# taz.de -- USA und Iran greifen erneut an: Geht der Krieg wieder los?
> Der Streit zwischen Washington und Teheran um die Straße von Hormus lässt
> die Waffenruhe wackeln. Was wird aus den Verhandlungen?
(IMG) Bild: Nach eigenen Angaben hat das US-Militär 90 militärische Ziele in Iran angegriffen
dpa | Die USA haben im Streit mit dem Iran um die Straße von Hormus in
zweiter Nacht in Folge Ziele in der Islamischen Republik bombardiert. Es
seien entlang der iranischen Küste rund 90 militärische Ziele, darunter
Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen sowie Raketen- und
Drohnenlager getroffen worden, teilte das US-Militär mit. Irans
Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht des Landes – griffen nach eigenen
Angaben im Gegenzug erneut US-Stützpunkte in den beiden mit Washington
verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain an.
[1][US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran] noch heftigere Angriffe an.
Die Attacken des US-Militärs seien Vergeltungsmaßnahmen für vom Iran
beschossene Schiffe, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.
„Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!“ Das
zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte unterdessen in den frühen
Morgenstunden mit, dass die neue Angriffswelle abgeschlossen sei.
Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb am frühen Morgen
auf der Plattform X: „Amerika hat noch immer nicht begriffen, dass
Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr folgenlos bleiben. Um es ganz
deutlich zu sagen: Wenn ihr zuschlagt, werdet ihr selbst getroffen.“
Laut dem regierungstreuen Sender Press TV forderte Teheran den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nach den erneuten „großangelegten“
US-Angriffen zu sofortigem Handeln auf und warnte Washington vor den
Konsequenzen.
## Erneut Explosionen im Iran
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in mehreren
Gebieten entlang der Küste des Landes. Unter anderem habe es Detonationen
im Bereich der Großstadt Bandar Abbas, der Hafenstadt Buschehr und der
Insel Abu Musa im Persischen Golf gegeben. Laut der staatlichen
Nachrichtenagentur Irna wurden auch Gebäude am Flughafen der Stadt
Iranschahr beschädigt. Zudem sei eine Eisenbahnbrücke in der nordöstlichen
Provinz Golestan getroffen worden, meldete der Staatssender Irib. Laut
Press TV war es der erste US-Angriff in der Region seit dem Beginn der
Waffenruhe im April. Laut den Revolutionsgarden wurde noch eine weitere
Brücke getroffen.
Der Golfstaat Kuwait geriet daraufhin in der zweiten Nacht in Folge unter
Beschuss. Die Luftabwehr wehre Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die
Armee mit. Details gab es zunächst nicht. Auch in Bahrain heulten wie in
der Nacht zuvor die Alarmsirenen. Beide Länder beherbergen US-Militärbasen,
die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt liegen.
## Streit um Straße von Hormus eskaliert
Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schrieb in einer Lageanalyse, der
Iran sei bereit, sich auf einen umfassenden Konflikt mit den USA
einzulassen, sollte dies zur Sicherung seiner Kontrolle über die Straße von
Hormus nötig sein. Laut Experten ist die für den globalen Handel mit Öl,
Gas und Dünger wichtige Meerenge Irans stärkstes wirtschaftliches und
militärisches Druckmittel.
Die Wiederöffnung der Straße von Hormus ist ein zentrales Element des
Rahmenabkommens, auf das sich Washington und Teheran Mitte Juni verständigt
hatten. Doch der entsprechende Passus in dem Abkommen enthält
Formulierungen, die Interpretationsspielraum lassen. Der Iran pocht darauf,
laut Abkommen allein verantwortlich für die Verwaltung der Meerenge zu
sein.
## Bericht: Angriffe könnten noch länger dauern
Nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ bereitet sich das
Weiße Haus auf eine mögliche mehrtägige oder sogar mehrwöchige militärische
Auseinandersetzung mit dem Iran in der Meerenge vor. Die Dauer und die
Intensität der neuen Angriffe hingen von den nächsten Schritten Teherans
ab, hieß es unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Sie könnten ein oder
zwei Tage, eine Woche oder einen Monat andauern, je nachdem ob der Iran
seine Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus fortsetze, hieß
es.
Nach Trumps Darstellung wollen die Iraner aber weiterhin ein
Friedensabkommen. „Sie haben vor Kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein
Abkommen abschließen“, behauptete er auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel nach
Washington. Er sei sich aber nicht sicher, ob sie eines Abkommens würdig
seien oder sich an eines halten würden, sagte Trump. Auf die Frage einer
Journalistin, warum Irans Führung Handelsschiffe angreife, wenn sie doch an
einem Abkommen interessiert sei, sagte er: „Weil … sie etwas verrückt
sind.“
## Trump über Irans Führung: „Sie sind Abschaum“
Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte das US-Militär nach eigenen Angaben
mehr als 80 Ziele im Iran attackiert. [2][Trump stellte daraufhin am Rande
des Nato-Gipfels in Ankara die Waffenruhe offen infrage] und äußerte
Zweifel an einer Fortsetzung der Verhandlungen mit Teheran. „Ich denke, es
ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind
Abschaum“, sagte er. Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X:
„Wir begegnen Obszönitäten nicht mit Obszönitäten, sondern mit Taten:
furchtlos und mit großem Mut“.
Die erneute Eskalation erfolgte während der Trauerfeiern für Irans
Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Mehr als vier Monate nach seiner
Tötung durch einen israelischen Luftangriff soll er heute im
Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad – dem wichtigsten Zentrum
des schiitischen Islams im Iran – unter Ausschluss der Öffentlichkeit
beerdigt werden. Nach seiner Tötung hatten die USA und Israel mehr als fünf
Wochen Krieg gegen den Iran geführt, bis im April eine Waffenruhe
vereinbart wurde.
## Iran will erst verhandeln, wenn Drohungen aufhören
Laut Irans Außenminister Araghtschi wird es keine Verhandlungen über ein
endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges geben, solange die
Drohungen andauerten. Der Vermittlerstaat Pakistan hatte nach den
US-Angriffen in der Nacht zum Mittwoch beide Konfliktparteien zu
Zurückhaltung aufgerufen.
Man fordere alle Seiten auf, ihren Verpflichtungen aus dem Rahmenabkommen
nachzukommen, hieß es. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen
einen endgültigen Deal auszuhandeln. Nach den jüngsten Kämpfen ist jedoch
unklar, ob dieser Zeitplan noch Bestand hat. Streitpunkte sind weiterhin
das iranische Atomprogramm, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße
von Hormus sowie Irans Unterstützung für militante Gruppen in der Region.
Gut informierte Kreise in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hatten am
Mittwoch Sorgen zurückgewiesen, die jüngste Eskalation könne den
Verhandlungsprozess gefährden. Eine nächste Runde wäre demnach wieder in
Pakistan möglich. Auch die katarische Hauptstadt Doha sei im Gespräch.
9 Jul 2026
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