# taz.de -- Zustand der Berliner Kleingewässer: Quaken im Wasserfall
       
       > Sie sind überall in Berlin – und oft in einem miserablen ökologischen
       > Zustand: die Kleingewässer. Der aktuelle BUND-Report gibt aber auch
       > Hoffnung.
       
 (IMG) Bild: Auch ein Biotop mit Potenzial: das Regenrückhaltebecken am Columbiadamm mit der „Floating University“
       
       Der Wasserfall im Kreuzberger Viktoriapark begeistert Norbert Prauser.
       Nicht unbedingt, weil die künstlichen Kaskaden so hübsch aussehen, sondern
       weil sie – mitten in der hoch verdichteten Großstadt – dem Grasfrosch ein
       ausgezeichnetes Biotop bieten: „Im Teich unten an der Kreuzbergstraße
       ziehen die Tiere ihren Nachwuchs auf, und die Kleinen schwärmen dann
       entlang der ganzen Anlage aus“, berichtet der Mitautor des 5. Berliner
       Kleingewässerreports, den der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gerade
       vorgelegt hat.
       
       [1][Seit 2020 beobachtet der BUND die Berliner Kleingewässer] – mehr als
       600 Teiche, Pfuhle oder Gräben – und bewertet deren ökologischen Zustand.
       Grundsätzlich gibt es dabei eine Menge Negatives zu berichten: Viele der
       „blauen Perlen“, wie die Senatsumweltverwaltung sie gerne nennt, sind
       [2][ausgetrocknet, verlandet oder komplett mit Röhricht zugewachsen],
       sodass sie gerade Amphibien wie Fröschen, Kröten oder Molchen keine
       angemessenen Habitate mehr bieten.
       
       Auch in der Gesamtbewertung des 5. Reports ist von einem „anhaltenden
       Rückgang geeigneter Lebensräume für Amphibien in der Hauptstadt“ die Rede.
       Viele Kleingewässer litten „weiterhin unter mangelhafter Pflege, fehlender
       Finanzierung und hohen verwaltungsrechtlichen Hürden“. Allerdings klang bei
       Prausers Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch auch überraschend
       Erfreuliches mit: Dort, wo es verlässliche Zuständigkeiten und gesicherte
       Mittel für die Unterhaltung gebe, seien „deutlich bessere Zustände
       erreichbar“.
       
       Das betrifft ganz offensichtlich vor allem jene Kleingewässer, die direkt
       unter der Obhut der Umweltverwaltung stehen. Im Jahr 2024 hat der BUND sich
       84 dieser Biotope angesehen und sie in einem „unerwartet gutem Zustand“
       vorgefunden, so Prauser: 80 Prozent von ihnen wiesen mindestens eine
       eingeschränkte, zum Teil auch hohe Lebensraumeignung für Amphibien auf. Zur
       Kategorie A, der besten von vier, gehören unter anderem der Kopfweidenpfuhl
       im Britzer Garten (Neukölln), das Karower Becken in Pankow oder das
       Septimerbecken in Reinickendorf.
       
       Die Kehrseite der Medaille zeigt sich in einer zweiten Erhebung, die der
       BUND 2025 an über 50 Kleingewässern durchführte, die von den Straßen- und
       Grünflächenämtern der Bezirke unterhalten werden und schon bei den
       vergangenen Reporten durch einen schlechten Pflegezustand aufgefallen
       waren. Nur in wenigen Fällen habe man hier eine Verbesserung feststellen
       können, so Prauser. Er sprach von einem „Schock“, dass sich hier nichts zum
       Guten gewendet habe.
       
       ## Verlässliche Rahmenbedingungen
       
       Zwar seien die beiden Untersuchungen nicht direkt miteinander vergleichbar,
       weil unterschiedliche Gewässergruppen betrachtet wurden, räumt der BUND
       ein. Die Ergebnisse verwiesen jedoch auf ein strukturelles Problem: Auf
       Landesebene, wo der zuständigen Abteilung in der Senatsverwaltung jährlich
       rund 3 Millionen Euro für Kleingewässer zur Verfügung stünden, herrschten
       verlässlichere Rahmenbedingungen als in den Bezirken, die sich um rund zwei
       Drittel der Kleingewässer kümmern müssen. Vielen bezirklichen
       Grünflächenämtern fehle es an einer stabilen Basis für eine fachgerechte
       Gewässerpflege, es gebe zu wenige Fachkräfte, man kämpfe gegen aufwendige
       Verwaltungsabstimmungen.
       
       Norbert Prauser erhofft sich eine weitere Verbesserung von der Umsetzung
       der Verwaltungsreform, er hob aber auch die gute Zusammenarbeit mit anderen
       Akteuren hervor – so den Berliner Wasserbetrieben oder dem [3][Wassernetz
       Berlin, zu dem sich mehrere Umweltorganisationen zusammengeschlossen
       haben]. Im Wassernetz engagieren sich auch viele interessierte
       BerlinerInnen bei Renaturierungsmaßnahmen, der Gewässerbeobachtung oder
       Dialogveranstaltungen.
       
       Ein großes, meist noch ungehobenes Potenzial sieht der BUND in den vielen
       Regenrückhaltebecken der Stadt – Senken, in denen viel zu oft nur trockener
       Rasen wachse, die sich aber mit überschaubarem Aufwand in florierende
       Biotope verwandeln ließen, etwa durch das Anlegen eines kleinen Teiches, in
       dem das ganze Jahr über etwas Wasser verfügbar bleibe. Eine permanent große
       Wasserfläche bräuchten viele Amphibien gar nicht, erläuterte
       BUND-Naturschutzreferent Dirk Schäuble: Der berühmten Kreuzkröte etwa
       reichten wenige Wochen für ihre frühe Entwicklung im Wasser völlig aus.
       
       Auch für June Tomiak, Sprecherin für Wildtier und Gewässerschutz der
       Grünenfraktion, ergibt sich aus dem Monitoring des BUND, dass der Senat die
       Bezirke stärken muss: Diese sollten die Pflege von Kleingewässern als
       eigenes „Produkt“ abrechnen können, damit notwendige Maßnahmen endlich
       umgesetzt würden. Schließlich schade der schlechte Zustand oder der
       komplette Verlust von Kleingewässern nicht nur der Tierwelt, er verschärfe
       auch die Hitze in der Stadt und lasse wichtige Orte der Erholung
       verschwinden. „Berlin kann sich diesen Verlust nicht leisten“, findet
       Tomiak.
       
       Die Grünen hatten im vergangenen Januar einen Antrag im Abgeordnetenhaus
       zum besseren Schutz der Berliner Kleingewässer gestellt. Damit sollte der
       Senat unter anderem aufgefordert werden, sein Kleingewässerprogramm
       finanziell auszubauen, die Bezirke besser auszustatten, bereits verlorene
       Biotope durch Renaturierung wiederherzustellen oder Ersatzbiotope anzulegen
       und die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) auch auf
       Kleingewässer anzuwenden. Dieser Antrag wurde von der schwarz-roten
       Parlamentsmehrheit abgelehnt.
       
       8 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Berliner-Kleingewaesser/!6039952
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