# taz.de -- „Löschzug“ von Fruchtiger Beigeschmack: Der Sommerhit zum Tänzchen gegen Merz
       
       > Ein Trio aus München bringt linke Slogans und fluffigen Latinjazz
       > zusammen. Das passt so gut, dass ihr Song „Löschzug“ jede Demo zum Tanzen
       > bringen könnte.
       
 (IMG) Bild: „¿Dónde están los bomberos?“ Das Münchner Trio Fruchtiger Beigeschmack spielt Politjazz zum Tanzen
       
       Es ist noch gar nicht lange her, an [1][diesem superheißen Samstag], als
       landesweit die Hitzerekorde purzelten, da machte die Berliner Polizei mal
       etwas richtig. Sie rückte mit Wasserwerfern an, an hintergrundstarken Orten
       wie dem Brandenburger Tor oder dem Roten Rathaus, [2][und spritzte los].
       Ein feiner Regen für die erhitzten Menschen. So erfrischend cool also kann
       Polizei sein.
       
       Natürlich hat das einen seltsamen Beigeschmack, wenn man bedenkt, was die
       Polizei gewöhnlich mit ihren Wasserwerfern macht: Zumeist erfrischend
       demonstrative Menschen gegen ihren Willen bewässern.
       
       Aber umso passender dann, dass fast zeitgleich ein bis dato nahezu
       unbekanntes Trio aus München einen Song ins Netz gestellt hat, der auf den
       ersten Blick wie der Soundtrack für die Berliner Polizeidusche wirkt.
       Tatsächlich aber sich fruchtig-spritzig und erfrischend wie ein
       Wasserwerfer auf den Weg macht, der Sommerhit des Jahres zu werden –
       zumindest für alles, was links ist. Und wie passender könnte sich eine
       Combo nennen als ausgerechnet „Fruchtiger Beigeschmack“.
       
       [3][„Löschzug“ heißt der äußerst ohrwurmelnde Song]. „Holt den Löschzug,
       dreht das Wasser auf, vielleicht gibt’s noch was zu retten, stünden wir
       nicht auf dem Schlauch“, trällert Sängerin Milena Hehl. Dazu springt und
       tanzt sie in den [4][zeitgemäß zum Song verbreiteten Videoschnipsel] durch
       die Welt. „Die linke Szene brauchte mal was anderes als Indie-Boys und
       Hiphop-Macker“, [5][heißt es auf Instagram] zu dem Song, der mit
       fröhlichstem Latinjazz, ohne Pauken, aber dafür umso mehr Trompeten das
       System vielleicht nicht ins Wanken, aber doch zum Tanzen bringt.
       
       Dabei ist der Text alles andere als leichte Kost. Er nimmt die [6][von
       Bundeskanzler Friedrich Merz angezettelte fremdenfeindliche
       „Stadtbild“-Rede] aufs Korn, verrührt sie mit der jugendgefährdenden
       Wiedereinführung der [7][Wehrpflichtdebatte], tanzt nicht mal am Wort
       „Genozid“ vorbei, würzt das mit Profitkritik und [8][drohendem Faschismus].
       Alles was Politslogans aktuell so hergeben.
       
       „Ich weiß, dass Menschen gerne verdrängen, aber es kann nicht sein, ihr
       seht es doch brennen“, singt Hehl und fragt zum Schluss auf Spanisch.
       „¿Dónde están los bomberos?“ – wo sind die Feuerwehrleute? Musikalisch
       garniert mit so leichter Kost, dass trotz allem gute Laune aufkommt.
       
       Und die Frage: Warum wird dieser Song nicht bei jeder vernünftigen Demo
       rauf und runter genudelt? Und warum spielt Fruchtiger Beigeschmack nicht
       auf jedem dieser lässigen Festivals landauf, landab?
       
       Kaum war „Löschzug“ im Netz, [9][verkündete Merz die niederschmetternden
       Reformpläne der Koalition] – Krankschreibung ab dem ersten Arbeitstag zum
       Beispiel. Die drei Beigeschmäckler:innen nehmen das als Ansporn.
       „Lasst uns den Song so sehr pushen, dass Merz den morgen im Radio hören
       muss“, [10][schreibt die Band auf Instagram].
       
       ## Intensive Texte auf treibenden Beats
       
       Besonders groß ist das Gesamtwerk des Trios nicht. Auch musikalisch ist es
       nicht besonders innovativ. Aber wie bei guten Hiphop-Songs wird hier
       zusammengefügt, was zusammengehört: intensive Texte auf einem meist
       treibenden Beat.
       
       Im Netz findet sich [11][die EP „Skript 1 des Nichts“ mit einem halben
       Dutzend Songs], die erkennen lassen, dass die Sängerin Hehl, Gitarrist Levi
       Kirner und Schlagzeuger Felix Zormaier gern auch schwer scheinende Themen
       mit einer jazzigen Leichtigkeit angehen – selbst wenn es um Trennung geht,
       wie bei [12][„Nutzlos“]. Oder um die allgemeine Irritation durch den
       Zustand der allernächsten Umwelt bei [13][„Ich hör mich nicht“].
       
       Die beiden letzten will „Frubei“, wie sich die Band selbst abkürzt, im
       September offenbar zusammen mit „Löschzug“ auf eine zweiten EP packen. Dazu
       soll es auch [14][ein Releasekonzert in München] geben.
       
       „Ich wart auf den Sommer, bis er vorbei ist“, [15][hieß eine Textzeile]
       schon auf den ersten EP von Fruchtiger Beigeschmack. Damit das diesmal erst
       gar nicht so weit kommt, sollte jemand mal den Löschzug anschmeißen. Wasser
       Marsch! [16][Am kommenden Wochenende soll es wieder heiß werden]. Und Hitze
       ist politisch.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /-Hitzewelle-in-Deutschland-/!6191436
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 (DIR) [12] https://youtu.be/bbWBc1F_fVw?si=JM3UB-FQvqLmPBlu
 (DIR) [13] https://youtu.be/6eoc4h0xv78?si=JXGIgSyEGN3jED46
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       ## AUTOREN
       
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