# taz.de -- Anti-Schwarzer Rassismus in Berlin: Kein Einzelfall, sondern strukturelle Realität
       
       > Die Monitoringstelle EOTO e. V. verzeichnete 2025 mehr als doppelt so
       > viele Vorfälle von Rassismus gegen Schwarze Menschen als noch im Vorjahr.
       
 (IMG) Bild: Auf die Straße: Gedenkmarsch zur Straßenumbenennung der Petersallee in die Maji-Maji-Allee im Afrikanischen Viertel Berlin-Wedding
       
       Sade steht in Moabit an der Ampel, als zwei weiße Männer auf sie zukommen.
       Einer der Männer holt ein Feuerzeug heraus, hält es ganz nah an ihr Ohr und
       ihre Locken, macht damit Klickgeräusche, so als wolle er ihr Haar anzünden.
       So berichtet es Sade der [1][Beratungs- und Monitoringstelle Anti-Schwarzer
       Rassismus Each One Teach One (EOTO) e. V.] – Vorfälle wie dieser haben sich
       2025 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.
       
       500 Fälle registrierte die Beratungsstelle in ihrem Bericht, der dieses
       Jahr zum dritten Mal veröffentlicht wird. 2024 waren es noch 213 Fälle. Die
       Monitoringstelle gibt es seit 2020, seit 2021 können auch online
       rassistische Vorfälle gemeldet werden. Auch Daten aus dem [2][Berliner
       Register] fließen in die Erhebung mit ein. Die meisten Vorfälle ereigneten
       sich im öffentlichen Raum, weitere auf Ämtern, Behörden oder der Justiz, im
       Bildungsbereich, im Bereich Wohnen und in Sammelunterkünften sowie auf der
       Arbeit.
       
       Von Rassismus spricht man, wenn Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale,
       ihrer Herkunft, Kultur oder Religion abgewertet werden. Anti-Schwarzer
       Rassismus, also Rassismus gegen Schwarze Menschen, ist in der Kolonialzeit
       begründet. Deutsche Kolonien gab es unter anderem im heutigen Namibia
       (Deutsch-Südwestafrika), Tansania, Ruanda und Burundi (Deutsch-Ostafrika),
       in Kamerun und in Togo. Zugrunde liegt die Ideologie, der afrikanische
       Kontinent sei rückständig im Gegensatz zum fortschrittlichen Europa.
       
       Diese Stereotype wirken weiterhin, wie man zuletzt prominent bei der
       Fußballweltmeisterschaft der Männer beobachten konnte, als Bastian
       Schweinsteiger vor dem Spiel von Deutschland gegen die Côte d'Ivoire deren
       „afrikanischen“ Stil als einen bezeichnete, der „manchmal so ein bisschen
       unorthodox ist, so ein bisschen wild ist, vielleicht manchmal auch nicht
       ganz so von der Taktik geprägt ist“. [3][Darüber berichtete unter anderem
       die Zeit. ]
       
       ## Deutliche Zunahme von Hassgewalt
       
       Vorfälle, in denen diese rassistische Denkweise über Schwarze Menschen als
       „Wilde“ zutage tritt, werden auch im Monitoring-Bericht beispielhaft
       wiedergegeben: „Adina und Grace befinden sich gegen Mittag in der Nähe des
       Bahnhofs Yorckstraße, als sie auf offener Straße rassistisch beleidigt
       werden. Ein weißer Junge, den die beiden auf nicht älter als 13 Jahre
       schätzen, rennt auf sie zu und macht wiederholt Affenlaute, während er
       weiter neben ihnen hergeht.“
       
       Auch geflüchtete Schwarze Personen, die nach Deutschland immigrieren,
       erfahren schlechtere Behandlung und werden als gefährlicher eingestuft als
       weiße. So berichten zwei Schwarze ukrainische Geflüchtete, die in einer
       Unterkunft mit sonst ausschließlich weißen Ukrainer*innen untergebracht
       sind, dass bei einer Streitigkeit zwischen ihnen sofort die Polizei gerufen
       wurde, während bei Streitigkeiten unter anderen Bewohner*innen zunächst
       die Sicherheitskräfte vor Ort einschreiten.
       
       Erst letzte Woche hatte Maximilian Krah von der AfD in einem Interview mit
       Journalist Mehdi Hasan im englischsprachigen Format [4][„Head to Head“, das
       bei Al Jazeera ausgestrahlt wurde], Anti-Schwarzen Rassismus in der AfD
       offen zugegeben. Auf die Frage, ob es in Deutschland zu viele
       Muslim*innen gäbe, antwortete Krah, er habe kein Problem mit 10.000
       jungen Menschen aus Teheran, die nach Deutschland kämen, um hier zu
       studieren, aber: „Ich möchte keine 10.000 Somalis. Das ist ein
       Unterschied.“
       
       Patrice Poutrus, [5][Programmdirektor Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
       bei der Amadou-Antonio-Stiftung,] hält die Verdopplung der dokumentierten
       Fälle von Anti-Schwarzen Rassismus für alarmierend: „Ob Antisemitismus,
       Rassismus oder Queerfeindlichkeit – Hassgewalt nimmt deutlich zu. Auch eine
       zunehmend polarisierende politische Debatte trägt dazu bei. Umso wichtiger
       ist es, diese Entwicklung ernst zu nehmen: durch konsequente Dokumentation,
       klare politische Maßnahmen und eine entschlossene gesellschaftliche Haltung
       gegen Rassismus.“
       
       „Anti-Schwarzer Rassismus ist kein Einzelfall, sondern strukturelle
       Realität. Anti-Schwarzer Rassismus zieht sich durch sämtliche
       Lebensbereiche, vom öffentlichen Raum über Behörden und Polizei bis hin zum
       Gesundheitswesen“, so die Projektleiterin von EOTO, Joanna James. Am 20.
       Juli werden die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vorgestellt.
       
       10 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://eoto-archiv.de/
 (DIR) [2] https://berliner-register.de/
 (DIR) [3] https://www.zeit.de/sport/2026-06/bastian-schweinsteiger-rassismus-kommentar-elfenbeinkueste
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=VTOmrTYvGYI
 (DIR) [5] https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Simbürger
       
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