# taz.de -- Kommission zur Schuldenbremse: Kompromiss dringend gesucht
> Die Regierungskommission zur Reform der Schuldenbremse findet keine
> Lösung, die die Koalition zusammenbringen würde. Nun wird es noch
> komplizierter.
(IMG) Bild: Diese Sache mit den Schulden: Kopf zerbrechen auch bei Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD)
Ohne einen praktikablen Kompromiss vorzulegen, beendet die
Regierungskommission zur Modernisierung der [1][Schuldenbremse] ihre
Arbeit. Die PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen präsentieren
stattdessen drei unterschiedliche Ansätze.
Auf Basis einer Verabredung im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD war
die 15-köpfige Kommission vor knapp einem Jahr gestartet. Unter dem
gemeinsamen Vorsitz der Regierungskoalition berieten WissenschaftlerInnen,
deren Konzepte jeweils einer der drei Parteien gefallen. Der Auftrag
bestand darin, ein Modell vorzuschlagen, das gleichzeitig stabile Finanzen
und eine ebensolche wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht.
Denn die gegenwärtige Schuldenbremse im Grundgesetz legt fest, dass sich
Bund und Länder im Prinzip nur mit 0,35 Prozent im Verhältnis zur
Wirtschaftsleistung jährlich zusätzlich verschulden dürfen. Ausnahmen sind
allerdings möglich. Bei normalen Verhältnissen bis zur Corona-Pandemie
waren so gut 10 Milliarden Euro pro Jahr an neuen Krediten erlaubt. Vorteil
der Regelung: Im Vergleich zu anderen reichen Staaten ist Deutschland
relativ wenig verschuldet. Ihr Nachteil: Es fehlten staatliche
Investitionen, um die Substanz aufrechtzuerhalten, die Wirtschaftswachstum
erst ermöglicht.
Die Infrastruktur, [2][etwa das Bahnnetz, verfällt zusehends]. So beschloss
die gegenwärtige Koalition noch vor ihrem Amtsantritt zusammen mit den
Grünen, die Schuldenbremse vorläufig weitgehend außer Kraft zu setzen. Das
Sondervermögen für [3][Infrastruktur] und Klimaneutralität umfasst nun
zusätzliche Kredite von 500 Milliarden Euro. Und die sogenannte
Bereichsausnahme gestattet momentan schuldenfinanzierte Militärausgaben von
rund 100 Milliarden Euro jährlich. Doch solch eine hohe Verschuldung kann
sich selbst eine stabile Ökonomie wie Deutschland nicht lange leisten.
## Die drei Modelle
Wie also weiter? Die eher der Union nahestehenden ÖkonomInnen plädieren
dafür, die Grundgesetzregel mehr oder weniger zu erhalten und die aktuelle
Verschuldung zurück in den Rahmen zu pressen. Eine Lösung für nötige
Investitionen und höhere Verteidigungsausgaben bieten sie zwar nicht, aber
die Gesamtverschuldung sänke zügig.
Die SPD-Seite schlägt dagegen vor, grundsätzlich eine größere
Staatsverschuldung von bis zu 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu
erlauben, damit [4][unter anderem Infrastrukturinvestitionen] möglich
bleiben. Bei normalem Wachstum würde die Gesamtverschuldung damit wieder
zurückgehen, allerdings langsamer als im Unionsvorschlag.
Eine dritte Variante stammt von den Wirtschaftsforscherinnen Philippa
Sigl-Glöckner und Isabella Weber: Sie sprechen sich für mehr Orientierung
an den teils flexibleren EU-Regeln und Vollbeschäftigung als zusätzlichem
Maßstab für Verschuldung aus.
Eine realistische Reform ist auf dieser Basis erst mal nicht
wahrscheinlich. Denn die ExpertInnen haben den Regierungsparteien keinen
Weg gewiesen, der es diesen ermöglichte, über ihre jeweiligen Schatten zu
springen. Das erschwert auch die Suche nach der Zweidrittelmehrheit, die
für die Änderung des Grundgesetzes erforderlich ist.
9 Jul 2026
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