# taz.de -- Album von Panda Bear und Sonic Boom: Besseres Klima dank Mariachi und Harmoniegesang
> Darauf hinweisen, dass es einen besseren Weg gibt, das wollen sie schon:
> Panda Bear und Sonic Boom veröffentlichen ihr neues Album „A? of When“.
(IMG) Bild: Dynamisches Duo: Panda Bear und Sonic Boom
„Im Kirchenchor war ich nicht“, sagt Noah Lennox, der US-Künstler, den alle
unter seinem Alias Panda Bear kennen, beim Q&A nach der Listeningsession
zum Album „A? of WHEN“ in Berlin. Entstanden ist die Musik in neuerlicher
Zusammenarbeit von Panda Bear mit dem englischen Künstler Sonic Boom (Pete
Kember). „Aber im Schulchor. Wir haben alle möglichen Lieder gesungen, sie
aber vorher für Chor umarrangiert. Dabei habe ich ein Gefühl dafür
entwickelt, wie Gesangsarrangements funktionieren.“ Das hat der in
Baltimore, Maryland, aufgewachsene Lennox bereits als Teil der US-Band
Animal Collective und mit seinen Soloalben bewiesen.
Auf „A? of WHEN“ sind es auch die Gesänge, die mit sakralem Glow und
Call-and-Response-hafter Vielschichtigkeit sofort aufhorchen lassen. Mal
rufen die blue-eyed-Duettgesänge der Everly Brothers dazwischen, auch die
Gesangharmonien der Beach Boys blitzen auf. „Revive him“ marschiert mit
Steeldrums über einen Jahrmarkt und das Karussell wird von den späten
Beatles angeschoben. Auch sonst zitiert das Duo völlig vom Schmerz befreit.
Beim Albumauftakt „Never givin' in“ klingt das Titelthema von „Twin Peaks“
an. Die Harfe spielt Mary Lattimore. Panda Bear durfte einen ihrer
Soundchecks vor einem Festival in Portugal aufnehmen und hat ihre
Improvisationen dann zu Loops verarbeitet.
Im Song „Something like Dreaming“ werden ihre träumerischen Harfenklänge
von „we will rock you“-artigem Handclapping konterkariert. Sonore
Gesangslinien enthärten den Queen’schen Stampf ein paar Takte später, dann
geriert der Beat zum friedlichem Unterwasserblubbern und die Harfe bekommt
Oberwasser. Sonic Boom, der die Welt bereits in den 1980er-Jahren als einer
der beiden Spacemen 3 mit psychedelischem Outerspacerock erfreute, mengt
federleichte Soundeffekte dazu, die sich wohlig mit dem Gegrummel reiben.
## Auswirkungen verfehlter Politik
Der Leichtigkeit verströmende A-capella-Schluss wird allerdings vom
Songtext ausgebremst: „Drive in a fast car take a bridge too far no warning
/ Something like dreaming revolves unrepeating what I see.“
Im Text zum Titelsong „A? of WHEN“, sagen die beiden voraus, dass die
langfristigen Auswirkungen von verfehlter Politik der Großkonzerne und
Regierungen uns bald auf die Füße fallen: „It’s not a question of if, it’s
a question of when.“ Die Platzierung des Songs in der Mitte des Albums ist
ein Indikator dafür, dass ihnen dieses Anliegen bedeutsam ist.
Kember hat die beiden Panda-Bear-Alben „Tomboy“ (2011) und „Panda Bear
Meets the Grim Reaper“ (2015) coproduziert, bevor sie 2022 im Duo „Reset“
veröffentlichten. „Das war ein Lock-Down-Album, es gab ja sonst nichts zu
tun“, sagt Kember, der aus Rugby in den englischen Midlands stammt und seit
langem wie Lennox in Portugal lebt. Tatsächlich haftet „Reset“ trotz seiner
Zitierfreude etwas Verhaltenes, Zurückgezogenes an.
Glücklicherweise hat Dubproduzent Adrian Sherwood dann 2023 den Reset-Knopf
gedrückt und das komplette Album als Dub-Version noch einmal neu gemischt:
„Reset in Dub“. „Als ich die Dubmixe zum ersten Mal gehört habe, dachte
ich, shit, so klingt die Musik besser als im Original“, gibt der 60-jährige
Kember freimütig zu.
## Streichersektion aus Mexiko-Stadt
2024 erschien dann die EP „Reset Mariachi“, auf der die Band Mariachi 2000
de Cutberto Pérez sechs Songs von „Reset“ teils auf Spanisch, teils
instrumental nach upliftender Mariachi-Art eingespielt hat. Und auch bei
„A? of WHEN“ ist die Streichersektion des Kollektivs aus Mexiko-Stadt
wieder mit von der Partie, verzichtet aber weitgehend auf typische
Mariachi-Sounds.
„Pray To You“ verströmt Zuversicht, lineare Streicherparts werden von
Pizzicato-Gezupfe extra herausgestellt, ein Hybridsound aus Marimba und
Mandoline erzeugt karibisches Flair, vermengt mit italienischer Folklore.
Im Song „Like A Moth To A Flame“ erzeugen die feengleichen Streicher im
Kontrast zu psychedelischen Sounds und den schleppenden Drums von Daniel
O’Sullivan eine Schneekugel-Atmosphäre.
Das Gefühl sehenden Auges ins Verderben zu rennen, kommt dadurch prima zur
Geltung. „Gee oh gee whizz again / Just why can’t be explained just like a
moth to a flame“. Der Manchesteraner Multiinstrumentalist und Sunn
O)))-Kuttenträger O’Sullivan verleiht der Hälfte der Songs auf „A? of WHEN“
einen artsy Rocktwist.
Der Sound atmet eine gewisse psychedelische Bodenständigkeit, die Songtexte
beschäftigen sich mit allgemein gültigen Themen wie übertriebener
Bildschirmzeit und Umweltschutz. Erhobene Zeigefinger braucht man aber
nicht zu suchen. Kember sagte in einem Interview, dass er eher nicht daran
glaube, mit Musik die Welt verbessern zu können. Aber darauf hinweisen,
dass es einen besseren Weg gibt, das will er schon. Mit „A? of WHEN“ ist
dieses Anliegen nachhaltig eingelöst.
19 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Sylvia Prahl
## TAGS
(DIR) Chor
(DIR) Neues Album
(DIR) Psychedelic-Rock
(DIR) Musik
(DIR) Belarus
(DIR) Memoiren
(DIR) Panda Bear
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