# taz.de -- Bauernhof-Effekt: Kuhrülpser senken das Allergierisiko von Kindern
> Kinder in bäuerlicher Umgebung bekommen seltener Asthma, Heuschnupfen
> oder Allergien. Eine neue Studie findet erstmals die verantwortlichen
> Bakterien.
(IMG) Bild: Aufwachsen mit dem Bauernhof-Effekt: Kinder im bayrischen Lenggries
Forschende nennen es den Bauernhof-Effekt: Wachsen Kinder in einer
bäuerlichen Umgebung auf, bekommen sie deutlich seltener Asthma,
Heuschnupfen oder Allergien als zum Beispiel Kinder aus Städten. Studien
weltweit haben diesen Unterschied bestätigt. Die ganz genauen Gründe waren
aber bisher nicht geklärt.
[1][Die langjährige Hypothese]: Wenn Kinder auf Höfen mehr mit Umweltkeimen
konfrontiert sind und ihr Immunsystem dadurch trainiert wird, läuft es
weniger Gefahr, später zum Beispiel harmlose Blütenpollen als gefährlichen
Feind zu sehen, wie das etwa bei Heuschnupfen der Fall ist. [2][Welche
Bakterien es aber genau sind], die vor Allergien und Asthma schützen,
konnten Forschende nun zum ersten Mal in einer Studie identifizieren.
## Die Studie
Markus Ege, Professor für Epidemiologie an der
Ludwig-Maximilians-Universität in München, leitete das internationale
Forschungsteam, das seine Ergebnisse [3][in der Fachzeitschrift New England
Journal of Medicine veröffentlichte]. Grundlage der Studie waren Daten von
über 1.000 Kindern aus europäischen Studien, die 2006 und 2007 in
ländlichen Regionen durchgeführt wurden.
Die Forschenden untersuchten Staubproben von ihren Matratzen und
Nasenabstriche. Bei 47 Bauernhofkindern analysierten die
Wissenschaftler*innen außerdem Staubproben aus deren Kuhställen. Dabei
notierten sie, welche Mikroben, also Bakterien und Pilze, in den Proben
vorkommen. „Wir haben die Bakterien voneinander unterschieden und
untersucht, welche wie stark mit dem Bauernhof-Effekt zusammenhängen“, sagt
Studienleiter Markus Ege.
Dabei sind die Forschenden auf die sogenannten grampositiven Bakterien
gestoßen. Solche Erreger kommen unter anderem im Magen-Darm-Trakt von Kühen
vor, wo sie beim Zersetzen des Futters helfen. Währenddessen entstehen
Moleküle, die die Kühe durch Rülpsen oder Pupsen in die Luft abgeben. Die
Kinder wiederum atmen diese Stallluft ein. Rezeptoren auf den menschlichen
Atemwegszellen erkennen die Bakterien dann. Die Wissenschaftler*innen
vermuten, dieses Zusammenspiel verhindert, dass das menschliche Immunsystem
übermäßig reagiert.
## Was bringt’s?
Forschende im Labor können die neuen Erkenntnisse nutzen, um die
molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts genauer zu
entschlüsseln. Das lässt darauf hoffen, dass sie ein Medikament entwickeln
können, das den Bauernhof-Effekt nachahmt, ohne dass Kinder Zeit im
Kuhstall verbringen müssen.
Zahlen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind in Deutschland 4 Prozent der
Kinder im Alter von drei bis vierzehn Jahren [4][von Asthma betroffen].
Laut Forscher Markus Ege könnte ein künftiges Medikament möglicherweise
auch vorbeugend eingesetzt werden. Ob das wirklich funktioniert, wird aber
erst in mehreren Jahren klar sein − so lange dauert die Entwicklung neuer
Medikamente.
11 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Uebertriebene-Hygiene/!814585/
(DIR) [2] https://www.lmu-klinikum.de/newscenter/pressemitteilungen/der-bauernhof-effekt-so-klar-wie-nie-zuvor/e1c2b58a3f6fc69d
(DIR) [3] https://evidence.nejm.org/doi/full/10.1056/EVIDe2600190
(DIR) [4] /Chronisch-kranke-Kinder/!5793075
## AUTOREN
(DIR) Marlene Thaler
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