passen sich über das Leben hinweg den Aktivitäten eines Menschen
an. [3][Anhand der Knochen können Forschende deshalb das Leben einer Person
so bis zu einem gewissen Grad rekonstruieren]. Bei den Dhaschur-Mumien
konnten die Forschenden so feststellen, welche Gliedmaßen und Muskeln die
Prinzessinnen und der König besonders häufig nutzten. Bei allen Skeletten
fanden sich Spuren von kräftigen Muskelansätzen an den Oberkörpern,
Unterarmen und Händen. Also Indizien dafür, dass die Prinzessinnen
körperlich sehr fit und aktiv waren und bestimmte Waffen regelmäßig
nutzten.
Am Skelett von Prinzessin Noub-Hotep waren die Handknochen ein wichtiges
Indiz für den Umgang mit Waffen. Ihr zweiter Mittelhandknochen, der den
Zeigefinger stützt, zeigte eine eindeutige Krümmung. Dies ist ein Zeichen
dafür, dass Noub-Hotep die Hand für anstrengende Bewegungen nutzte – wie
etwa für das Greifen und Halten einer Bogensehne. Diese Erkenntnis deckt
sich mit dem Fund eines Bogens in ihrer Grabstätte.
Die Untersuchungen zeigen zudem, dass die Prinzessinnen während ihres
Lebens mehrere Verletzungen erlitten. Am Skelett von Prinzessin Itaweret,
die im Alter zwischen 20 und 34 verstarb, konnten die Forschenden gut
verheilte Brüche der Rippen und Fußknochen feststellen. Die Verletzungen
kamen wahrscheinlich durch Stürze oder harte Schläge zustande, die Itaweret
möglicherweise bei der Jagd oder bei militärischen Übungen erlitt.
## Was bringt’s?
Hasheshs Team legt den Fokus auf die Lebensrealitäten der ägyptischen
Prinzessinnen aus der zwölften Dynastie, anstatt sich lediglich auf Schmuck
und Grabbeigaben zu fokussieren. Die so gewonnenen Erkenntnisse rücken das
Bild der adeligen Frau und ihrer Rolle in der Gesellschaft zu dieser Zeit
in ein neues Licht.
Ein Leben in der Elite war für Frauen demnach härter und fordernder als
bislang angenommen. Sie hatten keinen rein häuslichen Alltag, sondern waren
ebenso fit, fähig und kampferprobt wie die männlichen Mitglieder der
Königsfamilien.
30 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Aegyptologe-ueber-Ausgrabungen-in-Kairo/!5889100
(DIR) [2] https://www.frontiersin.org/journals/environmental-archaeology/articles/10.3389/fearc.2026.1844402/full
(DIR) [3] /Knochen-die-Geschichte-schreiben/!1556017/
## AUTOREN
(DIR) Evke Bakker
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