# taz.de -- Verwirrung um USA-Iran-Verhandlungen: Diplomatie am Limit
> Gibt es neue Gespräche und wenn ja, wann? Trump sagt ja, Iran beharrt auf
> der Kontrolle der Straße von Hormus. Die Streitpunkte im Überblick.
(IMG) Bild: Hier könnte verhandelt werden: Doha, Haupstadt von Katar
ap | Die USA und Iran haben weniger als 60 Tage Zeit, um ein dauerhaftes
Ende des Krieges auszuhandeln. Sie sind sich jedoch offenbar weiterhin
uneinig darüber, wie sie ihr Mitte Juni vereinbartes vorläufiges
Rahmenabkommen auslegen. Es ist nicht einmal klar, wann sich beide Seiten
erneut treffen. „Die Lage ist sensibel und komplex“, schrieb der iranische
Chefunterhändler Kasem Gharibabadi am Montag auf X.
Die Gespräche sind nur eine der drängenden Fragen. Weitere betreffen unter
anderem [1][die Straße von Hormus]: Die USA erklären sie für offen, während
Iran auf einem gewissen Kontrollrecht beharrt. Der Streit führte zu
[2][mehrtägigen militärischen Angriffen] beider Seiten, die am Montag
vorerst endeten.
Ein Überblick über zentrale Streitpunkte – darunter [3][die anhaltenden
Kämpfe im Libanon] – und warum der Konflikt noch lange nicht gelöst ist.
## Weitere Gespräche sind vorgesehen – irgendwann
Was die USA sagen: „IRAN HAT EIN TREFFEN ERBETEN. ES FINDET MORGEN IN DOHA
STATT!“, schrieb US-Präsident Donald Trump am Montag in den sozialen
Medien.
Was der Iran sagt: „Es sind in den kommenden Tagen auf keiner Ebene
Gesprächstermine mit den USA angesetzt“, sagte der Sprecher des iranischen
Außenministeriums, Esmail Baghaei, am Montag.
Was gerade passiert: Die USA und Iran haben sich eine Frist bis Mitte
August gesetzt, um ein dauerhaftes Friedensabkommen zu erreichen, das auch
Irans umstrittenes Atomprogramm umfasst.
Zunächst sind technische Gespräche auf niedriger diplomatischer Ebene
vorgesehen, bevor Spitzenunterhändler erneut verhandeln. Vermittler drängen
auf einen Neustart. Pakistan, gemeinsam mit Katar wichtiger Vermittler,
erklärte, die Gespräche sollten am Dienstag wieder aufgenommen werden.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte dem Sender Fox
News, die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner sollten nach
Katar reisen, um sich dort mit iranischen Vertretern zu treffen. Technische
Gespräche sollten am Rande stattfinden.
Später zitierten iranische Staatsmedien Baghaei mit der Aussage, eine
Expertendelegation werde diese Woche nach Katar reisen, jedoch ohne
geplante Treffen mit den USA.
Es gibt zahlreiche Streitpunkte – darunter Regelungen zur Straße von
Hormus, Sanktionserleichterungen für Iran und die Zukunft des
hochangereicherten iranischen Uranbestands.
Das Abkommen sieht jedoch vor, dass die Kampfhandlungen vor weiteren
Verhandlungen enden müssen. Nach den Gefechten am Wochenende drohte Iran am
Sonntag mit einem „vollständigen Stopp“ der Gespräche. Am Montag setzten
beide Seiten die Angriffe offenbar aus. Teheran könnte jetzt abwarten, ob
diese Ruhe anhält.
## Die Straße von Hormus ist theoretisch offen für Schiffe
Was die USA sagen: Die Straße von Hormus ist laut Zwischenabkommen offen.
Was Iran sagt: Iran beharrt darauf, die Kontrolle über die Meerenge
auszuüben. „Jeder Versuch, neue oder separate Regelungen einzuführen, wird
nur zu weiteren Komplikationen, einer Verzögerung der Wiedereröffnung und
höheren Spannungen führen“, sagte Außenminister Abbas Araghtschi am
Sonntag.
Was gerade passiert: Iran hat während des Krieges eine neue strategische
Hebelwirkung über die Meerenge erkannt, durch die vor dem Konflikt rund ein
Fünftel des weltweit geförderten Rohöls transportiert wurde.
Das Zwischenabkommen sieht vor, dass Iran den kommerziellen Schiffsverkehr
durch die zwischen Iran und dem Oman liegende Meerenge erleichtern soll.
Gleichzeitig soll Iran gemeinsam mit dem Oman und anderen Golfstaaten die
Verwaltung im Einklang mit internationalem Seerecht und der Freiheit der
Schifffahrt organisieren.
Iran verlangt jedoch, dass Schiffe von ihm festgelegte Routen nutzen und
sich mit iranischen Behörden abstimmen. Eine neue, von den USA überwachte
Route entlang der omanischen Küste lehnt Teheran ab – dies hat die Gefechte
am Wochenende ausgelöst.
Ein US-Regierungsvertreter sagte der AP, die Trump-Regierung gehe davon
aus, dass beide Seiten die Kampfhandlungen eingestellt haben und Schiffe
die Meerenge wieder frei passieren können.
Schiffe passieren die Meerenge bereits wieder, der Verkehr liegt jedoch
noch unter Vorkriegsniveau.
## Die Kämpfe sind an allen Fronten im Prinzip gestoppt
Was Iran sagt: Die Kampfhandlungen müssten überall enden, zudem müsse
Israel sich aus dem Libanon zurückziehen, bevor andere Fragen geklärt
werden.
Was die Hisbollah sagt: Die von Iran unterstützte libanesische Miliz
kündigte Widerstand gegen die israelische Präsenz im Süden des Libanon an.
Eine Verknüpfung des israelischen Rückzugs mit einer Entwaffnung der
Hisbollah sei ein „sehr gefährlicher Vorschlag“, sagte deren Anführer Naim
Kassem am Samstag.
Was Israel sagt: Israels Streitkräfte wollen im Süden Libanons bleiben,
„bis die Hisbollah und die übrigen Terrororganisationen entwaffnet sind und
keine Bedrohung mehr für Israel darstellen“, sagte Ministerpräsident
Benjamin Netanjahu.
Was gerade passiert: Parallel laufen US-vermittelte Gespräche zwischen
Israel und der libanesischen Regierung. Iran sagt, sein Zwischenabkommen
mit den USA sehe eine vollständige Waffenruhe im Libanon vor und verlange
einen israelischen Rückzug. Ein separates, von den USA vermitteltes
Abkommen zwischen Israel und dem Libanon erlaubt jedoch den Verbleib
israelischer Truppen im Süden, bis die Hisbollah entwaffnet ist. Die
Hisbollah war an diesen Gesprächen nicht beteiligt und lehnt die
Vereinbarung ab.
Die Hisbollah griff Israel zwei Tage nach den gemeinsamen Angriffen der USA
und Israels auf Iran am 28. Februar an. Israel reagierte mit Luftangriffen
und einer Bodenoffensive.
Am Wochenende kam es im Libanon weiterhin zu vereinzelten Gefechten. Das
könnte die Rückkehr Irans an den Verhandlungstisch verzögern. Israel hat
angekündigt, im Süden des Libanon zu bleiben, bis die Bedrohung durch die
Hisbollah beseitigt sei. Die libanesische Regierung hat nicht die
Fähigkeit, die Miliz gewaltsam zu entwaffnen.
30 Jun 2026
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