# taz.de -- Gesetzentwurf der Familienministerin: Elterngeld soll nur noch kürzer gezahlt werden
> Am Montag wurde ein Gesetzentwurf zum Elterngeld öffentlich. Demnach wird
> die Bezugsdauer verkürzt. Von Opposition und Gewerkschaften gibt es
> scharfe Kritik.
(IMG) Bild: Weniger Zeit insgesamt: Der Elterngeldbezug soll auf 12 Monate gekürzt werden
kna/afp/taz | Nach vielseitigen Spekulationen wurde am Montagabend
schließlich ein Gesetzentwurf zum Elterngeld bekannt. Statt 14 soll es
künftig maximal nur 12 Monate Elterngeld geben. Eltern sollen das Geld
dabei nicht mehr so flexibel aufteilen können wie bislang. Außerdem sollen
der Mindest- und Höchstbetrag leicht steigen. Ein Sprecher des Ministeriums
verwies aber darauf, dass sich der Gesetzentwurf noch in der
Ressortabstimmung befinde.
Damit Paare den vollen Elterngeldbezug erhalten, müssten Väter und Mütter
jeweils 3 Monate Elterngeld beantragen. Die übrigen 6 Monate könnten
aufgeteilt werden. Derzeit können Paare die Aufteilung frei wählen. Wenn
Väter sich entschließen, Elternzeit zu nehmen, gibt es neben den 12 Monaten
zusätzlich 2 „Vätermonate“. Die [1][Reform kommt vor dem Hintergrund von
Sparmaßnahmen der Regierung].
Auch die monatlich gezahlten Beträge sollen leicht steigen – der
Mindestbetrag von 300 auf 330 Euro und der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900
Euro. Die grundsätzliche Regelung, dass das Elterngeld bei 65 Prozent des
Nettoeinkommens gedeckelt wird, soll aber bestehen bleiben.
## Scharfe Kritik von der Opposition
Aus der Opposition und von Gewerkschaftsseite kommt Kritik an [2][Plänen
von Familienministerin Karin Prien (CDU)]. Das sei „die Bankrotterklärung
einer Regierung, die Kinder offensichtlich nur noch als Luxusgut begreift“,
sagte die Linken-Familienpolitikerin Mandy Eißing am Dienstag der
Nachrichtenagentur AFP. Mehr Anreize für Väter seien „schön und gut, aber
nicht, wenn man gleichzeitig die gesamte Bezugsdauer zusammenstreicht“,
sagte Eißing von den Linken dazu AFP.
Die angedachte Reform „klaut Familien wertvolle Zeit“. Zudem sei die
„mickrige Beitragserhöhung“ angesichts explodierender Lebensmittelpreise
„ein schlechter Scherz“. [3][Echte Partnerschaftlichkeit] gebe es, wenn
beide Elternteile ein volles, eigenes Jahr für ihr Kind bekämen, führte sie
aus.
Grünen-Fraktionsvize Misbah Khan sagte gegenüber der AFP, sie habe zwar
„Verständnis für die angespannte Haushaltslage“, jedoch sei es eine
politische Entscheidung, wo gekürzt werde. „Wer ausgerechnet beim
Elterngeld den Rotstift ansetzt, sendet ein fatales Signal an alle Familien
im Land.“ Statt das Elterngeld zu kürzen, brauche es „endlich eine Reform,
die Familien spürbar entlastet und ihre Situation verbessert, nicht
verschlechtert“.
Die DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack erklärte zu den Plänen aus dem
Familienministerium, der eine zusätzliche verbindliche Elterngeldmonat sei
die einzige positive Nachricht. Der Rest sei „gleichstellungspolitisch ein
Rückschritt“, fuhr sie fort. „So wird das nichts mit mehr
Partnerschaftlichkeit in der Familie.“ Um faire Verteilung von Sorgearbeit
zwischen Frauen und Männern zu fördern, müsse es mehr finanzielle Anreize
geben, „wie sie im Koalitionsvertrag auch versprochen wurden“.
7 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Reform-des-Elterngeldes/!6193680
(DIR) [2] /Debatten-um-Bundeshaushalt/!6181914
(DIR) [3] /Debatte-zum-Elterngeld/!6183711
## TAGS
(DIR) Elterngeld
(DIR) Elternzeit
(DIR) Familienpolitik
(DIR) Sparmaßnahmen
(DIR) Familienministerium
(DIR) Karin Prien
(DIR) Elterngeld
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Geplante Reform: Was sich beim Elterngeld ändern könnte
Der Bundeshaushalt wird festgezurrt, auch das Elterngeld soll sich
verändern. Für die volle Auszahlung sollen Väter künftig länger Elterngeld
beziehen müssen.
(DIR) Debatte zum Elterngeld: Leistung für die Mittelschicht?
Das Elterngeld hatte von Anfang an einen Makel. Vielleicht wird’s Zeit, ihn
zu vergessen?
(DIR) Sparpläne beim Elterngeld: Nicht jede Kürzung ist ein Skandal
Die Bundesregierung will beim Elterngeld sparen. Sie sollte die Kürzungen
nutzen, um das Elterngeld gerechter und feministischer zu gestalten.